Wandern und Schauen: im Lebensraum der Birkhühner

 

Birkhühner sollen sich wohlfühlen im Gebiet der Sölleralpe bei Oberstdorf. Der Landschaftspflegeverband Oberallgäu will mit einem Projekt den Lebensraum der geschützten und stark gefährdeten Raufußhühner verbessern.

 

Bei einer Exkursion bestaunten wir auch die Fülle der Alpenblumen: von der Arnika (Arnika montana) über die bärtige Glockenblume (Campanula barbata) in blauen und einige weißen Exemplaren bis zur ziestblättrigen Teufelskralle (Pheuthema betonicifolium) gedeiht auf dem Flyschgestein des Fellhorn-Söllereck-Grates eine reichhaltige Alpenflora. Auch das orangerote Habichtskraut (Hieracium auranthiacum), die seltene großblättrige Schafgarbe (Achillea macrophylla) und das einköpfige Ferkelkraut sind zu entdecken. 

DSC01730Birkhühner benötigen ein abwechslungsreiches Gelände mit vielen freien Flächen, aber auch Unterschlupfmöglichkeiten und ein gutes Nahrungsangebot. Eine extensive Beweidung, wie sie mit dem Alpvieh der Sölleralpe stattfindet, trägt dazu bei, diesen Lebensraum zu erhalten. Allerdings finden wir heute die Folgen der vor 50 Jahren stark zurück gegangenen Beweidung: Farn, Grünerlen und Kleinsträucher haben sich ausgebreitet und wachsen auf großen Flächen so dicht, dass die Birkhühner dort keine Jungen mehr aufziehen können. Die Jungvögel brauchen sonnige, insektenreiche Flächen, die älteren Vögel ernähren sich von Knospen, Beeren und jungen Trieben. Es gilt also, den Farn durch Mähen zurückzudrängen und Sträucher so auszulichten, dass genügend Unterschlupf und Nahrungsangebot bleiben – im Berggelände eine mühsame und zeitaufwändige Handarbeit.

 

Die vermehrten Freiflächen kommen nicht nur den geschützten Birkhühnern zugute: hier finden sich die prächtigen Alpenblumen, die uns Wanderern gefallen und Schmetterlingen und Insekten wie dem Hochmoorgelbling und der alpinen Gebirgsschrecke Lebensraum bieten.

 

Und auch die vierbeinigen Landschaftspfleger, die Kühe der Sennalpe unter dem Söllereck, finden die kräftigen Bergkräuter, die Milch und Käse den besonderen Geschmack verleihen.

 

Wandern und Schauen: noch einmal Nagelfluh

 

Ein Steingarten zum Staunen: vom Mittag zur Alpe Oberberg 

Vom Mittag, dem Hausberg von Immenstadt im Allgäu, zum Bärenköpfle ist es ein gemütlicher Spaziergang. Wanderer, die die Nagelfluh-Kette überschreiten wollen, eilen schnell vorbei Richtung Steineberg. Wir sind diesmal nicht weit gekommen, weil es auf den Nagelfluh-Felsen am Wegrand viel zu sehen gibt. Die von der Natur geschaffenen Steingärten sind ein kleines Paradies. Da wächst würziger Thymian neben dem gelben Sonnenröschen (Helianthemum nummularium), dessen Knospen nickend herunterhängen, während sich die geöffneten Blüten der Sonne entgegenstrecken. Neben dem Silbermantel mit seinen silbrig glänzenden Blatträndern (wohl Alchemilla nitida, es gibt mehrere ähnliche Arten) streckt der Berg-Baldrian (Valeriana montana) seine schirmförmigen, zarten Blütenstände empor. Dazwischen kann man die kugelige Teufelskralle entdecken, ein Glockenblumen-Gewächs, während die zierliche Zwerg-Glockenblume (Campanula cochleariifolia) sich direkt an den Felsen klammert.

 

Auch heimische Orchideen sind zu entdecken, vereinzelt das Brandknabenkraut (Orchis ustulata) mit seinem fast schwarzen Köpfchen, das Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) auch in einem fast weißen Exemplar und die grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chloranta), neben der ein lebendgebärendes Alpen-Rispengras zu sehen ist. Anstelle von Samen fallen hier schon fertig ausgebildete kleine Pflanzen auf den Boden, die sofort anwachsen können – eine erstaunliche Anpassung an den kurzen alpinen Sommer.

 

Auf einer extensiv bewirtschafteten Bergweide leuchtet der Goldpippau. Auf den artenreichen Weiden grast das Milchvieh der Sennalpe Oberberg. Kenner schätzen neben dem weiten Panoramablick über Allgäuer Alpen und Illertal den würzigen alten Bergkäse, der hier ein bis zwei Jahre lagern darf, um sein volles Aroma zu entwickeln. Mancher staunt über die braunen Alpschweine im Freigehege, eine Kreuzung zweier alter Haustierrassen. Sie werden mit der Molke gefüttert, die beim Käsen anfällt, und entwickeln ein besonders aromatisches Fleisch.