Kohlröschen x Alpen-Händelwurz (Nigritella rhellicani x Gymnadenia alpina)
Sie leuchtet von weitem, die prachtvolle Hybride von Kohlröschen x Alpen-Händelwurz (Nigritella rhellicani x Gymnadenia alpina) und auch beide Elternteile stehen in der Nähe.
Einen weiteren Höhepunkt der Wanderung mit dem Arbeitskreis Orchideen, Regionalgruppe Allgäu, bildete die seltene Zwerg-Orchis (Chamorchis alpina).
Zwerg-Orchis (Chamorchis alpina)
Die Wanderung führte uns hoch über dem Tiroler Lechtal mitten hinein in wunderbare, artenreiche Bergwiesen. Alpen-Aster (Aster alpinus), Glockenblumen (Campanula scheuchzeri +C. cochleariifolia) und Mondraute (Botrychium lunaria) säumen den Aufstieg auf über 2000 m Höhe.
Der Fruchtstand zeigt, woher das Brillenschötchen (Biscutella laevigata) seinen Namen hat und die Schwarzrandige Schafgarbe (Achillea atrata) erkennt man beim Hinschauen. Wieviel entgeht doch den Wanderern, die nur das Gipfelkreuz oder die nächste Hütte zum Ziel haben! 04. 08. 2025
In den letzten Tagen herrschte endlich ideales Wanderwetter: nicht zu heiß, nicht mehr so gewittrig schwül wie zuvor und weniger Regentage. Je nach Höhenlage blüht es noch wunderbar.
Die Fotos sprechen für sich: ein paar botanische Fundstücke aus dem Allgäu zwischen Schwarzem Grat und Imberger Horn. 26. 07. 2024
Und eine Kugelorchis (Traunsteinera globosa) neben der anderen! Wir befinden uns im Tannheimer Tal in Tirol auf etwa 1700 m Höhe auf einem vielbegangenen Wanderweg, aber obwohl sogar Schilder auf die artenreiche Flora hinweisen, schaut kaum jemand hin. Die sonstige „Möblierung“ des Weges mit Herz und Kleeblatt ist viel interessanter.
Dabei gibt es neben den Bergorchideen noch jede Menge spannender Pflanzen zu entdecken, das Zottige Habichtskraut (Hieracium villosum), die Perücken-Flockenblume (Centaurea pseudophrygia) oder das kopfige Läusekraut (Pedicularis rostratocapitata).
Eine Sommerwurz gibt mir Rätsel auf: sie sieht aus wie die Zierliche Sommerwurz (Orobanche gracilis), die hier verbreitet auf Klee wächst, steht aber auf Labkraut. Eine Labkraut-Sommerwurz sieht aber anders aus. Offenbar versteckt sich hier die echte Wirtspflanze unter dem Labkraut.
Auch ein Weidenröschen fällt mir auf: Das Quirlblättrige Weidenröschen (Epilobium alpestre) ist ein echter Bergbewohner. Auch Hund Airy ist natürlich dabei und sehr brav und geduldig, wenn Frauchen fotografiert. 11. 07. 2023
Berg-Baldrian (Valeriana montana) mit Kleinem Fuchs
Der Bergbaldrian (Valeriana montana) ist offenbar beim Kleinen Fuchs ganz besonders beliebt. Auch den Schwalbenschwanz haben wir bei einem Ausflug ins Tannheimer Tal (Tirol) gesehen, aber er war zu schnell für die Kamera.
Strahlensame (Silene pusilla)
Direkt aus dem Felsspalt streckt der Strahlensame (Silene pusilla) seine zarten Blüten, und der Alpen-Hahnenfuß (Ranunculus alpestris) hängt kopfüber aus der Wand.
Scheuchzers Glockenblume (Campanula Scheuchzeri) gehört zu meinen Lieblingen mit ihren großen, leuchtend blauvioletten Blüten. Nach dem Überfluss des Sommers freue ich mich über die letzten unvermuteten Farbtupfer auf gut 2000 Meter Höhe im Tiroler Inntal. Spannend finde ich vor allem Arten, die in den heimischen Allgäuer Bergen gar nicht oder sehr selten vorkommen, wie das Weißliche Habichtskraut oder Endivien-Habichtskraut (Schlagintweitia = Hieracium intybaceum), das auf Silikat wächst.
Immer wieder hübsch ist die kleine Alpen-Margerite mit dem lustigen lateinischen Namen Leucantemopsis alpina – ich muss unwillkürlich an einen alpinen Mops denken, auch wenn der Name damit natürlich nichts zu tun hat. Aber wir Hunde-Besitzer … Zwergschnauzer Airy war natürlich auch dabei.
Airy, Amerikanischer Zwerg-Schnauzer
Bei dem gelben Korbblütler dachte ich zunächst an den Rauen Löwenzahn (Leontodon hispidus), aber der liebt Kalkboden und damit stimmt der Standort nicht. Kann es das Schweizer Milchkraut (Leontodon helveticus) sein? Ein echter Herbstblüher und offenbar überall zuhause ist die Besenheide, Calluna vulgaris.
Das Barbarakraut (Barbarea vulgaris) kenne ich aus dem Küchengarten. Ist es mit dem Wegebau in die Höhe gekommen? Oder liege ich mit der Bestimmung ganz falsch? Immer wieder faszinierend finde ich es, wenn sich Pflanzen aus den kleinsten Felsritzen zwängen. Und die Landkartenflechte hat auch ihren Reiz. 16. 09. 2022
Es war ein wunderbarer Tag auf einem Flysch-Berg, also mit anderer Flora als auf den meisten Kalk-Bergen. Der prächtige Purpur-Enzian (Gentiana purpurea) ist gerade am Aufblühen. Er ist nicht zu übersehen, während der winzige Schnee-Enzian (Gentiana nivalis) von den Wanderern kaum beachtet wird.
Das ebenfalls winzige Einblatt (Malaxis monophyllos), eine der heimischen Orchideen, finde ich meistens, wenn ich nicht danach suche. Auf etwa 1800 Meter Höhe blühen noch prächtige Türkenbund-Lilien (Lilium martagon), im Tal sind sie schon verblüht.
In voller Blüte steht auch das Einköpfige Ferkelkraut, einige Wiesen sind voll davon.
Bergwiese mit Einköpfigem Ferkelkraut (Hypochaeris uniflora)
Die Meisterwurz, (Peucedanum ostruthium) ist nicht nur ein altbekanntes Heilkraut der Älpler, auch der Schnaps schmeckt sehr „gesund“, wird also nur von Kennern geschätzt. Die Blüten sind von Insekten umschwärmt. 12. 07. 2022
Auf den Rüfikopf im Tiroler Lechtal geht es am Freitag, 8. Juli 2022 mit dem Arbeitskreis Heimische Orchideen, Regionalgruppe Allgäu. Hybriden, also Kreuzungen zwischen zwei Arten sind ein besonderes Schmankerl für Orchideen-Freunde. Mit etwas Glück finden wir die besonders hübschen Hybriden zwischen Kohlröschen und Gymnadenia. Sicher gibt es zahlreiche Bergorchideen wie die Grüne Hohlzunge zu sehen. Und wir freuen uns auf eine artenreiche weitere Bergflora, zum Beispiel den Punktierten Enzian und die Alpen-Anemone.
Foto Manfred Sailer
Von Lech geht es mit der Bergbahn auf den Rüfikopf und mit kurzem Abstieg auf dem Geopfad zum Monzabonsee. Der weitere Abstieg führt über den Friedrich-Mayer-Weg nach Oberstubenbach. Wem 950 Höhenmeter Abstieg zu viel sind, kann vom Monzabonsee zur Bergbahn zurückwandern. Bitte Brotzeit und Getränke mitnehmen und auf entsprechende Bergwander-Ausrüstung und Kondition für eine Tagestour achten. Nicht-Mitglieder sind stets willkommen. Das Mitwandern ist kostenfrei, Kosten für die Bergbahn sind selbst zu tragen. Treffpunkt: 8.30 Uhr, Parkhaus in Lech bei der Kirche.
Kaum taut der Schnee, öffnen die Soldanellen oder Alpenglöckchen (Soldanella alpina) ihre Blütenköpfe. Die Hummel scheint viel zu schwer für die zarten Glöckchen, aber sie halten der Last stand. Zur Freude von Hund Airy gibt es heuer auf 2000 m Höhe in den Allgäuer Bergen noch etliche Schneefelder in nordseitigen Rinnen und sogar noch in Mulden auf der Südseite, genug zum Toben, Springen und Wälzen für den begeisterten Hund.
Dafür hält er brav still, wenn Frauchen fotografiert: Frühlingsenzian (Gentiana verna), Clusius‘ Enzian (Gentiana clusii) und letzte narzissenblütige Anemonen (Anemone narcissiflora) sind noch Frühlingsboten, während Fruchtstände der Weißen Alpen-Anemone (Pulsatilla alpina) schon den Sommer anzeigen.
Im Allgäu sagt man „Bergmännle“ zu den lustigen Schöpfen, während die mehrblütige Anemone „Berghähnle“ genannt wird. „Bergweible“ gibt es auch, aber die haben wir noch nicht gesehen, es sind die Fruchtstände der Silberwurz.
Bewimperter Mannsschild (Androsace chamaejasme) und Geschnäbeltes Läusekraut (Pedicularis rostrato-capitata)Geschnäbeltes Läusekraut (Pedicularis rotrato-capitata) und Alpen-Aster (Aster alpinus)
Leuchtend violette Farbtupfer setzt das Geschnäbelte Läusekraut (Pedicularis rostrato-capitata) neben dem zierlichen bewimperten Mannsschild (Androsace chamaejasme) und der Alpen-Aster (Aster alpinus). Auch die bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum) blüht noch, in Oberbayern als „Almrausch“ bekannt.
Meine besondere Liebe gilt den heimischen Orchideen. Auf der Höhe blühen jetzt die prächtige Kugelorchis (Traunsteinera globosa). Um Weißzüngel (Pseudorchis albida, Syn. Leucorchis a.) und grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride) zu entdecken, muss man genau hinschauen.
Unübersehbar sind dagegen die fast schwarzen Punkte des schwarzen Kohlröschens (Nigritella rhellicani). In der Schweiz nennt man sie Männertreu und „Schokoladenblümli“, wer daran riecht, weiß warum. 24. 07. 2021
Die eine ist zart, weiß und bezaubert durch ihre Anmut, die andere groß, prächtig und purpurfarbig und beide sind Liliengewächse: die ästige Graslilie (Anthericum ramosum) und die Türkenbund-Lilie (Lilium martagon) habe ich in den Allgäuer Bergen auf etwa 1300 m Höhe entdeckt.
Ästige Graslilie (Anthericum ramosum)
Türkenbund-Lilie (Lilium martagon)
Das rote Waldvögelein möchte mir entgegenflattern, so scheint es.
Rotes Waldvögelein (Cephalanthera rubra)
Aber die aparte Orchidee (Cephalanthera rubra) steht fest auf einer Hangwiese inmitten leuchtend gelber Rindsaugen (Buphthalmum salicifolium), ein merkwürdiger Name für die strahlenden Blüten. In ihrer Gesellschaft fühlt sich auch die Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens) wohl, ebenfalls eine heimische Orchidee. 24. 07. 2020
Rotes Waldvögelein (Cephalanthera rubra) und weidenblättriges Rindsauge (Buphthalmum salicifolium)
Kürzlich bei einer Bergwanderung im Allgäu fiel mir eine prächtige Kugelorchis (Traunsteinera globosa) ins Auge. Noch mehr gefreut habe ich mich über eine Entdeckung gleich daneben: winzig und unscheinbar stand da das Einblatt (Malaxis monophyllos).
Einblatt (Malaxis monophyllos)
Auch diese oft übersehene Winzigkeit ist eine heimische Orchidee – ein Anlass, einige Vertreter dieser Pflanzenfamilie vorzustellen: Spannend finde ich Sexual-Täuschblumen wie die Fliegen-Ragwurz, die Aussehen und Duft (!) eines Insekten-Weibchens nachahmen.
Fliegen-Ragwurz (Ophris insectifera)
Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera)
Männchen, die sich mit dem vermeintlichen Weibchen paaren wollen, bestäuben stattdessen die Orchidee. Recht häufig, aber im Grün der Wiese unauffällig ist das Große Zweiblatt (Listera ovata) mit seinen grünlichen Blüten. Zur Bestimmung hilfreich sind hier wie so oft die namensgebenden Blätter.
Großes Zweiblatt (Listera ovata)
Großes Zweiblatt (Listera ovata)
Allerdings sind die deutschen Namen ungenau: Früher bezeichnete man die kleinen Orchideen alle als „Knabenkräuter“ und diejenigen mit gefleckten Blättern als „geflecktes Knabenkraut“. Aber echte Knabenkräuter sind nur die Orchis-Arten wie das Männliche Knabenkraut (Orchis mascula), denn der deutsche und der botanische (griechische) Name deuten auf die Wurzel, die dem männlichen Hoden ähnelt.
Männliches Knabenkraut (Orchis mascula)
Fuchs-Fingerwurz (Dactylorhiza fuchsii)
Andere Arten haben finger- oder handförmige Wurzeln und werden auch Fingerwurz (Dactylorhiza) genannt wie die Fuchs-Fingerwurz (Dactylorhiza fuchsii). Auch die gefleckten Blätter kommen bei mehreren Arten vor und sind kein sicheres Merkmal zur Bestimmung. Die Bestimmung ist oft auch deswegen schwierig, weil einzelne Arten sehr vielgestaltig sind und zudem gerne Hybriden bilden.
Grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride)
Dichtblütige Händelwurz (Gymnadenia densiflora)
Und seit es DNA-Analysen gibt, haben sich aufgrund neu erkannter Verwandtschafts-Verhältnisse einige Namen und Zuordnungen geändert, wie beim Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata, früher Orchis ustulata). Von solchen Schwierigkeiten abgesehen sind unsere heimischen Orchideen faszinierende Pflanzen und allesamt kleine Kostbarkeiten. Mehr über unsere Orchideen ist im Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO) Bayern oder anderen Landesgruppen zu erfahren. 16. 07. 2020