Garten am Alpenrand: Erster Schnee

 

Bevor der Schnee ganz wegschmilzt – ab morgen ist ja wieder Regen gemeldet – auch von mir erste Winter-Eindrücke aus dem Garten. Die Rosen lassen sich noch nicht unterkriegen, einige Äpfel hängen immer noch am Baum und sind erfahrungsgemäß auch nach dem ersten Schnee noch gut genießbar. Die Quitte zeigt sich noch in ihren schönsten Herbstfarben mit Schneeglitzer als i-Tüpfelchen. 29. 11. 2018

 

 

Garten am Alpenrand: Apfelfülle, Apfelvielfalt

Berner RosenapfelIm Schlafzimmer duftet es nach Quitten, im Keller ganz wunderbar nach Äpfeln. Der Schöne von Wiltshire und Prinz Albrecht von Preußen ließen heuer früher als gewohnt die ersten Früchte fallen, aber noch hängen zahlreiche Äpfel am Baum. Geheimrat von Oldenburg wird erst jetzt erntereif. Die Apfelernte fällt heuer überreich aus, obwohl ich den Behang stark ausgedünnt habe.

 

Sechs Apfelsorten wachsen in meinem Garten. Das ist eine ganze Menge, aber sehr wenig im Vergleich zur früheren Vielfalt der Obstsorten. Vor einigen Jahren wurden im Allgäu vom Lech bis zum Bodensee alte Apfel- und Birnensorten kartiert. Das erstaunliche Ergebnis: in Hausgärten und auf Streuobstwiesen fanden Obstkenner 181 Apfel- und 81 Birnensorten. Mit dieser Vielfalt hatte niemand gerechnet, vor allem nicht in einer Region, die aufgrund des rauen Klimas nicht gerade günstig für den Obstbau ist. Allerdings waren von 84 Apfel- und 42 Birnensorten keine Namen mehr bekannt. Auch Pomologen, also Apfel-Sachverständige, konnten viele nicht mehr identifizieren. „Der Großvater hat das noch gewusst“, erzählte auch der Vorbesitzer meines Gartens. Aber innerhalb von zwei Generationen ist das Wissen um die Vielfalt der Obstbäume – wie überhaupt enorm viel Wissen um den Garten – verlorengegangen. Seit es Obst und Gemüse im Supermarkt gibt, besteht keine Notwendigkeit mehr, sich mühsam selbst um diese Lebensmittel zu kümmern. Andere Freizeitbeschäftigungen sind wichtiger geworden.

 

Erst allmählich setzt ein Umdenken ein, alte Gemüsesorten werden wiederentdeckt. Und es gibt zahlreiche Initiativen, die alten Obstsorten zu identifizieren und zu erhalten, zum Beispiel in einem Sortenerhaltungsgarten in der Versuchsstation für Obstbau bei Lindau. Freilich sind alte Sorten nicht automatisch besonders gut, nur weil sie alt sind. Mein „Geheimrat von Oldenburg“ ist im Geschmack eher langweilig, aber eine gute Befruchter-Sorte und gut geeignet als winterlicher Bratapfel. Es geht darum, das Genpotential der alten Sorten zu erhalten, denn sie sind an das regionale Klima angepasst und oft resistent gegen Krankheiten, gegen die neue Züchtungen gespritzt werden müssen. Dafür können neue Sorten oft besser transportiert und gelagert werden und sie tragen regelmäßig. Für den Handel und den Erwerbsobstbau sind solche Eigenschaften ebenso wichtig wie das makellos gute Aussehen. Und angeblich mag der Verbraucher vorwiegend süße, knackige Äpfel, so das Zuchtziel der letzten Jahre. Ich finde die meisten Supermarkt-Äpfel langweilig. Schließlich schmeckt ein Apfelstrudel nur mit einem mürben, säuerlichen Apfel wirklich gut – z. B. mit meinem „Roten Boskop“ und dem „Prinz Albrecht“ – und ein aromatischer „Schöner von Wiltshire“ ist zum Reinbeißen fein. Vom „Jakob Fischer“, meiner frühen, längst abgeernteten Sorte, schmeckt das Apfelmus besonders gut.

Prinz Albrecht von Preußen

Garten am Alpenrand: nach dem ersten Frost

 

Die Zucchiniblätter haben unter dem ersten Frost gelitten. Minus ein Grad zeigte das Thermometer vor zwei oder drei Tagen am Morgen. Trotzdem verwöhnen uns die Pflanzen immer noch mit frischen Zucchini, ebenso wie Stangenbohnen und Tomaten.

 

Besonders die Johannisbeer-Tomate „Rote Murmel“ ist hart im Nehmen. Zugleich beginnt zwei Wochen früher als üblich die Apfelernte. Und die Rosen und eine Phlox-Staude zeigen unbeeindruckt von frostigen Nachttemperaturen noch eine schöne Herbstblüte. 30. 9. 2018

 

 

Garten am Alpenrand: Tomatenernte

 

Die Tomatenernte ist in vollem Gang: so oft ich in den Garten komme, wandert eine Handvoll der kleineren Naschtomaten-Sorten direkt in den Mund – es gibt nichts Besseres! Auch die Schwarzwälder Erdbeere, eine große Fleischtomate, ist in den letzten Tagen rot geworden. Der Geschmack ist allerdings etwas enttäuschend, aber ich bin von den kleineren ausgesprochen aromatischen Sorten sehr verwöhnt. Für Suppen und Soßen ist die saftige und dünnschalige Schwarzwälder Erdbeere gut zu gebrauchen. Gestern habe ich eine Zucchini-Tomatencreme-Suppe gemacht – auch bei den Zucchini kann ich täglich ernten – und habe das Süppchen genossen. Meine Lieblingssorten, die Datteltomate Donatella und die Fleischtomate Schlesische Himbeere hatte ich heuer nicht mehr bekommen, ich war beim Einkauf offenbar zu spät dran. Aber es hat sich gelohnt, ein paar neue Sorten auszuprobieren. Genauer gesagt sind es alte Sorten. Ein Gärtner in Kempten hat sich auf Tomaten und Kräuter spezialisiert.

 

Als ausgesprochen aromatisch, recht süß mit gut ausgewogener  Säure erweist sich die Kirschtomate Vessenij Mieurinskij. Nur die Schale ist etwas hart. Viel Süße entwickelt auch die Kirsch- (oder Johannisbeer-)Tomate Humboltii, allerdings nur, wenn sie voll ausgereift ist. Sie ist angenehm dünnschalig. Eine knackige Datteltomate ist die Rote Dattelwein. Noch nicht probieren konnte ich das Baselbieter Röteli, die große Datteltomate lässt sich mit dem Erröten noch Zeit. Als Naschtomate habe ich seit Jahren auch die Rote Murmel im Garten, eine aromatisch-süße Johannisbeer-Tomate, die etwas milder im Geschmack ist als die oben genannten Sorten. Es ist eine ausgesprochen robuste, reich tragende Sorte, die auch im Regen stehen kann. Letztes Jahr habe ich den Fehler gemacht, sie ins Hochbeet zu setzen: Eine Pflanze hat das ganze Hochbeet ausgefüllt, nur die Kletterzucchini konnte sich in einer Ecke gegen die Tomate durchsetzen. Die Rote Murmel säht  sich auch kräftig selbst aus, die beiden zugekauften Pflanzen sind allerdings schneller und kräftiger gewachsen, sie brachten einen Vorsprung aus dem Gärtnerei-Gewächshaus mit. Ich bin nicht sicher, ob die Freiland-Sämlinge in weniger heißen Jahren auch gut tragen würden. Meine Tomaten stehen alle im Freiland, zum Teil regengeschützt unter dem vorkragenden Dach oder Balkon. Der warme Sommer hat die Tomatenernte begünstigt, allerdings hatten die durstigen Pflanzen meine Regenwasservorräte – vier Tonnen mit insgesamt 1000 Litern – bis Mitte August aufgebraucht. Jetzt sind zumindest zwei Tonnen wieder aufgefüllt, es darf nochmal warm werden. 3. 9. 2018

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Garten am Alpenrand: die Rosen blühen weiter

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Einige Rosen blühen schon zum zweiten Mal und teilweise prächtiger als im Juni. Zum Beispiel „Mariandl“ (Bild oben), die mit zartem Duft oft bis in den Herbst hinein blüht. Mit Schneefelberich und der etwas groß geratenen Bodendecker-Rose „Snowfield“ bildet sie ein hübsches Ensemble.

 

Die Bodendecker-Rosen wie „The Fairy“ sind unermüdliche Blüher. Das gilt auch für eine weitere rosa Rose, die ich vor Jahren als „The Fairy“ gekauft habe, die aber mit der Bodendecker-Rose wenig Ähnlichkeit hat.

 

 

Noch eine unbekannte Schönheit:DSC01607Eine Neuerwerbung ist die samtig schwarz-rote „Gräfin Hardenberg“ mit schwerem, vollem Duft, die ebenso wie „King Arthur“ wieder neue Knospen zeigt.

 

Zu meinen Lieblingsrosen zählt „Lavender Dream“. Stockrose, Malven und Phlox ergänzen die Rosen farblich wunderbar, sind aber leider bereits wieder am Verblühen. Hier am Alpenrand gab es zwar mehr Regen und kühlere Nächte als in anderen Landesteilen, aber die Hitzeperioden haben die Blütezeit vor allem beim Phlox stark verkürzt.

 

 

 

 

Garten am Alpenrand: meine wilden Ecken

 

Mein Garten hat viele wilde Ecken. Der „Rasen“ ist eine ziemlich wilde Wiese, in der Gänseblümchen, Frauenmantel und Löwenzahn ebenso gedeihen dürfen wie Wiesenschaumkraut, Lichtnelke oder Brunelle. Damit alles blühen und Samen bilden kann, werden im Frühjahr nur die Wege zu Schuppen und Kompost gemäht. Die übrigen Grünflächen kommen nach und nach an die Reihe, wenn die Margeriten verblüht sind. Rasenmähen gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

 

Und unter Bäumen und Sträuchern am Gartenzaun darf sowieso wachsen was will, Schlüsselblumen, Nelkenwurz und Weidenröschen, Brennnesseln, Hexenkraut und Hohlzahn. Der Wildwuchs ist pflegeleicht, hübsch anzusehen wie Ehrenpreis und Winde, und er bietet Lebensraum und Nahrung für vielerlei Insekten und anderes Getier.

 

Immer wieder entdecke ich Überraschendes: seit einigen Jahren fühlen sich Baldrian und Bachnelkenwurz im Garten wohl. Zwischendurch zeigte sich sogar eine heimische Orchidee, das große Zweiblatt, das aber leider wieder verschwunden ist. Dagegen gefällt es verschiedenen Sauergräsern, darunter drei Arten von Seggen.

 

Gelegentlich habe ich nachgeholfen und Samen aus Wald und Wiese verstreut, zunächst scheinbar ohne Erfolg, aber nach zwei oder drei Jahren wuchsen orangerotes Habichtskraut, Silberblatt und gekielter Lauch (den ich jetzt wieder eindämmen muss) und auch die Hagebutten von Wildrosen und die Schlehen sind inzwischen zu Büschen und Bäumen geworden (die auch nicht überhandnehmen dürfen). Bei einer Stämmchen-Johannisbeere, einer Rose und einer Weide sind die auf die Stämmchen veredelten Pflanzen nach einigen Jahren kaputt gegangen, ihre Lebensdauer ist begrenzt. Dafür hat der „Unterbau“ ausgeschlagen und ich habe jetzt eine robuste und hübsche Gold-Johannisbeere, einen Weidenstrauch und was aus der Rose wird, weiß ich noch nicht.

 

Natürlich haben in meinem Garten auch all die prächtigen Rosen Platz (davon demnächst), dazu Stockrosen, Malven, Phlox, Sonnenhut und vieles mehr. Ein Garten ist ja eine Kulturlandschaft, in der wir zum Teil gegen die Natur arbeiten, indem wir ständig entscheiden, was wachsen darf und was nicht ins Blumen- und Gemüsebeet gehört. Wir planen und gestalten, sähen, jäten und schneiden. Und wir staunen über die Durchsetzungskraft der wilden Gewächse. Bei mir dürfen sie wachsen, wenn auch nicht überall. Unverzichtbar ist der Spitzwegerich zur ersten Hilfe bei Insektenstichen. Der Dost oder wilde Majoran ist ein feines Gewürz und bei Bienen und anderen Insekten bis in den Herbst hinein begehrt. Und Gundermann und Günsel dienen auch nach der Blütezeit im Blumenbeet als Bodendecker und Verdunstungsschutz. 12.8.2018