Wandern und Schauen: Noch mehr Orchideen

Männliches oder Stattliches Knabenkraut (Orchis mascula)

Mehr als zehn verschiedene Orchideen gibt es derzeit auf Ostallgäuer Bergen in etwa 1800 m Höhe zu sehen. Der Landesbund für Vogelschutz hatte mit der angekündigten Orchideen-Wanderung nicht zu viel versprochen.

Höswurz oder Weißzüngel (Pseudorchis albida)
Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata)
Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata) Albino
Grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride) helle und rötliche Form
Grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride) mit Besucher

Außerdem waren zwei verschiedene Mannsschildarten zu entdecken, zwei Sonnenröschen, die leuchtende Alpenaster und vieles mehr.

Milchweißer Mannsschild (Androsace lactea)
Bewimperter Mannsschild (Androsace chamaejasme)
Sonnenröschen (wohl Helianthemum alpestre)
Sonnenröschen (Helianthemum nummularium)
Alpen-Aster (Aster alpinus)

Es ist immer wieder spannend, welche Strategien Pflanzen entwickeln, um sich auf rauen Bergen zu behaupten. Zum Beispiel der Knöllchen-Knöterich, der wegen der kurzen Vegetationszeit in Höhenlagen Brutknöllchen ausbildet, die auf der Pflanze auskeimen können. 17. 06. 2026

Knöllchen-Knöterich (Bistorta viviparia)
Mücken-Händelwurz (Ophrys insectifera)

Wandern und Schauen: Orchideen-Pracht

DSC06818 Traunsteinera globosa
Kugelorchis (Traunsteinera globosa)

Kürzlich bei einer Bergwanderung im Allgäu fiel mir eine prächtige Kugelorchis (Traunsteinera globosa) ins Auge. Noch mehr gefreut habe ich mich über eine Entdeckung gleich daneben: winzig und unscheinbar stand da das Einblatt (Malaxis monophyllos).

DSC06825 Malaxis monophyllos Einblatt
Einblatt (Malaxis monophyllos)

Auch diese oft übersehene Winzigkeit ist eine heimische Orchidee – ein Anlass, einige Vertreter dieser Pflanzenfamilie vorzustellen: Spannend finde ich Sexual-Täuschblumen wie die Fliegen-Ragwurz, die Aussehen und Duft (!) eines Insekten-Weibchens nachahmen.

 

Männchen, die sich mit dem vermeintlichen Weibchen paaren wollen, bestäuben stattdessen die Orchidee. Recht häufig, aber im Grün der Wiese unauffällig ist das Große Zweiblatt (Listera ovata) mit seinen grünlichen Blüten. Zur Bestimmung hilfreich sind hier wie so oft die namensgebenden Blätter.

Allerdings sind die deutschen Namen ungenau: Früher bezeichnete man die kleinen Orchideen alle als „Knabenkräuter“ und diejenigen mit gefleckten Blättern als „geflecktes Knabenkraut“. Aber echte Knabenkräuter sind nur die Orchis-Arten wie das Männliche Knabenkraut (Orchis mascula), denn der deutsche und der botanische (griechische) Name deuten auf die Wurzel, die dem männlichen Hoden ähnelt.

Andere Arten haben finger- oder handförmige Wurzeln und werden auch Fingerwurz (Dactylorhiza) genannt wie die Fuchs-Fingerwurz (Dactylorhiza fuchsii). Auch die gefleckten Blätter kommen bei mehreren Arten vor und sind kein sicheres Merkmal zur Bestimmung. Die Bestimmung ist oft auch deswegen schwierig, weil einzelne Arten sehr vielgestaltig sind und zudem gerne Hybriden bilden.

Und seit es DNA-Analysen gibt, haben sich aufgrund neu erkannter Verwandtschafts-Verhältnisse einige Namen und Zuordnungen geändert, wie beim Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata, früher Orchis ustulata). Von solchen Schwierigkeiten abgesehen sind unsere heimischen Orchideen faszinierende Pflanzen und allesamt kleine Kostbarkeiten. Mehr über unsere Orchideen ist im Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO) Bayern oder anderen Landesgruppen zu erfahren. 16. 07. 2020

DSC06637 Neotinea ustulata, Brand-Knabenkraut
Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata)