Wandern und Schauen: Teufelskralle von Schwarz bis Weiß

Ich könnte jeden Moment schwärmen: Oh wie schön! Eindrücke aus einem Allgäuer Bergtal: „Teufelskralle“ – was für ein unheimlicher Name für ein apartes Glockenblumen-Gewächs, das freilich schwarze Krallen zeigen kann. Aber der Schweizer Name „Rapunzel“ gefällt mir besser.

Ich habe die seltene himmelblaue Rapunzel (Phyteuma spicatum, ssp. occidentale) entdeckt, eine stabile Hybride der weißen, ährigen Rapunzel (Ph. spicatum) mit der fast schwarzen Hallers Rapunzel (Ph. ovatum), die beide auch am Weg standen, ebenso wie zwei weitere Rapunzel-Arten. Die meisten Wanderer gehen achtlos vorüber und Radler mit E-Bike haben sowieso keinen Blick für die Schönheiten am Wegrand.

Da wachsen auf Felsbrocken die schönsten Steingärten mit Thymian (Thymus sp.), Alpen-Steinquendel (Acinos alpinus), Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), Labkraut (Galium sp.), Ehrenpreis (Veronica fruticans), Trauben-Steinbrech (Saxifraga paniculata) und zottigem Habichtskraut (Hieracium villosum). Dazu Orchideen in Hülle und Fülle – demnächst in einem eigenen Beitrag.

Auch die Fruchtstände der Schnee-Pestwurz (Petasites paradoxus) sind einen Blick wert, ebenso wie die Wasserspiele im Bergbach und von der Künstlerin Natur gestaltete Steinskulpturen. Hund Airy ist natürlich immer dabei. 05.07.2020

Wandern und Schauen: Schwarze Schönheit

DSC06330 Aquilegia atrata Schwarze Akelei

Akelei habe ich in verschiedenen Farbtönen im Garten – aber die nahezu schwarze Akelei (Aquilegia atrata) fehlt. Beim Wandern in Allgäuer Bergtälern kann man ihre aparte Schönheit jetzt entdecken – und noch viel mehr. Allein sieben Orchideenarten habe ich kürzlich auf einem Berg-Spaziergang gefunden: Das männliche Knabenkraut (Orchis mascula) und das schwertblättrige Waldvögelein (Cephalanthera longifolia) sind fast verblüht, eine Stendelwurz (Epipactis, wohl atrorubens) schiebt sich gerade kraftvoll aus der Erde, hier schon ein Vorbote des Sommers.

An einer feuchten Stelle blüht das Fettkraut (Pinguicula vulgaris). Beim genauen Hinschauen sieht man auf den Blättern schwarze Punkte, Überreste kleiner Insekten, aus denen die fleischfressende Pflanze ihr Eiweiß bezieht – eine Anpassung an den oft kargen Boden.

Auch die Simsenlilie (Tofielda caliculata) liebt feuchten Boden. Dagegen mag es die Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) eher trocken und warm, ihre Blätter gaben dem Schwalbenwurz-Enzian seinen Namen.

In kräftigem Rosa strahlt die Alpen-Heckenrose (Rosa pendulina), die fast ohne Stacheln auskommt. 03. 06. 2020

DSC06296 Rosa pendulina
Alpen-Heckenrose, Rosa pendulina

Wandern und Schauen: Frühlingswiesen

In den Allgäuer Bergtälern freut sich das Jungvieh über das frische Grün. Die fetten Löwenzahn-Wiesen sind schon gemäht, aber der Hahnenfuß leuchtet noch gelb. In kräftigem Gelb strahlt auch das Gänse-Fingerkraut (Potentilla anserina) am Wegrand, eine alte Heilpflanze.

In der Feuchtwiese prangen Trollblumen (Trollius europaeus) und breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis).

Gleich daneben lassen sich Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi) und akeleiblättrige Wiesenraute (Thalictrum aquilegifolium) mit ihren zarten Blüten entdecken.

Hund Airy interessiert sich nicht für die Botanik und findet die Schumpen, wie das Jungvieh im Allgäu heißt, viel spannender. Wie schade, dass er sie nicht verbellen darf. 25. 05. 2020

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Wandern und Schauen: Noch mehr Bergfrühling

Der Frühling überrascht uns jeden Tag neu, im Garten und vor allem in der freien Natur: da blühen Frühlings-Krokus (Crocus albiflorus, bzw. C. vernus ssp. albiflorus) und Pestwurz (Petasites hybridus) neben dem letzten Huflattich (Tussilago farfara) und zugleich leuchten schon die violetten Blüten des ersten männlichen Knabenkrauts (Orchis mascula), des frühesten Vertreters der heimischen Orchideen im Allgäu. Gleich daneben sind schon die Blätter des gelben Enzians (Gentiana lutea) zu sehen, die sich kräftig aus dem Boden schieben.

Auf 1200 Meter Höhe kann man bereits die zarten Alpenglöckchen (Soldanella alpina) entdecken, die in höheren Lagen erst einige Wochen später zu den ersten Blühern nach der Schneeschmelze zählen. An feuchten Stellen leuchtet das Gelb der Butterblume (Caltha palustris) und auf steinigem Boden steht schon die nacktstängelige Kugelblume (Globularia nudicaulis).

Auch Hufeisenklee (Hippocrepis comosa) und erster Wundklee (Anthyllis vulneraria) melden sich zur Stelle.

In einem kleinen Moortümpel herrscht reges Leben: aus dem Laich schlüpft gerade der Nachwuchs der Bergmolche. Ich kenne sie aus meinem Gartenteich, wo sich auch junge Exemplare tummeln, obwohl ich dort noch keinen Laich gesehen habe. 05. 05. 2020

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Wandern und Schauen: Bergfrühlings-Blau

Mal schauen, ob sich schon etwas zeigt: unsere Erwartungen waren nicht hoch und wurden weit übertroffen: in den Allgäuer Bergtälern, wo sonst Ende April oft noch Schnee liegt, zeigt sich der Bergfrühling heuer schon in schönster Pracht. Jedes Jahr von Neuem bezaubern die wunderbaren Blautöne von Frühlingsenzian (Gentiana verna) und Clusius-Enzian (Gentiana Clusii).

Dazu harmonieren die zarten Rosa-Töne der Mehlprimel (Primula farinosa). Dazwischen leuchten in kräftigem Gelb Berghahnenfuß (Ranunculus montanus) und Echte Primel (Primula veris), die sich durch das kräftige Gelb von der verbreiteten blassgelben Schlüsselblume (Primula eliator) unterscheidet.

Man muss freilich genau hinschauen, denn die Blüten sind oft noch winzig im graubraunen alten Gras der extensiven Weideflächen. Aber einmal entdeckt erschließen sich dem Auge zahllose Farbtupfer: das Wunder des Frühlings. 26. 04. 2020

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Wandern und Schauen: der weiße Krokus blüht

Von weitem wirken sie oft wie letzte Schneefelder: die weißen Krokusse – Crocus verna subsp. albiflora – blühen, jedenfalls in Tallagen der Allgäuer Berge auf knapp 900 Meter Höhe. In höheren Lagen dauert es noch eine Weile. Trotz des Namens finden sich auch blauviolette und gestreifte Blüten zwischen den zarten weißen Blumen.

Auch noch winzige zartgelbe Schlüsselblumen – Primula eliator – wagen sich heraus – im geschützten Garten stehen sie schon in voller Blüte, aber übers freie Feld fegt trotz warmer Temperaturen ein kalter Wind. Die Buschwindröschen – Anemone nemorosa -, die sich zu früh herausgewagt hatten, litten unter den eisigen Frostnächten: minus 12 Grad halten auch die kältegewohnten Frühblüher nicht unbeschadet aus.

Am Rand eines kleinen Feuchtgebiets steht noch das Schilf – Phragmites australis – vom letzten Jahr. Bald wird es zusammenbrechen und frischem Grün Platz machen. Glasklares Wasser eilt im Bach vorüber und gibt den Blick frei bis auf den Grund – ich liebe das Spiel des Wassers über den bunten Steinen.

Ein Maulwurf ist schon aktiv und hat frische Erdhügel aufgeworfen. Und gleich daneben hat offenbar ein Fuchs zahlreiche Mäusegänge aufgegraben, nicht gerade zur Freude des Landwirts.

Am sonnigen Hang leuchtet das Scharbockskraut – Ranunculus ficaria – in kräftigem Gelb, und sonnengelb hat ein allererster Löwenzahn – Taraxacum officinale – schon seine Blüte geöffnet. Wie gut, dass wir trotz Corona spazieren gehen dürfen: im Frühling gibt es täglich Neues zu entdecken, auch auf einem ganz unspektakulären Feldweg, auf dem der Hund und ich fast immer allein sind. 06. 04. 2020

 

Wandern und Schauen: Neues zu heimischen Orchideen

Um Knabenkraut, Frauenschuh und Waldvögelein geht es im Arbeitskreis Heimische Orchideen am Samstag, 14. März in Bad Hindelang. Die Mitglieder der Regionalgruppe Allgäu zeigen Fotos ihrer Neuentdeckungen und Besonderheiten aus dem Fundus. Im Mittelpunkt stehen die Heimischen Orchideen, aber auch andere Kostbarkeiten und Raritäten der alpinen Flora und Fauna werden gezeigt. Diskutiert werden kann auch über Probleme bei der Zuordnung, neue Varianten oder Unterarten oder über Wuchsformen, die als Farbvariationen oder Hybriden Rätsel aufgeben. Nichtmitglieder sind willkommen, der Eintritt ist frei. Das Treffen findet im Hotel Prinz-Luitpold-Bad, Hofjagdstube statt, Beginn 14 Uhr, Vorträge 14.30 Uhr.

Wandern und Schauen: Wildfluss-Landschaft Tiroler Lechtal

Von Naturerlebnissen im Lechtal berichtet Sabine Mändler im Arbeitskreis Heimische Orchideen, Regionalgruppe Allgäu, am 8. Februar 2020 in Bad Hindelang. Die fotografische Entdeckungstour führt vom österreichischen Formarinsee im Lechquellengebirge durch eine der letzten Wildfluss-Landschaften Europas bis zum bayerischen Forggensee. Abstecher in die Seitentäler und auf Lechtaler Gipfel erschließen den besonderen Reichtum der alpinen Pflanzen- und Tierwelt mit Türkenbund und Frauenschuh, Schmetterlingen, Libellen und Murmeltieren. Zum Fotovortrag sind Nichtmitglieder willkommen, der Eintritt ist frei. Der Arbeitskreis trifft sich um 14 Uhr im Hotel Prinz-Luitpold-Bad, Hofjagdstube, der Vortrag beginnt um 14.30 Uhr.

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Sabine Mändler

Wandern und Schauen: Faszinierende Alpenblumen

Wir wandern mit den Augen: Von der faszinierenden Welt der Alpenblumen berichtet Manfred Sailer am Samstag, 18. Januar 2020 im Arbeitskreis Heimische Orchideen Bayern, Regionalgruppe Allgäu in Bad Hindelang. Von der Alpenaster bis zur Zwergorchis zeigt der Fotograf Kostbarkeiten der alpinen Flora, darunter auch zahlreiche heimische Orchideen wie die grüne Hohlzunge oder die Kugelorchis. Manfred Sailer war nicht nur im Allgäu unterwegs, sondern erkundete auch die endemischen Pflanzen Südtirols und die Blumenwelt der Tiroler Gipfel. Zum Fotovortrag sind Nichtmitglieder willkommen, der Eintritt ist frei. Treffpunkt ist um 14 Uhr im Hotel Prinz-Luitpold-Bad, der Vortrag beginnt um 14.30 Uhr.

Fotos: Manfred Sailer