Garten am Alpenrand: wilder Frühling

 

Nicht nur Tulpen und Narzissen stehen in voller Pracht, auch in den wilden Ecken kann ich täglich etwas Neues entdecken. Hier zeigt sich der Frühling in Blau und Gelb. Ganz zart ein kleiner, feinstieliger Ehrenpreis mit dem hübschen lateinischen Namen Veronica filiformis. Als Kinder haben wir Regenblümchen dazu gesagt, weil es angeblich regnet, wenn man sie abpflückt. In kräftigerem Blau zeigen sich Gundermann und kriechender Günsel und rosaviolett der Seidelbast.

 

Vielfältig auch die Gelbtöne: die Schlüsselblumen nutzen die blattlose Zeit unter dem Apfelbaum, wo sie im Frühling noch ausreichend Licht bekommen. Das Scharbockskraut glänzt in kräftigem Gelb und der Löwenzahn lockt mit seinen Riesenblüten verschiedene Besucher an.

 

 

Erstaunt bin ich über eine Kratzdistel, die vor ein paar Jahren prächtig im Garten stand, dann aber offenbar Pause machte bis zu diesem Frühjahr. Jetzt kündigt eine kraftvolle Rosette am Boden an, dass sie wieder wachsen will. Ganz zierlich, kaum größer als zehn Zentimeter, steht dagegen eine frühe Segge im Gras, wohl die Frühlingssegge. 20. 4. 2019

 

Garten am Alpenrand: Fliederduft in der Luft

 

Der ganze Garten duftet nach Flieder. So oft ich an den violetten Blütendolden vorbei komme, nehme ich eine Nase voll. Gegen Abend ist das Aroma besonders intensiv. Auch die Spiere blüht heuer besonders üppig. Und die Quitte hat sich – wie schon zuvor die Apfelbäume – überreich mit Blüten geschmückt, als wollten die Bäume uns für den frostbedingten Ausfall im vergangenen Jahr entschädigen. Die Apfelbäume haben bereits zahlreiche Äpfelchen angesetzt. Ein Stockwerk tiefer tanzt die Akelei im Wind. Sie verträgt sich farblich wunderbar mit dem tränenden Herz. Ein Stockwerk tiefer stehen die blauen Kerzen des Günsels (Ajuga reptans). Auch die Bergflockenblume hat ihre filigranen blauen Blüten geöffnet und erinnert an die zur Kinderzeit noch häufige Kornblume.

 

Hellblaue Seen im Garten bildet der Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), der vielen als Unkraut gilt, weil er unkontrolliert überall wuchert. Ich dämme ihn nur etwas ein, lasse ihn aber wie den Günsel als Bodendecker gewähren. Zum Ausrotten ist er viel zu hübsch. Auch vom kriechenden Hahnenfuß (Ranunculus repens) lasse ich einige Pflanzen stehen und freue mich über das kräftige Gelb der Blüten. Daneben wetteifern weiße Bärlauch-Blüten mit den ersten blühenden Erdbeeren. Der Garten – eine Farbsinfonie in Blau, Rosé und Weiß. 15. 5. 2018