Wandern und Schauen: Dieses unwahrscheinliche Blau!

Frühlings-Enzian (Gentiana verna)

Dieses unwahrscheinliche Blau begeistert mich jedes Jahr aufs Neue: an sonnigen Südhängen der Allgäuer Berge blüht der Frühlings-Enzian (Gentiana verna). Auffallend ist dazwischen ein fast farbloses Exemplar.

Auf rund 1600 m Höhe zeigt sich der Bergfrühling auch mit Clusius‘ Enzian (Gentiana clusii) und Berghahnenfuss (Ranunculus montanus).

Clusius‘ Enzian (Gentiana clusii)
Berg-Hahnenfuß (Ranunculus montanus)
Männliches Knabenkraut (Orchis mascula)

Das erste männliche Knabenkraut will auch schon die Blüten öffnen und der Alpen-Wegerich (Plantago alpina) verstreut seinen Blütenstaub.

Alpen-Wegerich (Plantago alpina)
Rivinus‘ Veilchen (Viola riviniana)

Das Veilchen am Waldrand zeigt sich mit weißem Sporn als Rivinus‘ Veilchen (Viola riviniana). An den Nordhängen gegenüber sind die Schneefelder nicht zu unterschätzen, auch wenn die fast sommerlichen Temperaturen täglich mehr Stellen ausapern lassen. 17. 05. 2022

Wandern und Schauen: Bergfrühling und Bergsommer = Blütenexplosion

Alpenglöckchen (Soldanella alpina)

Kaum taut der Schnee, öffnen die Soldanellen oder Alpenglöckchen (Soldanella alpina) ihre Blütenköpfe. Die Hummel scheint viel zu schwer für die zarten Glöckchen, aber sie halten der Last stand. Zur Freude von Hund Airy gibt es heuer auf 2000 m Höhe in den Allgäuer Bergen noch etliche Schneefelder in nordseitigen Rinnen und sogar noch in Mulden auf der Südseite, genug zum Toben, Springen und Wälzen für den begeisterten Hund.

Dafür hält er brav still, wenn Frauchen fotografiert: Frühlingsenzian (Gentiana verna), Clusius‘ Enzian (Gentiana clusii) und letzte narzissenblütige Anemonen (Anemone narcissiflora) sind noch Frühlingsboten, während Fruchtstände der Weißen Alpen-Anemone (Pulsatilla alpina) schon den Sommer anzeigen.

Frühlings-Enzian (Gentiana verna)

Clusius‘ Enzian (Gentiana clusii)
Narzissenblütige Anemone (Anemone narcissiflora)
Alpen-Anemone (Pulsatilla alpina), Fruchtstand

Im Allgäu sagt man „Bergmännle“ zu den lustigen Schöpfen, während die mehrblütige Anemone „Berghähnle“ genannt wird. „Bergweible“ gibt es auch, aber die haben wir noch nicht gesehen, es sind die Fruchtstände der Silberwurz.

Bewimperter Mannsschild (Androsace chamaejasme) und Geschnäbeltes Läusekraut (Pedicularis rostrato-capitata)
Geschnäbeltes Läusekraut (Pedicularis rotrato-capitata) und Alpen-Aster (Aster alpinus)

Leuchtend violette Farbtupfer setzt das Geschnäbelte Läusekraut (Pedicularis rostrato-capitata) neben dem zierlichen bewimperten Mannsschild (Androsace chamaejasme) und der Alpen-Aster (Aster alpinus). Auch die bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum) blüht noch, in Oberbayern als „Almrausch“ bekannt.

Bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum)
Kugelorchis (Traunsteinera globosa)

Meine besondere Liebe gilt den heimischen Orchideen. Auf der Höhe blühen jetzt die prächtige Kugelorchis (Traunsteinera globosa).  Um Weißzüngel (Pseudorchis albida, Syn. Leucorchis a.) und grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride) zu entdecken, muss man genau hinschauen.

Weißzüngel (Pseudorchis albida)
Grüne Hohlzunge (Pseudorchis albida)

Unübersehbar sind dagegen die fast schwarzen Punkte des schwarzen Kohlröschens (Nigritella rhellicani). In der Schweiz nennt man sie Männertreu und „Schokoladenblümli“, wer daran riecht, weiß warum. 24. 07. 2021

Schwarzes Kohlröschen (Nigritella rhellicani)

Wandern und Schauen: Ein Hauch von Rosa

Mehlprimel (Primula farinosa)

Ein Hauch von Rosa liegt über der Streuwiese: die zarten Mehlprimeln (Primula farinosa) gehören zu meinen Frühjahrs-Lieblingen, ebenso wie der zierliche Sumpf-Baldrian (Valeriana dioica), der auch gerade aufblühen will.

Sumpf-Baldrian (Valeriana dioica)
Kriechender Günsel (Ajuga reptans)

Die Kälte der letzten Wochen hat die Entwicklung in Natur und Garten verzögert, aber der Regen hat genügend Feuchtigkeit gespendet und ein paar Sonnenstunden bringen alles gleichzeitig zum Blühen, kriechenden Günsel (Ajuga reptans) und Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Alpen-Gänsekresse (Arabis alpina) und Bachnelkenwurz (Geum rivale).

Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis)
Alpen-Gänsekresse (Arabis alpina)
Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) mit Hummel

Und die Frühlingsblüher, die mit der Sonne wetteifern und die Wiesen gelb färben: der scharfe Hahnenfuß (Ranunculus acer), der niedrige Berg-Hahnenfuß (Ranunculus montanus), der Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis), der gerade erst anfängt zu blühen, aber am Nachmittag schon wieder geschlossen ist und der Löwenzahn (Taraxacum officinale), der sich bei Kälte und Regen nur zögernd öffnet.

Hahnenfuß-Wiese
Berg-Hahnenfuß (Ranunculus montanus)
Hahnenfuß-Wiese

Es ist schon ein verrücktes Wetter: Anfang Februar und im März war es wärmer als jetzt zu Pfingsten. Hund Airy ist das egal. Für ihn ist nur wichtig, dass er mit Frauchen draußen sein kann. 24. 05. 2021

Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis)
Hund Airy (Amerikanischer Zwerg-Schnauzer) vor Löwenzahnwiese und Allgäuer Bergpanorama

Wandern und Schauen: Zweimal Lilie

Die eine ist zart, weiß und bezaubert durch ihre Anmut, die andere groß, prächtig und purpurfarbig und beide sind Liliengewächse: die ästige Graslilie (Anthericum ramosum) und die Türkenbund-Lilie (Lilium martagon) habe ich in den Allgäuer Bergen auf etwa 1300 m Höhe entdeckt.

Das rote Waldvögelein möchte mir entgegenflattern, so scheint es.

DSC06965 Cephalanthera rubra
Rotes Waldvögelein (Cephalanthera rubra)

Aber die aparte Orchidee (Cephalanthera rubra) steht fest auf einer Hangwiese inmitten leuchtend gelber Rindsaugen (Buphthalmum salicifolium), ein merkwürdiger Name für die strahlenden Blüten. In ihrer Gesellschaft fühlt sich auch die Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens) wohl, ebenfalls eine heimische Orchidee. 24. 07. 2020

Wandern und Schauen: Orchideen-Pracht

DSC06818 Traunsteinera globosa
Kugelorchis (Traunsteinera globosa)

Kürzlich bei einer Bergwanderung im Allgäu fiel mir eine prächtige Kugelorchis (Traunsteinera globosa) ins Auge. Noch mehr gefreut habe ich mich über eine Entdeckung gleich daneben: winzig und unscheinbar stand da das Einblatt (Malaxis monophyllos).

DSC06825 Malaxis monophyllos Einblatt
Einblatt (Malaxis monophyllos)

Auch diese oft übersehene Winzigkeit ist eine heimische Orchidee – ein Anlass, einige Vertreter dieser Pflanzenfamilie vorzustellen: Spannend finde ich Sexual-Täuschblumen wie die Fliegen-Ragwurz, die Aussehen und Duft (!) eines Insekten-Weibchens nachahmen.

 

Männchen, die sich mit dem vermeintlichen Weibchen paaren wollen, bestäuben stattdessen die Orchidee. Recht häufig, aber im Grün der Wiese unauffällig ist das Große Zweiblatt (Listera ovata) mit seinen grünlichen Blüten. Zur Bestimmung hilfreich sind hier wie so oft die namensgebenden Blätter.

Allerdings sind die deutschen Namen ungenau: Früher bezeichnete man die kleinen Orchideen alle als „Knabenkräuter“ und diejenigen mit gefleckten Blättern als „geflecktes Knabenkraut“. Aber echte Knabenkräuter sind nur die Orchis-Arten wie das Männliche Knabenkraut (Orchis mascula), denn der deutsche und der botanische (griechische) Name deuten auf die Wurzel, die dem männlichen Hoden ähnelt.

Andere Arten haben finger- oder handförmige Wurzeln und werden auch Fingerwurz (Dactylorhiza) genannt wie die Fuchs-Fingerwurz (Dactylorhiza fuchsii). Auch die gefleckten Blätter kommen bei mehreren Arten vor und sind kein sicheres Merkmal zur Bestimmung. Die Bestimmung ist oft auch deswegen schwierig, weil einzelne Arten sehr vielgestaltig sind und zudem gerne Hybriden bilden.

Und seit es DNA-Analysen gibt, haben sich aufgrund neu erkannter Verwandtschafts-Verhältnisse einige Namen und Zuordnungen geändert, wie beim Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata, früher Orchis ustulata). Von solchen Schwierigkeiten abgesehen sind unsere heimischen Orchideen faszinierende Pflanzen und allesamt kleine Kostbarkeiten. Mehr über unsere Orchideen ist im Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO) Bayern oder anderen Landesgruppen zu erfahren. 16. 07. 2020

DSC06637 Neotinea ustulata, Brand-Knabenkraut
Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata)

Wandern und Schauen: Schwarze Schönheit

DSC06330 Aquilegia atrata Schwarze Akelei

Akelei habe ich in verschiedenen Farbtönen im Garten – aber die nahezu schwarze Akelei (Aquilegia atrata) fehlt. Beim Wandern in Allgäuer Bergtälern kann man ihre aparte Schönheit jetzt entdecken – und noch viel mehr. Allein sieben Orchideenarten habe ich kürzlich auf einem Berg-Spaziergang gefunden: Das männliche Knabenkraut (Orchis mascula) und das schwertblättrige Waldvögelein (Cephalanthera longifolia) sind fast verblüht, eine Stendelwurz (Epipactis, wohl atrorubens) schiebt sich gerade kraftvoll aus der Erde, hier schon ein Vorbote des Sommers.

An einer feuchten Stelle blüht das Fettkraut (Pinguicula vulgaris). Beim genauen Hinschauen sieht man auf den Blättern schwarze Punkte, Überreste kleiner Insekten, aus denen die fleischfressende Pflanze ihr Eiweiß bezieht – eine Anpassung an den oft kargen Boden.

Auch die Simsenlilie (Tofielda caliculata) liebt feuchten Boden. Dagegen mag es die Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) eher trocken und warm, ihre Blätter gaben dem Schwalbenwurz-Enzian seinen Namen.

In kräftigem Rosa strahlt die Alpen-Heckenrose (Rosa pendulina), die fast ohne Stacheln auskommt. 03. 06. 2020

DSC06296 Rosa pendulina
Alpen-Heckenrose, Rosa pendulina

Wandern und Schauen: Bergfrühlings-Blau

Mal schauen, ob sich schon etwas zeigt: unsere Erwartungen waren nicht hoch und wurden weit übertroffen: in den Allgäuer Bergtälern, wo sonst Ende April oft noch Schnee liegt, zeigt sich der Bergfrühling heuer schon in schönster Pracht. Jedes Jahr von Neuem bezaubern die wunderbaren Blautöne von Frühlingsenzian (Gentiana verna) und Clusius-Enzian (Gentiana Clusii).

Dazu harmonieren die zarten Rosa-Töne der Mehlprimel (Primula farinosa). Dazwischen leuchten in kräftigem Gelb Berghahnenfuß (Ranunculus montanus) und Echte Primel (Primula veris), die sich durch das kräftige Gelb von der verbreiteten blassgelben Schlüsselblume (Primula eliator) unterscheidet.

Man muss freilich genau hinschauen, denn die Blüten sind oft noch winzig im graubraunen alten Gras der extensiven Weideflächen. Aber einmal entdeckt erschließen sich dem Auge zahllose Farbtupfer: das Wunder des Frühlings. 26. 04. 2020

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Wandern und Schauen: der weiße Krokus blüht

Von weitem wirken sie oft wie letzte Schneefelder: die weißen Krokusse – Crocus verna subsp. albiflora – blühen, jedenfalls in Tallagen der Allgäuer Berge auf knapp 900 Meter Höhe. In höheren Lagen dauert es noch eine Weile. Trotz des Namens finden sich auch blauviolette und gestreifte Blüten zwischen den zarten weißen Blumen.

Auch noch winzige zartgelbe Schlüsselblumen – Primula eliator – wagen sich heraus – im geschützten Garten stehen sie schon in voller Blüte, aber übers freie Feld fegt trotz warmer Temperaturen ein kalter Wind. Die Buschwindröschen – Anemone nemorosa -, die sich zu früh herausgewagt hatten, litten unter den eisigen Frostnächten: minus 12 Grad halten auch die kältegewohnten Frühblüher nicht unbeschadet aus.

Am Rand eines kleinen Feuchtgebiets steht noch das Schilf – Phragmites australis – vom letzten Jahr. Bald wird es zusammenbrechen und frischem Grün Platz machen. Glasklares Wasser eilt im Bach vorüber und gibt den Blick frei bis auf den Grund – ich liebe das Spiel des Wassers über den bunten Steinen.

Ein Maulwurf ist schon aktiv und hat frische Erdhügel aufgeworfen. Und gleich daneben hat offenbar ein Fuchs zahlreiche Mäusegänge aufgegraben, nicht gerade zur Freude des Landwirts.

Am sonnigen Hang leuchtet das Scharbockskraut – Ranunculus ficaria – in kräftigem Gelb, und sonnengelb hat ein allererster Löwenzahn – Taraxacum officinale – schon seine Blüte geöffnet. Wie gut, dass wir trotz Corona spazieren gehen dürfen: im Frühling gibt es täglich Neues zu entdecken, auch auf einem ganz unspektakulären Feldweg, auf dem der Hund und ich fast immer allein sind. 06. 04. 2020

 

Wandern und Schauen: Frühlingsahnen im Agathazeller Moos

 

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Birken im Moos – das Motiv hat schon zahlreiche Maler inspiriert und ich liebe z. B. die Bilder von Paula und Otto Modersohn, aber auch von Kilian Lipp, einem zeitgenössischen Allgäuer Künstler. Moos steht hier als Allgäuer Ausdruck für Moor. Und wie schon die genannten Künstler finde ich das Moos im Übergang vom Winter zum Frühling besonders faszinierend. Die weißen Stämme der Birken leuchten mit dem Schnee um die Wette, aber apere Stellen setzen schon neue, kräftige Kontraste.

 

Alte Bäume am Moosrand sind vom Sturm zerzaust, der gerade erst gewütet und morsche Äste heruntergeworfen hat. Auf den feuchten Wiesen rund ums Moos hat die Schneeschmelze kleine Seen gebildet. Auf den Bergen ringsum leuchtet frischer Neuschnee, in der Höhe ist der Winter noch lange nicht zu Ende.

 

Auch auf dem Parkplatz türmt sich der zusammengeschobene Schnee noch meterhoch, aber immerhin finden schon wieder einige Autos Platz. Und die Aussicht von den Schneebergen auf die Steinberge ist großartig. 12. 03. 2019

 

Wandern und Schauen: Naturparadies Allgäuer Hochalpen

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Ins „Naturparadies Allgäuer Hochalpen“ führt der Vortrag von Wilhelm Späth im Arbeitskreis Heimische Orchideen, Regionalgruppe Allgäu am Samstag, 5. 1. 2019 in Bad Hindelang. Im Mittelpunkt stehen Hochtouren wie der Heilbronner Weg und Blumenberge wie Höfats und Linkerskopf. Der Fotograf zeigt Kostbarkeiten der Allgäuer Flora wie Schnee-Enzian, zarten Enzian oder den sehr seltenen Gletscher-Hahnenfuß, daneben Orchideen, Insekten und Schmetterlinge. Nichtmitglieder sind willkommen, der Eintritt ist frei. Das Treffen beginnt um 14 Uhr im Hotel Prinz Luitpold-Bad, Hofjagdstube, Bad Hindelang, Vortrag 14.30 Uhr.