Wandern und Schauen: Ein Tintenfisch im Allgäuer Moor?

DSC07175 Clathrus archeri Tintenfisch-Pilz
Tintenfisch-Pilz (Clathrus archeri)

Ein Tintenfisch am Rande einer Allgäuer Feuchtwiese? Eine unvermutete Entdeckung ist der bizarre, rote Tintenfisch-Pilz (Clathrus archeri). Erstaunlich ist auch, dass es sich um einen Einwanderer aus Neuseeland handelt, der sich seit rund hundert Jahren in Europa verbreitet. Da er es feucht und warm mag, kommt ihm der Klimawandel wohl gerade recht. „Moore und Klimawandel“ war ein Thema bei den Exkursionen des Landschaftspflegeverbands Oberallgäu: wer weiß schon, dass vom CO2- Ausstoß in Bayern acht Prozent aus trocken gelegten Mooren stammen, in denen sich der Torf zersetzt? Die Renaturierung von Mooren ist deshalb ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz, neben dem Wasserspeicher-Effekt.

Und was Moore für den Artenschutz bedeuten, kann jeder sehen: der Moor-Enzian oder Tarant (Swertia perennis) begeistert mit letzten Blüten und am Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea) sind kleine weiße Punkte zu entdecken: die Eier des Lungenenzian-Ameisenbläulings, dessen Raupen sich zunächst vom Enzian ernähren, dann von Ameisen in ihre Nester verschleppt und von ihren unfreiwilligen Wirten gefüttert werden, denen sie mit ihrem Duft vortäuschen, sie seien Ameisenlarven. In der Feuchtwiese wimmelt es von großen und kleinen Hüpfern: eine elegante Langflügelige Schwertschrecke (Conocephalus fuscus) fällt uns besonders auf.

Und auf dem Teufelsabbiss (Succisa pratensis) lauert eine helle Form der Vierfleck-Kreuzspinne (Araneus quadratus), der größten heimischen Kreuzspinnen-Art. Der Teufelsabbiss soll seinen Namen der Wurzel verdanken, die wie abgebissen wirkt und tief unten kann es nur der Teufel gewesen sein! (wir haben nicht nachgegraben!).

Die Engelwurz (Angelica sylvestris) bleibt in der Streuwiese klein, blüht aber trotzdem prächtig. Das Sumpf-Blutauge (Potentilla palustris) ist auch verblüht noch apart und das Sumpf-Weidenröschen (Epilobium palustre) bildet den zarten Kontrast. 17. 08. 2020

DSC07291 Epilobium palustre Sumpf-Weidenröschen
Sumpf-Weidenröschen (Epilobium palustre)

Wandern und Schauen: Silberdistel kündigt den Herbst an

 

Die Silberdistel – Carlina acaulis – blüht prächtig am Rand der Viehweiden auf den Bergen, ein Wetterbote, der bei hoher Luftfeuchtigkeit rasch die Blüten schließt. Ein weiterer Vorbote des Herbstes ist der Schwalbenwurz-Enzian – Gentiana asclepiadea -, der noch einmal kräftige, blaue Farbtupfer setzt, während rundum das Grün allmählich verblasst und den Grau-Braun-Tönen der verdorrenden Blätter weicht.

 

Jetzt freue ich mich doppelt über jedes Blümchen, das auf etwa 1600 Meter Höhe noch blüht wie der Alpensteinquendel – Acinus alpinus -und das Vielstengelige Fingerkraut – Potentilla caulescens.

 

Eine Besonderheit ist die Sommerwurz – wohl Orobanche gracilis -, die ganz ohne Blattgrün auskommt, weil sie auf anderen Pflanzen schmarotzt. Sie wird gern mit heimischen Orchideen verwechselt, mit denen sie aber nichts zu tun hat. Auf den ersten Blick erinnern auch die Blätter der nächsten Pflanze an eine Orchidee oder eine Enzianart, aber der Fruchtstand zeigt: es ist der Allermannsharnisch, – Allium victorialis.

 

Unterwegs waren wir auf dem Brauneck bei Lengries, einem beliebten Startplatz für Gleitschirmflieger. Trotz des diesigen Wetters war das Panorama beeindruckend. Und Hund Airy erwies sich mal wieder als unerschrockener Bergsteiger. 30. 08. 2019