Wandern und Schauen: Orchideen gehen gerne „fremd“

Orchideen auf Schritt und Tritt: der Ausflug mit dem Arbeitskreis Heimische Orchideen, Regionalgruppe Allgäu, hat sich mal wieder gelohnt. Auf gut 1500 Meter Höhe blüht jetzt alles auf einmal: das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), das Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii), die Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chloranta),

Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)
Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) und Wollgras (Eriophorum vaginatum)
Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chloranta)

die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea), die Höswurz (auch Weißzüngel genannt, Pseudorchis albida). Und dazwischen jede Menge Exemplare, die in Farbe und Form abweichen:

Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea)
Höswurz oder Weißzüngel (Pseudorchis albida)
Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) Albino

Unsere heimischen Orchideen sind im Erscheinungsbild sehr variabel und sie gehen gerne fremd: sie halten sich nicht an Artgrenzen, sondern bilden oft Hybride. So haben wir zahlreiche Pflanzen gesehen, die dem Breitblättrigen Knabenkraut ähnlich waren, aber mit kleinerem, lockeren Blütenstand und leicht einseitswendig. Da war offenbar das Lappländische Knabenkraut beteiligt.

Breitblättriges Knabenkraut x Lappländisches Knabenkraut ((Dactylorhiza majalis x Dactylorhiza lapponica)
Kälteliebendes Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii ssp. psychrophila)

Eine kleine und besonders zarte Form des Fuchs-Knabenkrauts ist das Kälteliebende Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii, ssp. psychrophila), das in höheren Lagen vorkommt. Den viel fotografierten Höhepunkt bildete eine sehr seltene Hybride zwischen einem Albino-Fuchs-Knabenkraut und der Höswurz. Auch beide Elternteile waren in der Nähe zu finden.

Fuchs-Knabenkraut x Höswurz (Dactylorhiza fuchsii, Albino x Pseudorchis albida)

Hund Airy erwies sich mal wieder als echter Orchideenhund: er setzte sich zwischen die Orchideen und nicht darauf.

Auch wir Zweibeiner mussten sorgfältig darauf achten, die Bergschuhe nicht auf die kleinen Kostbarkeiten zu setzen und auch die übrige Bergflora nicht zu stören: das Schmalblättrige und das Scheidige Wollgras (Eriophorum angustifolia und E. vaginatum), den punktierten Enzian (Gentiana punctata) oder die Katzenpfötchen (Antennaria dioica). Bitte vormerken: die nächste AHO-Exkursion im Allgäu findet am 05. Juli statt. 23. 06. 2025

Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium)
Punktierter Enzian (Gentiana punctata)
Katzenpfötchen (Antennaria dioica)

Wandern und Schauen: Ein Orchideen-Highlight und mehr

Honigorchis (Herminium monorchis)

Das Herminium, auch Honigorchis (Herminium monorchis) zu finden hat mich besonders gefreut, dank des Tipps eines anderen Orchideen-Freundes. Die kleine Orchidee fällt durch ihre Farbe in der Wiese auf.

Ein weiteres Highlight der letzten Tage war die Alpen-Haarbinse (Trichophorum alpinum).

Alpen-Haarbinse (Trichophorum alpinum)

Auch weitere Orchideen stehen gerade in voller Blüte, das Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii), die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und die Sumpf-Ständelwurz (Epipactis palustris).

Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii)
Bergwiese mit Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und Sumpf-Ständelwurz (Epipactis palustris)

Nicht selten, aber immer wieder hübsch ist die Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi).

Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi)

Der Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata) will auch bald blühen und an einer Steinmauer huscht eine Berg- oder Moor-Eidechse (Lacerta vivipara) vorbei. Der lateinische Name deutet darauf hin, dass sie lebende Junge zur Welt bringt.

Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata)
Berg- oder Moor-Eidechse (Lacerta vivipara)

Kein Blattgrün braucht die Zierliche Sommerwurz (Orobanche gracilis), sie ist ein Wurzelparasit auf Kleearten.

Zierliche Sommerwurz (Orobanche gracilis)

Eindrucksvoll schiebt sich Jahr für Jahr der Japanische Staudenknöterich (Reynoutria japonica) in die Höhe. Ein alter Allgäuer hat mir erzählt, dass man ihn früher rund um Freibäder gepflanzt hat, um die badenden Damen vor neugierigen Blicken zu schützen. Heute ist die Ausbreitungstendenz des ehemaligen Sittenwächters eher unerwünscht.

Japanischer Staudenknöterich (Reynoutria japonica)

Übrigens: die Allgäuer Älpler gehen mit der Zeit: der Weidezaun wird mit Solar-Energie betrieben. 06. 07. 2024

Wandern und Schauen: noch einmal Nagelfluh

 

Ein Steingarten zum Staunen: vom Mittag zur Alpe Oberberg 

Vom Mittag, dem Hausberg von Immenstadt im Allgäu, zum Bärenköpfle ist es ein gemütlicher Spaziergang. Wanderer, die die Nagelfluh-Kette überschreiten wollen, eilen schnell vorbei Richtung Steineberg. Wir sind diesmal nicht weit gekommen, weil es auf den Nagelfluh-Felsen am Wegrand viel zu sehen gibt. Die von der Natur geschaffenen Steingärten sind ein kleines Paradies. Da wächst würziger Thymian neben dem gelben Sonnenröschen (Helianthemum nummularium), dessen Knospen nickend herunterhängen, während sich die geöffneten Blüten der Sonne entgegenstrecken. Neben dem Silbermantel mit seinen silbrig glänzenden Blatträndern (wohl Alchemilla nitida, es gibt mehrere ähnliche Arten) streckt der Berg-Baldrian (Valeriana montana) seine schirmförmigen, zarten Blütenstände empor. Dazwischen kann man die kugelige Teufelskralle entdecken, ein Glockenblumen-Gewächs, während die zierliche Zwerg-Glockenblume (Campanula cochleariifolia) sich direkt an den Felsen klammert.

 

Auch heimische Orchideen sind zu entdecken, vereinzelt das Brandknabenkraut (Orchis ustulata) mit seinem fast schwarzen Köpfchen, das Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) auch in einem fast weißen Exemplar und die grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chloranta), neben der ein lebendgebärendes Alpen-Rispengras zu sehen ist. Anstelle von Samen fallen hier schon fertig ausgebildete kleine Pflanzen auf den Boden, die sofort anwachsen können – eine erstaunliche Anpassung an den kurzen alpinen Sommer.

 

Auf einer extensiv bewirtschafteten Bergweide leuchtet der Goldpippau. Auf den artenreichen Weiden grast das Milchvieh der Sennalpe Oberberg. Kenner schätzen neben dem weiten Panoramablick über Allgäuer Alpen und Illertal den würzigen alten Bergkäse, der hier ein bis zwei Jahre lagern darf, um sein volles Aroma zu entwickeln. Mancher staunt über die braunen Alpschweine im Freigehege, eine Kreuzung zweier alter Haustierrassen. Sie werden mit der Molke gefüttert, die beim Käsen anfällt, und entwickeln ein besonders aromatisches Fleisch.