Wandern und Schauen: Frostiger Herbstspaziergang

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Der Spaziergang führt uns oft an einer kleinen Feuchtwiese vorbei. In der herbstlich tiefstehenden Sonne glitzern die Wasserflächen im Gegenlicht wie mit Sternen bestreut. Der Frost hat erste Eisschlieren um die Grashalme gelegt.

Die Berge glänzen frisch verschneit und am Schattenhang am Waldrand hält sich auch am Nachmittag noch der Reif. Ohne Laubbekleidung zeigen die Bäume ihre individuelle, kraftvolle Gestalt.

Einige Birken schütteln letzte gelbe Blätter im Wind und Hund Airy macht sich gut vor den leuchtend weißen Stämmen.

Das Herbstlicht verzaubert auch das Moos auf dem alten Betonpfosten, der längst kein Tor mehr halten muss. 12. 11. 2019

Wandern und Schauen: Silberdistel kündigt den Herbst an

 

Die Silberdistel – Carlina acaulis – blüht prächtig am Rand der Viehweiden auf den Bergen, ein Wetterbote, der bei hoher Luftfeuchtigkeit rasch die Blüten schließt. Ein weiterer Vorbote des Herbstes ist der Schwalbenwurz-Enzian – Gentiana asclepiadea -, der noch einmal kräftige, blaue Farbtupfer setzt, während rundum das Grün allmählich verblasst und den Grau-Braun-Tönen der verdorrenden Blätter weicht.

 

Jetzt freue ich mich doppelt über jedes Blümchen, das auf etwa 1600 Meter Höhe noch blüht wie der Alpensteinquendel – Acinus alpinus -und das Vielstengelige Fingerkraut – Potentilla caulescens.

 

Eine Besonderheit ist die Sommerwurz – wohl Orobanche gracilis -, die ganz ohne Blattgrün auskommt, weil sie auf anderen Pflanzen schmarotzt. Sie wird gern mit heimischen Orchideen verwechselt, mit denen sie aber nichts zu tun hat. Auf den ersten Blick erinnern auch die Blätter der nächsten Pflanze an eine Orchidee oder eine Enzianart, aber der Fruchtstand zeigt: es ist der Allermannsharnisch, – Allium victorialis.

 

Unterwegs waren wir auf dem Brauneck bei Lengries, einem beliebten Startplatz für Gleitschirmflieger. Trotz des diesigen Wetters war das Panorama beeindruckend. Und Hund Airy erwies sich mal wieder als unerschrockener Bergsteiger. 30. 08. 2019

 

Wandern und Schauen: Durch den Hölltobel nach Gerstruben

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Im senkrechten Fels öffnet sich ein enger, schwarzer Spalt, aus dem lärmend das Wasser springt. Das Auge kann die Finsternis nicht durchdringen. Kein Wunder, dass abergläubische Vorfahren hier einen Höllenschlund sahen. Auch ein Krimi ist hier angesiedelt (Peter Novotny: Höllenschlucht). Der Hölltobel gibt sein Geheimnis erst beim Höhersteigen preis: in der engen Schlucht stürzt das Wasser in einer Abfolge donnernder Wasserfälle in die Tiefe. Mehrere Aussichtsstege über dem Wasser geben den Blick nach oben und unten frei.

 

Hund Airy hat keine Angst vor dem Tosenden Wasser. Der teilweise steinige und steile Weg führt neben der engen Schlucht durch den Bergwald. Die Blütenpracht des Sommers ist vorbei, dafür verwöhnen uns Wald und Sonne mit leuchtenden Herbstfarben.

 

Unsere Wanderung beginnt in Oberstdorf an der Trettachbrücke neben dem Kraftwerkhaus. An der Trettach, einem der drei Quellflüsse der Iller, führt der Weg zunächst nahezu eben ins autofreie Bergtal, immer mit Blick auf die Trettachspitze, die aufgrund ihrer markanten Form auch Allgäuer Matterhorn genannt wird. Gelegentlich säumen ein Bauernhof oder eine Ausflugswirtschaft den Weg, der gerne von Mountainbikern befahren wird – bis zur nächsten Brücke kann auch der Spazierweg auf der anderen Flussseite benutzt werden.

 

Nach etwa einer Stunde zweigt nach links die Fahrstraße nach Gerstruben ab (für den öffentlichen Verkehr gesperrt). Wir bleiben noch kurz im Trettachtal bis zur Abzweigung in den Hölltobel. Jetzt begleitet uns der immer wilder werdende Dietersbach und es geht teilweise steil aufwärts, immer wieder mit spektakulären Einblicken in den Hölltobel. Wenn der Weg auf die Straße trifft, sind wir fast am Ziel: Vor uns liegt ein nahezu ebenes, lichtes Hochtal mit Bergweiden, gesäumt von den steilen Hängen der Höfats und im Hintergrund den langgestreckten Graten von Rauheck, Kreuzeck und Bettlerrücken.

 

Das malerische Bergdorf Gestruben mit seiner Kapelle zählt zu den beliebtesten Fotomotiven rund um Oberstdorf. 400 Jahre alt sind die wettergegerbten, dunklen Holzhäuser in Blockbauweise. Üppiger Blumenschmuck, ein Bauerngarten und Rosen vor der Kirche lassen das Bergdorf lebendig erscheinen, aber nur die Gastwirtschaft ist noch ganzjährig bewohnt. 1892 wollte eine Kapitalgesellschaft den Dietersbach zur Elektrizitäts-Gewinnung aufstauen und kaufte die Bauernanwesen auf. Zum Glück wurde der Plan nicht verwirklicht. Heute pflegt der Verein der ehemaligen Rechtler liebevoll die historischen Häuser, ein Anwesen wurde als Museum eingerichtet und gibt Einblick ins harte, karge Leben auf 1150 Meter Höhe (einmal in der Woche geöffnet, bzw. wenn jemand vom Verein oben ist). Auch die historische Einblatt-Säge am Dietersbach wurde sachgemäß restauriert.

 

Zurück wählen wir den Rautweg. Auf einem nassen, drahtseilgesicherten Pfad geht es hinunter zum Dietersbach (bequemer ist der Weg über die Säge). Nach dem kurzen Wiederaufstieg führt der Weg über die Wiesen und in sanftem Bergab knieschonend durch den Bergwald ins Trettachtal. Von der Einöde Raut ist nur noch ein Stadel erhalten. Im Tal können wir einen Abstecher zum nahen Christlessee machen und gemächlich nach Oberstdorf zurückschlendern.

Airy vor dem historischen Schräghag. Für diesen Zaun braucht es keinen Nagel.

DSC02353Reine Gehzeit gut vier Stunden, Anstieg Oberstdorf – Gerstruben rund 350 Höhenmeter. Mehrere Einkehrmöglichkeiten.

 

 

 

Garten am Alpenrand: nach dem ersten Frost

 

Die Zucchiniblätter haben unter dem ersten Frost gelitten. Minus ein Grad zeigte das Thermometer vor zwei oder drei Tagen am Morgen. Trotzdem verwöhnen uns die Pflanzen immer noch mit frischen Zucchini, ebenso wie Stangenbohnen und Tomaten.

 

Besonders die Johannisbeer-Tomate „Rote Murmel“ ist hart im Nehmen. Zugleich beginnt zwei Wochen früher als üblich die Apfelernte. Und die Rosen und eine Phlox-Staude zeigen unbeeindruckt von frostigen Nachttemperaturen noch eine schöne Herbstblüte. 30. 9. 2018