Garten am Alpenrand: meine wilden Ecken

 

Mein Garten hat viele wilde Ecken. Der „Rasen“ ist eine ziemlich wilde Wiese, in der Gänseblümchen, Frauenmantel und Löwenzahn ebenso gedeihen dürfen wie Wiesenschaumkraut, Lichtnelke oder Brunelle. Damit alles blühen und Samen bilden kann, werden im Frühjahr nur die Wege zu Schuppen und Kompost gemäht. Die übrigen Grünflächen kommen nach und nach an die Reihe, wenn die Margeriten verblüht sind. Rasenmähen gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

 

Und unter Bäumen und Sträuchern am Gartenzaun darf sowieso wachsen was will, Schlüsselblumen, Nelkenwurz und Weidenröschen, Brennnesseln, Hexenkraut und Hohlzahn. Der Wildwuchs ist pflegeleicht, hübsch anzusehen wie Ehrenpreis und Winde, und er bietet Lebensraum und Nahrung für vielerlei Insekten und anderes Getier.

 

Immer wieder entdecke ich Überraschendes: seit einigen Jahren fühlen sich Baldrian und Bachnelkenwurz im Garten wohl. Zwischendurch zeigte sich sogar eine heimische Orchidee, das große Zweiblatt, das aber leider wieder verschwunden ist. Dagegen gefällt es verschiedenen Sauergräsern, darunter drei Arten von Seggen.

 

Gelegentlich habe ich nachgeholfen und Samen aus Wald und Wiese verstreut, zunächst scheinbar ohne Erfolg, aber nach zwei oder drei Jahren wuchsen orangerotes Habichtskraut, Silberblatt und gekielter Lauch (den ich jetzt wieder eindämmen muss) und auch die Hagebutten von Wildrosen und die Schlehen sind inzwischen zu Büschen und Bäumen geworden (die auch nicht überhandnehmen dürfen). Bei einer Stämmchen-Johannisbeere, einer Rose und einer Weide sind die auf die Stämmchen veredelten Pflanzen nach einigen Jahren kaputt gegangen, ihre Lebensdauer ist begrenzt. Dafür hat der „Unterbau“ ausgeschlagen und ich habe jetzt eine robuste und hübsche Gold-Johannisbeere, einen Weidenstrauch und was aus der Rose wird, weiß ich noch nicht.

 

Natürlich haben in meinem Garten auch all die prächtigen Rosen Platz (davon demnächst), dazu Stockrosen, Malven, Phlox, Sonnenhut und vieles mehr. Ein Garten ist ja eine Kulturlandschaft, in der wir zum Teil gegen die Natur arbeiten, indem wir ständig entscheiden, was wachsen darf und was nicht ins Blumen- und Gemüsebeet gehört. Wir planen und gestalten, sähen, jäten und schneiden. Und wir staunen über die Durchsetzungskraft der wilden Gewächse. Bei mir dürfen sie wachsen, wenn auch nicht überall. Unverzichtbar ist der Spitzwegerich zur ersten Hilfe bei Insektenstichen. Der Dost oder wilde Majoran ist ein feines Gewürz und bei Bienen und anderen Insekten bis in den Herbst hinein begehrt. Und Gundermann und Günsel dienen auch nach der Blütezeit im Blumenbeet als Bodendecker und Verdunstungsschutz. 12.8.2018

 

Garten am Alpenrand: Fliederduft in der Luft

 

Der ganze Garten duftet nach Flieder. So oft ich an den violetten Blütendolden vorbei komme, nehme ich eine Nase voll. Gegen Abend ist das Aroma besonders intensiv. Auch die Spiere blüht heuer besonders üppig. Und die Quitte hat sich – wie schon zuvor die Apfelbäume – überreich mit Blüten geschmückt, als wollten die Bäume uns für den frostbedingten Ausfall im vergangenen Jahr entschädigen. Die Apfelbäume haben bereits zahlreiche Äpfelchen angesetzt. Ein Stockwerk tiefer tanzt die Akelei im Wind. Sie verträgt sich farblich wunderbar mit dem tränenden Herz. Ein Stockwerk tiefer stehen die blauen Kerzen des Günsels (Ajuga reptans). Auch die Bergflockenblume hat ihre filigranen blauen Blüten geöffnet und erinnert an die zur Kinderzeit noch häufige Kornblume.

 

Hellblaue Seen im Garten bildet der Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), der vielen als Unkraut gilt, weil er unkontrolliert überall wuchert. Ich dämme ihn nur etwas ein, lasse ihn aber wie den Günsel als Bodendecker gewähren. Zum Ausrotten ist er viel zu hübsch. Auch vom kriechenden Hahnenfuß (Ranunculus repens) lasse ich einige Pflanzen stehen und freue mich über das kräftige Gelb der Blüten. Daneben wetteifern weiße Bärlauch-Blüten mit den ersten blühenden Erdbeeren. Der Garten – eine Farbsinfonie in Blau, Rosé und Weiß. 15. 5. 2018