Wandern und Schauen – Heute entdeckt: der erste Huflattich

Huflattich (Tussilago farfara)

Heute entdeckt: der erste Huflattich (Tussilago farfara). Im Tal sind die Wiesen schon weitgehend aper, und auch in höheren Lagen des Allgäus zeigt sich ein Hauch von Frühling: Auf den Bächen bricht das Eis, der Maulwurf ist schon aktiv und schiebt braune Hügel durch den schmelzenden Schnee, aber in schattigen Nordlagen ist die Landschaft noch weiß.

Es ist ein verrückter Winter: im Januar Massen an Schnee, dann Wärme und Regen, im Februar eisige Temperaturen, und jetzt ein Umschlag von minus fünfzehn auf plus zehn Grad, am Wochenende sollen es 15 Grad werden. Und wann kommt der nächste Schnee? 18. 02. 2021

Wandern und Schauen: Zwischen Spätherbst und Winter

Pünktlich zum ersten Advent zeigt sich die Landschaft weiß überzuckert. Schon in den Tagen zuvor gaben Frost und Eiskristalle einen Vorgeschmack auf den Winter, während zugleich die Sonne letzte Herbstfarben in sanftes Licht setzte.

Auch diese Zeit zwischen Spätherbst und Winter, Sonne und Nebel hat ihren Reiz.

Und Hund Airy genießt sowieso jeden Spaziergang und steckt seine Nase in jedes Mauseloch. 30. 11- 2020

Wandern und Schauen: Herbst-Boten

Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)

Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) kündet vom Ende des Sommers. Die aus der Zeit gefallene Pflanze, die im Herbst blüht und im Frühjahr Frucht trägt, enthält in allen Teilen das starke Gift Colchicin. Aber das gilt offenbar nicht für alle Lebewesen, wie eine angebissene Blüte zeigt.

Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)
Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense)

Herbstlich zeigt sich auch die Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense), die ihre Samen dem Wind überlässt. Das hübsche Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) blüht noch weit in den Herbst hinein. Es gilt als invasiver Neophyt, der heimische Pflanzen verdrängt und deshalb stellenweise bekämpft wird. Aber für eine Eindämmung ist es längst zu spät.

Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera) mit Bestäuber
Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera) mit Bestäuber

Und der Neusiedler hat auch positive Seiten: als späte Bienenweide ist er beliebt bei Nektar- und Pollen sammelnden Bestäubern und bietet noch reiche Nahrung, wenn die Wiesen nebenan abgemäht sind.

Spitzwegerich (Platago lanceolata) mit Bläuling

Ein zarter Bläuling hat sich auf dem Spitzwegerich (Plantago lanceolata) niedergelassen.

Mittlerer Wegerich (Plantago media)
Mittlerer Wegerich (Plantago media), Blattrosette

Gleich daneben macht sich ein „Breitwegerich“ breit, der sich bei genauem Hinsehen als Mittlerer Wegerich (Plantago media) entpuppt, wie der lange Blütenstängel und die Blattansätze verraten. Und noch zwei passen gut zusammen: der schon herbstliche Wind und das Schilf (Phragmites australis). 28. 08. 2020

Schilf (Phragmites australis)
Schilf (Phragmites australis)

Wandern und Schauen: Ein Tintenfisch im Allgäuer Moor?

DSC07175 Clathrus archeri Tintenfisch-Pilz
Tintenfisch-Pilz (Clathrus archeri)

Ein Tintenfisch am Rande einer Allgäuer Feuchtwiese? Eine unvermutete Entdeckung ist der bizarre, rote Tintenfisch-Pilz (Clathrus archeri). Erstaunlich ist auch, dass es sich um einen Einwanderer aus Neuseeland handelt, der sich seit rund hundert Jahren in Europa verbreitet. Da er es feucht und warm mag, kommt ihm der Klimawandel wohl gerade recht. „Moore und Klimawandel“ war ein Thema bei den Exkursionen des Landschaftspflegeverbands Oberallgäu: wer weiß schon, dass vom CO2- Ausstoß in Bayern acht Prozent aus trocken gelegten Mooren stammen, in denen sich der Torf zersetzt? Die Renaturierung von Mooren ist deshalb ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz, neben dem Wasserspeicher-Effekt.

Und was Moore für den Artenschutz bedeuten, kann jeder sehen: der Moor-Enzian oder Tarant (Swertia perennis) begeistert mit letzten Blüten und am Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea) sind kleine weiße Punkte zu entdecken: die Eier des Lungenenzian-Ameisenbläulings, dessen Raupen sich zunächst vom Enzian ernähren, dann von Ameisen in ihre Nester verschleppt und von ihren unfreiwilligen Wirten gefüttert werden, denen sie mit ihrem Duft vortäuschen, sie seien Ameisenlarven. In der Feuchtwiese wimmelt es von großen und kleinen Hüpfern: eine elegante Langflügelige Schwertschrecke (Conocephalus fuscus) fällt uns besonders auf.

Und auf dem Teufelsabbiss (Succisa pratensis) lauert eine helle Form der Vierfleck-Kreuzspinne (Araneus quadratus), der größten heimischen Kreuzspinnen-Art. Der Teufelsabbiss soll seinen Namen der Wurzel verdanken, die wie abgebissen wirkt und tief unten kann es nur der Teufel gewesen sein! (wir haben nicht nachgegraben!).

Die Engelwurz (Angelica sylvestris) bleibt in der Streuwiese klein, blüht aber trotzdem prächtig. Das Sumpf-Blutauge (Potentilla palustris) ist auch verblüht noch apart und das Sumpf-Weidenröschen (Epilobium palustre) bildet den zarten Kontrast. 17. 08. 2020

DSC07291 Epilobium palustre Sumpf-Weidenröschen
Sumpf-Weidenröschen (Epilobium palustre)

Wandern und Schauen: Zweimal Lilie

Die eine ist zart, weiß und bezaubert durch ihre Anmut, die andere groß, prächtig und purpurfarbig und beide sind Liliengewächse: die ästige Graslilie (Anthericum ramosum) und die Türkenbund-Lilie (Lilium martagon) habe ich in den Allgäuer Bergen auf etwa 1300 m Höhe entdeckt.

Das rote Waldvögelein möchte mir entgegenflattern, so scheint es.

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Rotes Waldvögelein (Cephalanthera rubra)

Aber die aparte Orchidee (Cephalanthera rubra) steht fest auf einer Hangwiese inmitten leuchtend gelber Rindsaugen (Buphthalmum salicifolium), ein merkwürdiger Name für die strahlenden Blüten. In ihrer Gesellschaft fühlt sich auch die Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens) wohl, ebenfalls eine heimische Orchidee. 24. 07. 2020

Wandern und Schauen: Orchideen-Pracht

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Kugelorchis (Traunsteinera globosa)

Kürzlich bei einer Bergwanderung im Allgäu fiel mir eine prächtige Kugelorchis (Traunsteinera globosa) ins Auge. Noch mehr gefreut habe ich mich über eine Entdeckung gleich daneben: winzig und unscheinbar stand da das Einblatt (Malaxis monophyllos).

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Einblatt (Malaxis monophyllos)

Auch diese oft übersehene Winzigkeit ist eine heimische Orchidee – ein Anlass, einige Vertreter dieser Pflanzenfamilie vorzustellen: Spannend finde ich Sexual-Täuschblumen wie die Fliegen-Ragwurz, die Aussehen und Duft (!) eines Insekten-Weibchens nachahmen.

 

Männchen, die sich mit dem vermeintlichen Weibchen paaren wollen, bestäuben stattdessen die Orchidee. Recht häufig, aber im Grün der Wiese unauffällig ist das Große Zweiblatt (Listera ovata) mit seinen grünlichen Blüten. Zur Bestimmung hilfreich sind hier wie so oft die namensgebenden Blätter.

Allerdings sind die deutschen Namen ungenau: Früher bezeichnete man die kleinen Orchideen alle als „Knabenkräuter“ und diejenigen mit gefleckten Blättern als „geflecktes Knabenkraut“. Aber echte Knabenkräuter sind nur die Orchis-Arten wie das Männliche Knabenkraut (Orchis mascula), denn der deutsche und der botanische (griechische) Name deuten auf die Wurzel, die dem männlichen Hoden ähnelt.

Andere Arten haben finger- oder handförmige Wurzeln und werden auch Fingerwurz (Dactylorhiza) genannt wie die Fuchs-Fingerwurz (Dactylorhiza fuchsii). Auch die gefleckten Blätter kommen bei mehreren Arten vor und sind kein sicheres Merkmal zur Bestimmung. Die Bestimmung ist oft auch deswegen schwierig, weil einzelne Arten sehr vielgestaltig sind und zudem gerne Hybriden bilden.

Und seit es DNA-Analysen gibt, haben sich aufgrund neu erkannter Verwandtschafts-Verhältnisse einige Namen und Zuordnungen geändert, wie beim Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata, früher Orchis ustulata). Von solchen Schwierigkeiten abgesehen sind unsere heimischen Orchideen faszinierende Pflanzen und allesamt kleine Kostbarkeiten. Mehr über unsere Orchideen ist im Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO) Bayern oder anderen Landesgruppen zu erfahren. 16. 07. 2020

DSC06637 Neotinea ustulata, Brand-Knabenkraut
Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata)

Wandern und Schauen: Teufelskralle von Schwarz bis Weiß

Ich könnte jeden Moment schwärmen: Oh wie schön! Eindrücke aus einem Allgäuer Bergtal: „Teufelskralle“ – was für ein unheimlicher Name für ein apartes Glockenblumen-Gewächs, das freilich schwarze Krallen zeigen kann. Aber der Schweizer Name „Rapunzel“ gefällt mir besser.

Ich habe die seltene himmelblaue Rapunzel (Phyteuma spicatum, ssp. occidentale) entdeckt, eine stabile Hybride der weißen, ährigen Rapunzel (Ph. spicatum) mit der fast schwarzen Hallers Rapunzel (Ph. ovatum), die beide auch am Weg standen, ebenso wie zwei weitere Rapunzel-Arten. Die meisten Wanderer gehen achtlos vorüber und Radler mit E-Bike haben sowieso keinen Blick für die Schönheiten am Wegrand.

Da wachsen auf Felsbrocken die schönsten Steingärten mit Thymian (Thymus sp.), Alpen-Steinquendel (Acinos alpinus), Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), Labkraut (Galium sp.), Ehrenpreis (Veronica fruticans), Trauben-Steinbrech (Saxifraga paniculata) und zottigem Habichtskraut (Hieracium villosum). Dazu Orchideen in Hülle und Fülle – demnächst in einem eigenen Beitrag.

Auch die Fruchtstände der Schnee-Pestwurz (Petasites paradoxus) sind einen Blick wert, ebenso wie die Wasserspiele im Bergbach und von der Künstlerin Natur gestaltete Steinskulpturen. Hund Airy ist natürlich immer dabei. 05.07.2020

Wandern und Schauen: Schwarze Schönheit

DSC06330 Aquilegia atrata Schwarze Akelei

Akelei habe ich in verschiedenen Farbtönen im Garten – aber die nahezu schwarze Akelei (Aquilegia atrata) fehlt. Beim Wandern in Allgäuer Bergtälern kann man ihre aparte Schönheit jetzt entdecken – und noch viel mehr. Allein sieben Orchideenarten habe ich kürzlich auf einem Berg-Spaziergang gefunden: Das männliche Knabenkraut (Orchis mascula) und das schwertblättrige Waldvögelein (Cephalanthera longifolia) sind fast verblüht, eine Stendelwurz (Epipactis, wohl atrorubens) schiebt sich gerade kraftvoll aus der Erde, hier schon ein Vorbote des Sommers.

An einer feuchten Stelle blüht das Fettkraut (Pinguicula vulgaris). Beim genauen Hinschauen sieht man auf den Blättern schwarze Punkte, Überreste kleiner Insekten, aus denen die fleischfressende Pflanze ihr Eiweiß bezieht – eine Anpassung an den oft kargen Boden.

Auch die Simsenlilie (Tofielda caliculata) liebt feuchten Boden. Dagegen mag es die Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) eher trocken und warm, ihre Blätter gaben dem Schwalbenwurz-Enzian seinen Namen.

In kräftigem Rosa strahlt die Alpen-Heckenrose (Rosa pendulina), die fast ohne Stacheln auskommt. 03. 06. 2020

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Alpen-Heckenrose, Rosa pendulina

Wandern und Schauen: Frühlingswiesen

In den Allgäuer Bergtälern freut sich das Jungvieh über das frische Grün. Die fetten Löwenzahn-Wiesen sind schon gemäht, aber der Hahnenfuß leuchtet noch gelb. In kräftigem Gelb strahlt auch das Gänse-Fingerkraut (Potentilla anserina) am Wegrand, eine alte Heilpflanze.

In der Feuchtwiese prangen Trollblumen (Trollius europaeus) und breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis).

Gleich daneben lassen sich Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi) und akeleiblättrige Wiesenraute (Thalictrum aquilegifolium) mit ihren zarten Blüten entdecken.

Hund Airy interessiert sich nicht für die Botanik und findet die Schumpen, wie das Jungvieh im Allgäu heißt, viel spannender. Wie schade, dass er sie nicht verbellen darf. 25. 05. 2020

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