Wandern und Schauen: Bergfrühling in schönster Pracht

Bergwiese mit Enzian (Gentiana clusii) und Mehlprimeln (Primula farinosa)

Ziemlich durchnässt, aber begeistert sind wir von der Wanderung heimgekommen. An den Nordhängen der Allgäuer Alpen zeigt sich auf etwa 1400 m Höhe der Bergfrühling in voller Pracht. Das leuchtende Blau des Enzians (Gentiana verna und Gentiana clusii) und das zarte Rosa der Mehlprimel (Primula farinosa) begleitet uns fast auf dem gesamten Weg.

Frühlings-Enzian (Gentiana verna)

Die Silberwurz (Dryas octopetala) ist ein Eiszeitrelikt, ihre Blätter finden sich bereits fossil in eiszeitlichen Schichten.

Schnee-Pestwurz (Petasites paradoxus) Fruchtstand
Schnee-Pestwurz (Petasites paradoxus) als Schutt-Festiger

Die Schnee-Pestwurz (Petasites paradoxus) kann sich mit ihren Wurzeln im rutschenden Geröll von Lawinen- und Wasserrinnen halten und wirkt als wichtiger Schuttfestiger.

Fast hätten wir sie übersehen: die Blütenknospe des Frauenschuhs (Cypripedium calceolus) versteckt sich im dichten Grün des Steilhangs. Und dann steht auch noch eine erste, prächtige Blüte dieser größten heimischen Orchidee vor uns.

Frauenschuh (Cypripedium calceolus)

Und das bleibt nicht der einzige Höhepunkt: winzig, aber wunderschön lacht uns der Bewimperte Mannsschild (Androsace chamaejasme) an. Die Blattrosette zeigt, woher der Name kommt.

Bewimperter Mannsschild (Androsace chamaejasme)

Noch winziger und leicht zu übersehen ist ein Steinbrech im feuchten Schutt, ich halte ihn für den Blaugrünen Steinbrech (Saxifraga caesia).

Blaugrüner Steinbrech (Saxifraga caesia)
Alpen-Fettkraut (Pinguicula alpina)

Feucht mag es auch das Alpen-Fettkraut (Pinguicula alpina), eine „fleischfressende“ Pflanze, die ihren Nährstoffbedarf mit kleinen Insekten aufbessert, die an den Blättern kleben bleiben. Leicht zu übersehen sind auch der Alpenlattich (Homogyne alpina) und der Alpenhelm (Bartsia alpina), der mit seinen an der Spitze dunkelvioletten Blüten und Blättern im hohen Grün verschwindet.

Alpenlattich (Homogyne alpina)
Alpenhelm (Bartsia alpina)

Zu meinen Lieblingen gehört das Steinröschen, auch gestreifter Seidelbast genannt (Daphne striata). Vom in der Regel starken Duft ist diesmal nichts zu spüren. Vielleicht ist die Luft zu feucht. Tatsächlich haben wir mit Schauen und Fotografieren so viel Zeit verbracht, dass uns am Schluss noch der Regen einholt. Aber der stört uns nicht mehr. 01. 06. 2022

Steinröschen (Daphne striata)

Wandern und Schauen: Ein Hauch von Rosa

Mehlprimel (Primula farinosa)

Ein Hauch von Rosa liegt über der Streuwiese: die zarten Mehlprimeln (Primula farinosa) gehören zu meinen Frühjahrs-Lieblingen, ebenso wie der zierliche Sumpf-Baldrian (Valeriana dioica), der auch gerade aufblühen will.

Sumpf-Baldrian (Valeriana dioica)
Kriechender Günsel (Ajuga reptans)

Die Kälte der letzten Wochen hat die Entwicklung in Natur und Garten verzögert, aber der Regen hat genügend Feuchtigkeit gespendet und ein paar Sonnenstunden bringen alles gleichzeitig zum Blühen, kriechenden Günsel (Ajuga reptans) und Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Alpen-Gänsekresse (Arabis alpina) und Bachnelkenwurz (Geum rivale).

Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis)
Alpen-Gänsekresse (Arabis alpina)
Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) mit Hummel

Und die Frühlingsblüher, die mit der Sonne wetteifern und die Wiesen gelb färben: der scharfe Hahnenfuß (Ranunculus acer), der niedrige Berg-Hahnenfuß (Ranunculus montanus), der Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis), der gerade erst anfängt zu blühen, aber am Nachmittag schon wieder geschlossen ist und der Löwenzahn (Taraxacum officinale), der sich bei Kälte und Regen nur zögernd öffnet.

Hahnenfuß-Wiese
Berg-Hahnenfuß (Ranunculus montanus)
Hahnenfuß-Wiese

Es ist schon ein verrücktes Wetter: Anfang Februar und im März war es wärmer als jetzt zu Pfingsten. Hund Airy ist das egal. Für ihn ist nur wichtig, dass er mit Frauchen draußen sein kann. 24. 05. 2021

Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis)
Hund Airy (Amerikanischer Zwerg-Schnauzer) vor Löwenzahnwiese und Allgäuer Bergpanorama

Wandern und Schauen: Bergfrühlings-Blau

Mal schauen, ob sich schon etwas zeigt: unsere Erwartungen waren nicht hoch und wurden weit übertroffen: in den Allgäuer Bergtälern, wo sonst Ende April oft noch Schnee liegt, zeigt sich der Bergfrühling heuer schon in schönster Pracht. Jedes Jahr von Neuem bezaubern die wunderbaren Blautöne von Frühlingsenzian (Gentiana verna) und Clusius-Enzian (Gentiana Clusii).

Dazu harmonieren die zarten Rosa-Töne der Mehlprimel (Primula farinosa). Dazwischen leuchten in kräftigem Gelb Berghahnenfuß (Ranunculus montanus) und Echte Primel (Primula veris), die sich durch das kräftige Gelb von der verbreiteten blassgelben Schlüsselblume (Primula eliator) unterscheidet.

Man muss freilich genau hinschauen, denn die Blüten sind oft noch winzig im graubraunen alten Gras der extensiven Weideflächen. Aber einmal entdeckt erschließen sich dem Auge zahllose Farbtupfer: das Wunder des Frühlings. 26. 04. 2020

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