Wandern und Schauen: Mehr von Allgäuer Wiesen

Auf einer feuchten Wiese habe ich üppige Exemplare von Fuchs‘ Knabenkräutern (Dactylorhiza fuchsii) entdeckt, einige auch ganz in Weiß. Die dunklere und meist kräftigere Breitblättrige Fingerwurz (Dactylorhiza majalis) ist grossteils schon verblüht.

Feucht-Wiese mit Orchideen und Kuckucks-Lichtnelke

Dazwischen leuchten Kuckucks-Lichtnelken (Silene flos-cuculi), an anderen Stellen herrschen Wiesen-Flockenblumen (Centaurea jacea) vor. Auch das Mädesüß (Filipendula ulmaria) steht in voller Blüte, daneben die Kohldistel (Cirsium oleraceum).

Wiesen-Flockenblumen (Centaurea jacea)
Mädesüß (Filipendula ulmaria)
Kohldistel (Cirsium oleraceum)

Ein zartes Gras zaubert eine Purpur-Wolke über eine Wiese, ich vermute, dass es sich um ein Hain-Rispengras (Poa nemoralis) handelt, aber mit Gräsern kenne ich mich nicht so gut aus.

Gleich daneben lässt ein verblühtes Gras eine Streuwiese goldgelb erscheinen. Die Streuwiesen grenzen oft unmittelbar an fettere, mehrfach gemähte Wiesen und machen den Unterschied deutlich: neben wuchskräftigen Gräsern Weiß- und Rotklee (Trifolium repens, T. pratense, dazwischen Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) und am Wegrand Brunelle (Prunella vulgaris). 14. 07. 2021

Weiß- und Rotklee (Trifolium repens, T. pratense)
Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
Brunelle (Prunella vulgaris)

Wandern und Schauen: Zarte, weiße Härchen im Wind

Alpen-Haarbinse (Trichophorum alpinum)

Ich freue mich immer, wenn die zarten, weißen Härchen im Wind fliegen: die Alpen-Haarbinse oder Alpen-Rasenbinse (Trichophorum alpinum, Syn. Eriophorum alpinum) ist viel kleiner als das Schmalblättrige Wollgras (Eriophorum angustifolium), das in der Nähe wächst und von den dunklen Blütenköpfen des Großen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis) flankiert wird.

Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium)
Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis)
Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alectoropholus)

Am Rand der Streuwiese dominiert der Zottige Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus).

Akeleiblättrige Wiesenraute (Thalictrum aquilegiifolium)

Dann überrascht eine Akeleiblättrige Wiesenraute (Thalictrum aquilegiifolium). Noch ein paar Schritte weiter stehen die heimischen Orchideen: Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia) haben die kräftige Breitblättrige Fingerwurz (Dactylorhiza majalis) und das Sumpf-Läusekraut (Pedicularis palustris) abgelöst.

Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia)
Breitblättrige Fingerwurz (Dactylorhiza majalis)
Sumpf-Läusekraut (Pedicularis palustris)

Später im Wald treffe ich noch auf das Fuchs‘ Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii), das nach der namengebenden Wurzelform genaugenommen kein Knabenkraut sondern auch eine Fingerwurz ist.

Fuchs‘ Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii)
Rundblättriger Steinbrech (Saxifraga rotundifolia)

Ich mag auch die zarten Sterne des Rundblättrigen Steinbrechs (Saxifraga rotundifolia), der hier eine feuchte Stelle am Wegrand gleich neben dem Eisenhutblättrigen Hahnenfuß (Ranunculus aconitifolius) bevölkert.

Eisenhutblättriger Hahnenfuß (Ranunculus aconitifolius)
Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)

Ein zartherber Duft kündigt schon von weitem den Schwarzen Holunder (Sambucus nigra) an, der hier am Alpenrand später blüht als in wärmeren Gegenden. Und dann überrascht noch ein ungewöhnlicher Farbtupfer am Weidezaun: diese Akelei ist wohl ein Garten-Flüchtling. 26. 06. 2021

Akelei

Garten am Alpenrand: Regentropfen

Regentropfen verleihen der Natur einen ganz eigenen Reiz. Sie sind das Lebenselixier für die Pflanzen, alles schießt gerade in die Höhe. Aber inzwischen sind im Garten alle Regentonnen voll und die Sonne hat sich in den letzten Wochen allzu rar gemacht, nach wenigen Tagen war wieder Schluss mit der Wärme.

Endlich blüht die Quitte, vier Wochen später als im Vorjahr. Da war sie zu früh und Spätfröste ließen die Fruchtansätze erfrieren. Heuer warten Quitte und Erdbeeren schon wieder auf die Bienen.

Ob Zwei- Vier- oder Sechsbeiner: was nicht hinausmuss, versteckt sich. Nur die Schnecken lieben die Feuchtigkeit. Die vor Nässe schweren Fliederdolden neigen sich zur Erde und die Pfingstrosen-Blüte lässt weiter auf sich warten.

Die Rambler-Rose möchte auch blühen, während die Edelrosen noch nicht einmal Knospen angesetzt haben und stattdessen zum Kälteschutz rote Blätter zeigen.

Ein paar Sonnenstrahlen wären schön und trotzdem genieße ich die frische, klare Luft nach dem Regen. 07.06.2021

Garten am Alpenrand: Endlich fliegen die Bienen

Berg-Flockenblume (Centaurea montana) mit Biene

Die Honigbienen fliegen wieder im Garten. In den letzten Wochen haben sie sich rar gemacht, es war zu kalt. Zum Glück waren die Hummeln und einige Wildbienen und Fliegen schon fleißig, so dass die frühen Apfelsorten hoffentlich gut befruchtet sind. Die späten Sorten wie „Prinz Albrecht von Preußen“ und „Geheimrat von Oldenburg“ blühen noch und auch die Erdbeeren warten auf Bestäuber.

Apfelblüte
Botanische Wildtulpe „Lilac Wonder“

Die letzten Tulpen haben die Kelche geöffnet, darunter die aparte botanische Wildtulpe „Lilac Wonder“. Leider sind von zehn Zwiebeln nur drei zur Blüte gekommen. Ebenfalls neu gesetzt und schon ein Insekten-Magnet ist der Zierlauch „Purple Sensation“.

Zierlauch „Purple Sensation“
Blattwespe aus der Familie Tenthredinidae

Ein unbekanntes Insekt im Blumenbeet entpuppte sich als Echte Blattwespe aus der Familie Tenthredinidae, vielleicht eine Monostegia abdominalis. Danke Jeffrey Anax und Otto Schreiber für die Bestimmung. Die Futterpflanze, ein Pfennigkraut (Lysomachia nummularia) wächst jedenfalls in der Nähe. Die Kälte in April und Mai hat im Garten eine Wachstumspause gebracht, bei den Radieschen im Hochbeet ebenso wie bei den Rosen und den Stauden.

Hochbeet Ende Mai
Flieder (Syringa vulgaris)

Immerhin konnte ich heute das allererste Radieschen ernten! Senfblatt, Dill und roter Rucola säen sich im Hochbeet jedes Jahr von selbst aus, was ich praktisch finde. Was zu dicht wächst, wird aufgegessen. Die Pfingstrosenknospen sind noch winzig und der Flieder möchte endlich blühen.

Tränendes Herz
Akelei

Unbeeindruckt vom Wetter ist die Akelei in den letzten Tagen in die Höhe geschossen und das Tränende Herz zeigt sich nach einem frühen Frostschaden in voller Blüte. Robust wie immer blühen die wilden Gartenbewohner wie die rote Lichtnelke (Silene dioica). 29. 05. 2021

Rote Lichtnelke (Silene dioica)

Wandern und Schauen: Scilla am Waldrand

Blausternchen (Scilla bifolia)

Ein blauer Fleck am Waldrand macht mich neugierig: Veronica oder Veilchen? Überraschenderweise stehen da Blausternchen (Scilla bifolia). Eine Wild-Population oder Gartenflüchtlinge? Beides ist möglich: weiter nördlich wurden wilde Vorkommen kartiert mit Tendenz zur Ausbreitung nach Süden. Vielleicht sind sie ja wirklich schon bei uns angekommen. Kleine blaue Teppiche bildet gerade auch der feinstielige Ehrenpreis (Veronica filiforma).

Feinstieliger Ehrenpreis (Veronica filiformis)

Ich liebe die zarte Veronica in allen Variationen. An schattigen Stellen setzt auch das üppig blühende Busch-Windröschen noch weiße Akzente.

Busch-Windröschen (Anemone nemorosa)

Seggen und Simsen übersieht man leicht, vor allem die winzigen Frühjahrsblüher, die sich kaum zehn Zentimeter hoch im alten Gras verstecken.

Feld-Hainsimse (Luzula campestris)
Frühlings-Segge (Carex caryophyllea)

Die Feld-Hainsimse (Luzula campestris) und die Frühlingssegge (Carex caryophyllea) – danke Arthur Händler und der botanischen Bestimmungsgruppe für die Bestätigungen – sind das Hinschauen wert. Auch den Wald-Gelbstern (Gagea lutea) entdeckt nur, wer zur richtigen Zeit da ist. Wenig später verschwindet er im hohen Gras.

In meiner Kinderzeit in Oberbayern gab es Auwälder voll von Gelbsternen. Heute bin ich froh, wenn ich ein paar einzelne finde. Dagegen ist der Löwenzahn (Taraxacum officinale) im Allgäu unübersehbar. An sonnigen Südhängen beginnt er gerade zu blühen und das frische Grün zeigt, dass auch das Gras, das Viehfutter, schon austreibt: „Ab Georgi geht man nicht mehr über die Wiesen“, der Spruch aus der Kinderzeit gilt auch heute noch. 25. 04. 2021

Erster Löwenzahn (Taraxacum officinalis)

Wandern und Schauen: Waldspaziergang zwischen Schnee und Neuschnee

Hund Airy (Amerikanischer Zwergschnauzer) vor Huflattich (Tussilago farfara)

Wieder ist alles weiß, aber am Wochenende wanderten wir durch den Allgäuer Frühlings-Wald. Hund Airy war natürlich dabei und bildet den Kontrast zum leuchtend gelben Huflattich (Tussilago farfara). Auch Busch-Windröschen (Anemone nemorosa) und das wechselblättrige Milzkraut (Chrysosplenium alternifolium) künden vom Frühling – und sie werden auch dem Neuschnee wieder trotzen.

Busch-Windröschen (Anemone nemorosa)
Wechselblättriges Milzkraut (Chrysosplenium alternifolium)

„Der Weg ist versperrt“, heißt es um diese Jahreszeit immer wieder –Wind- und Schneebruch bedeuten Arbeit für Waldbesitzer und Forstarbeiter. Die blaue Klammer macht sich nicht nur gut auf dem Foto, sie soll den Fichten-Nachwuchs (Picea abies) vor Verbiss schützen. Tatsächlich gibt es stark verbissene Bäumchen, aber stellenweise auch erfreulich reichen Nachwuchs bei Buchen (Fagus sylvatica) und Tannen (Abies alba).

Verbiss-Schutz an junger Fichte (Picea abies)
Buchen-Nachwuchs (Fagus sylvatica)
junge Tannen (Abies alba)

Faszinierend finde ich auch immer die Vielfalt der Moose und Flechten auf Holz und Nagelfluh-Gestein, dazwischen will auch das ausdauernde Bingelkraut (Mercurialis perennis) schon blühen – eine Sinfonie in Frühlings-Grün. 12. 04. 2021

Bingelkraut (Mercurialis perennis) im Moos
Moose auf Nagelfluh-Gestein

Garten am Alpenrand: Ein Wollschweber?

Habe ich tatsächlich einen Wollschweber am Blaukissen mit der Kamera eingefangen? Leider war er gleich wieder weg, so dass ich keine weiteren Fotos machen konnte. Aber der lange Rüssel ist wohl eindeutig. Ich habe ja schon jede Menge Fliegen – ist die fotografierte eine Raupenfliege? – Bienen und Wildbienen, Hummeln, Käfer und auch Taubenschwänzchen im Garten beobachtet, aber einen Wollschweber bisher noch nicht. Um so mehr freue ich mich über die Entdeckung. Ein bisschen Wildnis bzw. insektenfreundliche Blüten und Pflanzen bringen eben doch mehr Artenreichtum. 05. 04. 2021

Wandern und Schauen: Überraschungs-Veilchen

Rauhaariges Veilchen (Viola hirta)

Das Rauhaarige Veilchen (Viola hirta) ist neu für mich. So früh im Jahr, kurz nach dem letzten Schneefall – und der nächste Schnee ist schon angekündigt – hatte ich kein Veilchen erwartet. Aber da ist es, winzig klein und hellblau an einer sonnigen Böschung. Und ein paar Schritte weiter die nächste Überraschung: der zarte Frühlings-Krokus (Crocus vernus/albiflorus) blüht bereits.

Frühlings-Krokus (Crocus vernus/albiflorus)
Frühlings-Krokus (Crocus vernus/albiflorus)

Bisher zeigen sich nur weiße Exemplare, ob die violetten noch kommen, bevor es wieder schneit? Die Frühlingsblüher hier am Alpenrand auf etwa 900 m Höhe sind hart im Nehmen, sie werden wie die robusten Schlüsselblumen (Primula eliator) und Gänseblümchen (Bellis perennis) auch den Aprilschnee überstehen.

Schlüsselblumen (Primula eliator)
Gänseblümchen (Bellis perennis)
Schneeglöckchen (Galanthus nivalis)

Aber was machen Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) mitten auf der Viehweide? Laut Dörr, „Flora des Allgäus“, sind sie hier nicht heimisch, aber aus Gärten verwildert, in Ausbreitung begriffen und vor allem im Voralpenland bereits häufig, allerdings bisher nicht über 1000 m. Am Waldrand, wo ein Bächlein herunterspringt, fühlt sich die Weiße Pestwurz (Petasites albus) wohl und in der Nähe ist eine erste Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris) zu entdecken.

Weiße Pestwurz (Petasites albus)
Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris)

Ein vermodernder Baumstamm bildet den idealen Nährboden für Fichten und anderes Gehölz – ein schönes Beispiel für den Kreislauf der Natur, man könnte auch an die österliche Auferstehung denken. Und als nächstes Palm- bzw. Ostersymbol die blühenden Palmkätzchen. Fehlt nur noch der Osterhase. 03. 04. 2021

Weiden-Kätzchen (Salix sp.)

Garten am Alpenrand: Zu früh gefreut?

Gerade noch haben Krokus, Frühlingsknotenblumen und Schneeglöckchen üppig geblüht und auch die Lenzrose zeigte dicke Blütenknospen. Aber wie bei uns am Alpenrand zu erwarten, blieb es nicht bei diesem Vorgeschmack von Frühling. Es schneit wieder. Wo gestern noch die ersten Bärlauch-Blättchen aus dem Schnee ragten, ist heute nur eine weiße Fläche zu sehen.

Erste Bärlauch-Spitzen, frisch verschneit
Bärlauch und Krokus sind verschwunden

Und es schneit weiter, mal mehr, mal weniger dicht.

Ungeteilte Freude am Schnee hat nur Hund Airy. Für ihn ist es das höchste Vergnügen, sich in der weißen Pracht zu wälzen. Auch wenn danach die Dusche droht, um die kalten „Schnee-Schuhe“ wieder los zu werden. 16. 03. 2021