Wandern und Schauen: Nach dem Unwetter

Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell ein sonst harmlos erscheinender Bergbach die Landschaft verändern kann. An einer kleinen Brücke am Wanderweg stutze ich: vor wenigen Tagen war der Bach hier noch metertief eingegraben, jetzt ist er bis an den Weg aufgeschottert. Und offenbar hat ein Bagger bereits den Weg frei geräumt und auch im Bachbett wieder eine schmale Rinne geschaffen, um das Wasser in sein altes Bett zurück zu leiten: Schotter auf den angrenzenden Weideflächen zeigt, wie stark der Bach ausgeufert war.

Jetzt ist er wieder ein kleines Rinnsal, aus dem der Hund ungefährdet saufen kann.

Aber auch weiter oben zeigt sich, welche gewaltigen Schuttmengen, vermischt mit Wurzeln und Baumstämmen das Wasser transportiert hat: es muss ein ordentliches Getöse gewesen sein.

Offenbar war es eines der letzten heftigen Gewitter, das den Bach derart anschwellen ließ – hier in den Bergen nicht ungewöhnlich, aber es scheint, dass solche Starkregen-Ereignisse zunehmen. Die Natur – und auch wir Menschen – müssen damit zurechtkommen.

Auch die Bäume sind am Steilhang Überlebenskünstler: was direkt auf dem Fels wachsen will, muss seine Wurzeln tief hinunter strecken und gut verankern. 04. 08. 2024

Wandern und Schauen: Teufelskralle von Schwarz bis Weiß

Ich könnte jeden Moment schwärmen: Oh wie schön! Eindrücke aus einem Allgäuer Bergtal: „Teufelskralle“ – was für ein unheimlicher Name für ein apartes Glockenblumen-Gewächs, das freilich schwarze Krallen zeigen kann. Aber der Schweizer Name „Rapunzel“ gefällt mir besser.

Ich habe die seltene himmelblaue Rapunzel (Phyteuma spicatum, ssp. occidentale) entdeckt, eine stabile Hybride der weißen, ährigen Rapunzel (Ph. spicatum) mit der fast schwarzen Hallers Rapunzel (Ph. ovatum), die beide auch am Weg standen, ebenso wie zwei weitere Rapunzel-Arten. Die meisten Wanderer gehen achtlos vorüber und Radler mit E-Bike haben sowieso keinen Blick für die Schönheiten am Wegrand.

Da wachsen auf Felsbrocken die schönsten Steingärten mit Thymian (Thymus sp.), Alpen-Steinquendel (Acinos alpinus), Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), Labkraut (Galium sp.), Ehrenpreis (Veronica fruticans), Trauben-Steinbrech (Saxifraga paniculata) und zottigem Habichtskraut (Hieracium villosum). Dazu Orchideen in Hülle und Fülle – demnächst in einem eigenen Beitrag.

Auch die Fruchtstände der Schnee-Pestwurz (Petasites paradoxus) sind einen Blick wert, ebenso wie die Wasserspiele im Bergbach und von der Künstlerin Natur gestaltete Steinskulpturen. Hund Airy ist natürlich immer dabei. 05.07.2020