Garten am Alpenrand – Versunken im Schnee

 

Seit Tage schneit es ununterbrochen, im Garten liegt der Schnee schon fast einen Meter hoch. Bäume und Pflanzen sind unter einer dicken weißen Decke verschwunden, weiße Kugeln und Buckel reihen sich aneinander wie sorgfältig geschnittener Buchs. Der Anblick wird von Tag zu Tag fremder und malerischer.

 

Die Amseln und andere gefiederte Gäste sind froh, dass noch Äpfel und Hagebutten an den Ästen hängen, alles wird sofort angepickt.

 

Ein Maschendrahtzaun bildete gestern noch ein apartes Muster im Schnee, heute ist er nicht mehr zu sehen. Die Moose und Flechten auf dem alten Zwetschgenbaum und die immergrüne Brombeere (Thornless Evergreen) setzen seltene grüne Akzente im Weiß.

 

Ein Wintertraum zum Anschauen – ein Alptraum zum Schneeräumen: Die Apfelbäume habe ich heute zum Teil vom Schnee befreit, damit die Äste nicht unter der Last brechen. Dazu musste ich mich erst einmal durch den Schnee kämpfen: die Trampelpfade für den Hund sind täglich neu zugeschneit und man versinkt bis weit über die Knie. Noch schlimmer ist es vor dem Haus: über Nacht sind die Autos schon wieder unter einer dicken, weißen Decke verschwunden, die Straßen werden immer enger, aber der Winterdienst funktioniert hier hervorragend: ein dickes Lob den Männern, die rundum die Uhr unterwegs sind, um die Straßen zu räumen und einen halbwegs normalen Verkehr zu gewährleisten. Das größere Problem ist es, Hauseingänge und Garagenvorplätze zu räumen, um überhaupt auf die geräumte Straße zu kommen, mehrmals täglich eine zeitraubende und kräftezehrende Arbeit. Aber wohin mit den weißen Massen? 10. 01. 2019

 

 

 

Autor: annamariebirken

Journalistin und Autorin. Bücher: Dackelblick und Ringelschwanz - Erlebnisse mit Hunden, Schlüsselkind - Eine Kindheit in den 50er Jahren

4 Kommentare zu „Garten am Alpenrand – Versunken im Schnee“

  1. Wahnsinn, wie das bei euch aussieht! Ich drücke die Daumen, dass sich die Lage bald etwas entspannt.
    Was stimmt denn nun eigentlich, ist das für Alpenbewohner ein ganz normaler Winter, wie man in manchen Kommentaren im Internet liest oder grenzt das doch schon eher an Ausnahmezustand? LG, Antje

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    1. Die Schneehöhe ist nichts besonderes, wir hatten früher oft mehr Schnee. Ungewöhnlich ist eher, dass so viel Schnee in so kurzer Zeit gefallen ist, so dass man mit dem Räumen kaum nachkommt. Aber auch das gibt es immer wieder mal, auch wenn man durch die häufigeren schneearmen Winter nicht mehr daran gewöhnt ist. Früher gabs meist ab November Schnee, die Schneehöhe hat sich allmählich aufgebaut. Auch die Lawinenlage ist „normal“: als es noch keine Lawinensprengungen gab, waren die Oberstdorfer und Kleinwalsertaler Seitentäler immer wieder tagelang, im Extremfall wochenlang nicht erreichbar. Die Schulkinder wurden zu Verwandten in den Hauptort geschickt und ansonsten war man mit Lebensmittel- und Heizmittel-Vorräten darauf eingerichtet. Und Skitouren hat man in der Regel erst ab Februar/März gemacht, wenn sich die Schneedecke gesetzt hatte, auf keinen Fall bei Neuschnee. Heute sind die Wintersportler viel ungeduldiger, haben weniger Ahnung und vor allem Variantenfahrer denken, dass in Bergbahn- und Pistennähe alles sicher ist und nehmen die Hinweisschilder „alpine Gefahren“ nicht ernst. Klar, ein Restrisiko bleibt in steileren Lagen immer, ob es um Lawinen, Muren oder Steinschlag geht. Übrigens sind die Anforderungen an die Statik beim Hausbau in alpinen Lagen höher als im Flachland. Nur bei sehr nassem, schwerem Schnee kann die Schneelast gefährlich werden, so sollte es jedenfalls sein.

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      1. Das ist richtig interessant mal so einen Einblick zu bekommen in die Lebensweise der Alpenbewohner im Winter. Ich stelle mir das auch mit dem Job schwierig vor, wenn man dann so lange eingeschneit ist. Da ist man ja quasi gezwungen, seinen Urlaub nach dem Wetter auszurichten, wenn man die Arbeitsstelle nicht erreichen kann.
        Passt weiterhin gut auf euch auf und schickt mal die eine oder andere Schneewolke Richtung Dresden. 🙂 LG, Antje

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      2. Heutzutage dauern die Lawinensperren in der Regel nicht lange, weil bei der ersten Wetterbesserung die drohenden Lawinen vom Hubschrauber aus oder mit Sprenganlagen kontrolliert abgesprengt werden. Und die Straßen werden bei uns super gut geräumt, oft besser als im Flachland. Und ich habe, wie viele Leute hier, ein Auto mit Vierrad-Antrieb. Ich musste ja früher auch bei jedem Wetter fahren, heute zum Glück nicht mehr. Im Übrigen geben wir Euch gerne etwas ab vom Schnee!

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