Wandern und Schauen: 26. 06.: Berg-Orchideen und mehr

Grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride)

„Mitkommen und Staunen“ lautet das Motto der naturkundlichen Exkursion, zu der der Arbeitskreis Heimische Orchideen, Regionalgruppe Allgäu am Sonntag, 26. Juni 2022 ins Gottesackergebiet im Kleinwalsertal einlädt. Zu entdecken sind alpine Orchideen wie die seltene Zwerg-Orchis (Chamorchis alpina), die prächtige Kugelorchis (Traunsteinera globosa) oder die Grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride).

Kugel-Orchis (Traunsteinera globosa)

Das Ifen-Gottesacker-Gelände zählt mit seinen fantastischen Felsformationen zu den attraktivsten hochalpinen Karstgebieten in den Nördlichen Kalkalpen. Der auf den ersten Blick fast kahle, helle Schrattenkalk überrascht mit seiner Artenvielfalt, die sowohl blumenbunte Magerrasen mit kalkliebenden Pflanzen wie die Alpenaster (Aster alpinus) umfasst, als auch kalkfliehende Arten wie die Krautweide (Salix herbacea). Dieser „kleinste Baum der Welt“ versteckt seine fingerdicken Stämmchen im Felsschutt unter der Erde, nur die Blättchen und Blüten-Kätzchen zeigen sich an der Oberfläche.

Alpen-Aster (Aster alpinus)

Alpine Überlebenskünstler an windumtosten Hängen und in kalten Schneetälchen sind die Polster von Stengellosem Leimkraut (Silene acaulis), Schweizer Mannsschild (Androsace helvetica) und Rotem Steinbrech (Saxifraga oppositifolia). Sie alle und noch viel mehr sind im Gottesackergebiet zu finden. Einer der besten Kenner von Geologie und Flora in den Allgäuer Alpen begleitet die Exkursion. Auch Nicht-Mitglieder sind herzlich willkommen, die Führung ist kostenfrei, Parkgebühren und Bergbahnkosten sind selbst zu tragen. Vorausgesetzt werden eine geeignete Bergwander-Ausrüstung, Proviant und Getränke im Rucksack sowie ausreichend Kondition. Treffpunkt ist 8.30 Uhr am Parkplatz Auenhütte, dort erfolgt die Auffahrt mit der Bergbahn zur Mittelstation. Von dort geht der Aufstieg ca. 500 Höhenmeter zu Fuß zum Hahnenköpfle, für konditonsstarke Teilnehmer weiter zum Tiefen Ifen. Die Rückkehr zum Parkplatz ist gegen 17.30 Uhr vorgesehen. Interessenten bitte bei mir melden. Ich gebe die Anmeldung an unseren Exkursionsführer weiter. 20. 06. 2022

Stengelloses Leimkraut (Silene acaulis)

Wandern und Schauen: Nagelfluh – Hotspot der Artenvielfalt, Exkursion 18. 06. 2022

Schwarzes Kohlröschen (Nigritella rhecellani)

Achtung: Termin-Änderung

Die AHO-Wanderung Rinnen-Galtjoch muss aus gesundheitlichen Gründen auf den 2. Juli verschoben werden. Stattdessen findet am 18. Juni eine Orchideen-Wanderung auf der Nagelfluhkette statt:

Veranstaltungshinweis Samstag, 18. 6. 2022: Orchideen, Steinnelke und Apollo-Falter – Artenreichtum-Hotspot auf „Herrgotts-Beton“

Auf „Herrgotts-Beton“, wie das Nagelfluh-Gestein gern genannt wird, findet sich einer der wenigen bayerischen Standorte der Steinnelke (Dianthus sylvestris).

Steinnelke (Dianthus sylvestris)

Und mit etwas Glück lassen sich der seltene Apollo-Falter und die sibirische Keulenschrecke beobachten. In den Naturpark Nagelfluhkette geht es mit dem Arbeitskreis Heimische Orchideen, Regionalgruppe Allgäu am Samstag, 18. Juni 2022. Die botanische Exkursion gilt nicht nur Heimischen Orchideen wie Kugelorchis (Traunsteinera globosa) und Kohlröschen (Nigritella rhellicani), sondern dem ganzen Artenreichtum, den das Molasse-Gestein zu bieten hat.

Der weiße Mauerpfeffer (Sedum album) ist die Raupen-Futterpflanze des Apollofalters, das Hahnenfuß-Hasenohr (Bupleurum ranunculoides) kommt erst in Höhen ab etwa 1500 m vor und der Gelbe Enzian (Gentiana lutea) wird zum Schnapsbrennen genutzt. Die anspruchsvolle Bergtour über Mittag und Steineberg erfordert Trittsicherheit, Kondition und entsprechende Bergausrüstung, auch wenn die ersten 700 Höhenmeter mit dem Sessellift überwunden werden. „Nur für Geübte“ warnt der Exkursionsleiter. Nicht-Mitglieder sind stets willkommen, die Führung ist kostenfrei. Bergbahn und Einkehr müssen selbst getragen werden. Treffpunkt 10 Uhr, Talstation Mittag-Bahn, Immenstadt. Bei Interesse bitte bei mir melden, ich gebe die Anmeldung an den Exkursionsleiter weiter. 14. 06. 2022

Gelber Enzian (Gentiana lutea)

Wandern und Schauen: Bergfrühling und Bergsommer = Blütenexplosion

Alpenglöckchen (Soldanella alpina)

Kaum taut der Schnee, öffnen die Soldanellen oder Alpenglöckchen (Soldanella alpina) ihre Blütenköpfe. Die Hummel scheint viel zu schwer für die zarten Glöckchen, aber sie halten der Last stand. Zur Freude von Hund Airy gibt es heuer auf 2000 m Höhe in den Allgäuer Bergen noch etliche Schneefelder in nordseitigen Rinnen und sogar noch in Mulden auf der Südseite, genug zum Toben, Springen und Wälzen für den begeisterten Hund.

Dafür hält er brav still, wenn Frauchen fotografiert: Frühlingsenzian (Gentiana verna), Clusius‘ Enzian (Gentiana clusii) und letzte narzissenblütige Anemonen (Anemone narcissiflora) sind noch Frühlingsboten, während Fruchtstände der Weißen Alpen-Anemone (Pulsatilla alpina) schon den Sommer anzeigen.

Frühlings-Enzian (Gentiana verna)

Clusius‘ Enzian (Gentiana clusii)
Narzissenblütige Anemone (Anemone narcissiflora)
Alpen-Anemone (Pulsatilla alpina), Fruchtstand

Im Allgäu sagt man „Bergmännle“ zu den lustigen Schöpfen, während die mehrblütige Anemone „Berghähnle“ genannt wird. „Bergweible“ gibt es auch, aber die haben wir noch nicht gesehen, es sind die Fruchtstände der Silberwurz.

Bewimperter Mannsschild (Androsace chamaejasme) und Geschnäbeltes Läusekraut (Pedicularis rostrato-capitata)
Geschnäbeltes Läusekraut (Pedicularis rotrato-capitata) und Alpen-Aster (Aster alpinus)

Leuchtend violette Farbtupfer setzt das Geschnäbelte Läusekraut (Pedicularis rostrato-capitata) neben dem zierlichen bewimperten Mannsschild (Androsace chamaejasme) und der Alpen-Aster (Aster alpinus). Auch die bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum) blüht noch, in Oberbayern als „Almrausch“ bekannt.

Bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum)
Kugelorchis (Traunsteinera globosa)

Meine besondere Liebe gilt den heimischen Orchideen. Auf der Höhe blühen jetzt die prächtige Kugelorchis (Traunsteinera globosa).  Um Weißzüngel (Pseudorchis albida, Syn. Leucorchis a.) und grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride) zu entdecken, muss man genau hinschauen.

Weißzüngel (Pseudorchis albida)
Grüne Hohlzunge (Pseudorchis albida)

Unübersehbar sind dagegen die fast schwarzen Punkte des schwarzen Kohlröschens (Nigritella rhellicani). In der Schweiz nennt man sie Männertreu und „Schokoladenblümli“, wer daran riecht, weiß warum. 24. 07. 2021

Schwarzes Kohlröschen (Nigritella rhellicani)

Wandern und Schauen: Orchideen-Pracht

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Kugelorchis (Traunsteinera globosa)

Kürzlich bei einer Bergwanderung im Allgäu fiel mir eine prächtige Kugelorchis (Traunsteinera globosa) ins Auge. Noch mehr gefreut habe ich mich über eine Entdeckung gleich daneben: winzig und unscheinbar stand da das Einblatt (Malaxis monophyllos).

DSC06825 Malaxis monophyllos Einblatt
Einblatt (Malaxis monophyllos)

Auch diese oft übersehene Winzigkeit ist eine heimische Orchidee – ein Anlass, einige Vertreter dieser Pflanzenfamilie vorzustellen: Spannend finde ich Sexual-Täuschblumen wie die Fliegen-Ragwurz, die Aussehen und Duft (!) eines Insekten-Weibchens nachahmen.

 

Männchen, die sich mit dem vermeintlichen Weibchen paaren wollen, bestäuben stattdessen die Orchidee. Recht häufig, aber im Grün der Wiese unauffällig ist das Große Zweiblatt (Listera ovata) mit seinen grünlichen Blüten. Zur Bestimmung hilfreich sind hier wie so oft die namensgebenden Blätter.

Allerdings sind die deutschen Namen ungenau: Früher bezeichnete man die kleinen Orchideen alle als „Knabenkräuter“ und diejenigen mit gefleckten Blättern als „geflecktes Knabenkraut“. Aber echte Knabenkräuter sind nur die Orchis-Arten wie das Männliche Knabenkraut (Orchis mascula), denn der deutsche und der botanische (griechische) Name deuten auf die Wurzel, die dem männlichen Hoden ähnelt.

Andere Arten haben finger- oder handförmige Wurzeln und werden auch Fingerwurz (Dactylorhiza) genannt wie die Fuchs-Fingerwurz (Dactylorhiza fuchsii). Auch die gefleckten Blätter kommen bei mehreren Arten vor und sind kein sicheres Merkmal zur Bestimmung. Die Bestimmung ist oft auch deswegen schwierig, weil einzelne Arten sehr vielgestaltig sind und zudem gerne Hybriden bilden.

Und seit es DNA-Analysen gibt, haben sich aufgrund neu erkannter Verwandtschafts-Verhältnisse einige Namen und Zuordnungen geändert, wie beim Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata, früher Orchis ustulata). Von solchen Schwierigkeiten abgesehen sind unsere heimischen Orchideen faszinierende Pflanzen und allesamt kleine Kostbarkeiten. Mehr über unsere Orchideen ist im Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO) Bayern oder anderen Landesgruppen zu erfahren. 16. 07. 2020

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Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata)