Wandern und Schauen: Moor and more

Sumpfblutauge (Comarum palustris)

Das Sumpfblutauge (Comarum palustre, früher Potentilla palustris) ist Blume des Jahres 2025. Gesehen haben wir die Blüte auf einer Exkursion mit dem Landschaftspflegeverband Oberallgäu in einem Moor – im Allgäu sagt man „Moos“ – im Bergstättgebiet bei Immenstadt.

Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos cuculi)
Bach-Nelkenwurz (Geum rivale)

Im renaturierten Moos und den begleitenden Streuwiesen erwartet uns jetzt eine Blütenfülle mit Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi), Bachnelkenwurz (Geum rivale), Bach-Kratzdistel (Cirsium rivulare) und Schmalblättrigem Wollgras (Eriophorum angustifolium).

Bach-Kratzdistel (Cirsium rivulare)
Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustofolium)

In kräftigem Purpur leuchten Orchideen wie das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), dazwischen auch kleinere Pflanzen mit weniger Blüten im oft einseitswendigen Blütenstand, wohl das Lappländische Knabenkraut (Dactylorhiza lapponica) oder eine Hybride.

Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)
wohl Lappländisches Knabenkraut (Dactylorhiza lapponica)

Durch die Entbuschung und Wiedervernässung werden zahlreiche Arten und die darauf angewiesenen Insekten gefördert. So brauchen die Raupen des Randring-Perlmuttfalters den Schlangenknöterich (Bistorta officinalis, auch Polygonum bistorta) und die Raupen des Baldrian-Scheckenfalters lieben den Sumpf-Baldrian (Valeriana dioica).

Schlangenknöterich (Bistorta officinalis)
Sumpf-Baldrian (Valeriana dioica)

In den Hochmoor-Bereichen finden sich Bulte mit Seggen (Carex sp.), Moosbeere (Vaccinium oxycoccos) und Torfmoosen (Sphagnum sp.), die enorme Mengen an Wasser speichern können.

Deshalb sind intakte Moore so wichtig als Wasser- und CO2-Speicher und die Arbeit des Landschaftspflegeverbands und der beteiligten Landwirte zur Renaturierung der wenigen noch erhaltenen Moore ist nicht hoch genug einzuschätzen. 02. 06. 2025

Kugelige Teufelskralle (Phyteuma orbiculare)

Wandern und Schauen: Ein Orchideen-Highlight und mehr

Honigorchis (Herminium monorchis)

Das Herminium, auch Honigorchis (Herminium monorchis) zu finden hat mich besonders gefreut, dank des Tipps eines anderen Orchideen-Freundes. Die kleine Orchidee fällt durch ihre Farbe in der Wiese auf.

Ein weiteres Highlight der letzten Tage war die Alpen-Haarbinse (Trichophorum alpinum).

Alpen-Haarbinse (Trichophorum alpinum)

Auch weitere Orchideen stehen gerade in voller Blüte, das Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii), die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und die Sumpf-Ständelwurz (Epipactis palustris).

Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii)
Bergwiese mit Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und Sumpf-Ständelwurz (Epipactis palustris)

Nicht selten, aber immer wieder hübsch ist die Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi).

Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi)

Der Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata) will auch bald blühen und an einer Steinmauer huscht eine Berg- oder Moor-Eidechse (Lacerta vivipara) vorbei. Der lateinische Name deutet darauf hin, dass sie lebende Junge zur Welt bringt.

Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata)
Berg- oder Moor-Eidechse (Lacerta vivipara)

Kein Blattgrün braucht die Zierliche Sommerwurz (Orobanche gracilis), sie ist ein Wurzelparasit auf Kleearten.

Zierliche Sommerwurz (Orobanche gracilis)

Eindrucksvoll schiebt sich Jahr für Jahr der Japanische Staudenknöterich (Reynoutria japonica) in die Höhe. Ein alter Allgäuer hat mir erzählt, dass man ihn früher rund um Freibäder gepflanzt hat, um die badenden Damen vor neugierigen Blicken zu schützen. Heute ist die Ausbreitungstendenz des ehemaligen Sittenwächters eher unerwünscht.

Japanischer Staudenknöterich (Reynoutria japonica)

Übrigens: die Allgäuer Älpler gehen mit der Zeit: der Weidezaun wird mit Solar-Energie betrieben. 06. 07. 2024

Wandern und Schauen: Gelbe Wiesen

Löwenzahn (Taraxacum sp.)

In höheren Lagen des Allgäus blüht noch der Löwenzahn, oft aber schon ziemlich zerrupft (Taraxacum sp., laut Flora Germanica gibt es so viele Sectionen, Arten und Kleinarten, dass ich keine genaue Bestimmung mehr wage). Der ständige Regen mit nur wenigen Sonnenstunden hat auch den Pusteblumen zugesetzt, nur gelegentlich stehen noch Prachtexemplare.

Üppige Löwenzahnwiesen sind zwar ein Zeichen für intensive Bewirtschaftung, aber schön sind sie doch. Und die Landwirte brauchen das Viehfutter und wir freuen uns über den würzigen Löwenzahn-Honig.

Heuer ist es allerdings oft schwierig zu mähen, weil nach dem ständigen Regen die Wiesen zu nass zum Befahren und zum Teil auch niedergeschlagen sind.

Überschwemmte Wiese mit Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis)

Vom Regen niedergedrückte Wiese

Zum Glück gibt es hier am Alpenrand auch zahlreiche extensiv genutzte Wiesen, Weiden und Streuwiesen mit großer Artenvielfalt wie den rosaroten Tupfen der Roten Lichtnelke (Silene dioica) und der Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi) -mehr im nächsten Beitrag.

Löwenzahn (Taraxacum sp.) und Rote Lichtnelke (Silene dioica)

Hahnenfuß-Wiese

Inzwischen wird das Gelb des Löwenzahns vom Gelb der Hahnenfuß-Wiesen abgelöst. An feuchten Stellen findet sich auch ein weißer Hahnenfuß, hier der Eisenhutblättrige H. (Ranunculus aconitifolius).

Eisenhutblättriger Hahnenfuß (Ranunculus aconitifolius)

Vorherrschend ist der Scharfe Hahnenfuß (Ranunculus acris), aber in einer Wiese sind mir intensiv leuchtende Flecken mit einem nur halb so hohen Hahnenfuß aufgefallen. Alle Merkmale wie gefurchter Stängel, grundständige Blätter mit gestielten Abschnitten weisen auf den Kriechenden Hahnenfuß (Ranunculus repens), den ich sonst allerdings größer und kräftiger kenne.

Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens)

Offenbar bedingt der eher magere, feuchte Untergrund den kleinen Wuchs. Stattlich ist dagegen der Wollige Hahnenfuß am Waldrand – ohne Foto, es regnete mal wieder. 24. 05. 2023

Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi)

Wandern und Schauen: Mehr von Allgäuer Wiesen

Auf einer feuchten Wiese habe ich üppige Exemplare von Fuchs‘ Knabenkräutern (Dactylorhiza fuchsii) entdeckt, einige auch ganz in Weiß. Die dunklere und meist kräftigere Breitblättrige Fingerwurz (Dactylorhiza majalis) ist grossteils schon verblüht.

Feucht-Wiese mit Orchideen und Kuckucks-Lichtnelke

Dazwischen leuchten Kuckucks-Lichtnelken (Silene flos-cuculi), an anderen Stellen herrschen Wiesen-Flockenblumen (Centaurea jacea) vor. Auch das Mädesüß (Filipendula ulmaria) steht in voller Blüte, daneben die Kohldistel (Cirsium oleraceum).

Wiesen-Flockenblumen (Centaurea jacea)
Mädesüß (Filipendula ulmaria)
Kohldistel (Cirsium oleraceum)

Ein zartes Gras zaubert eine Purpur-Wolke über eine Wiese, ich vermute, dass es sich um ein Hain-Rispengras (Poa nemoralis) handelt, aber mit Gräsern kenne ich mich nicht so gut aus.

Gleich daneben lässt ein verblühtes Gras eine Streuwiese goldgelb erscheinen. Die Streuwiesen grenzen oft unmittelbar an fettere, mehrfach gemähte Wiesen und machen den Unterschied deutlich: neben wuchskräftigen Gräsern Weiß- und Rotklee (Trifolium repens, T. pratense, dazwischen Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) und am Wegrand Brunelle (Prunella vulgaris). 14. 07. 2021

Weiß- und Rotklee (Trifolium repens, T. pratense)
Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
Brunelle (Prunella vulgaris)

Wandern und Schauen: Frühlingswiesen

In den Allgäuer Bergtälern freut sich das Jungvieh über das frische Grün. Die fetten Löwenzahn-Wiesen sind schon gemäht, aber der Hahnenfuß leuchtet noch gelb. In kräftigem Gelb strahlt auch das Gänse-Fingerkraut (Potentilla anserina) am Wegrand, eine alte Heilpflanze.

In der Feuchtwiese prangen Trollblumen (Trollius europaeus) und breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis).

Gleich daneben lassen sich Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi) und akeleiblättrige Wiesenraute (Thalictrum aquilegifolium) mit ihren zarten Blüten entdecken.

Hund Airy interessiert sich nicht für die Botanik und findet die Schumpen, wie das Jungvieh im Allgäu heißt, viel spannender. Wie schade, dass er sie nicht verbellen darf. 25. 05. 2020

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