Eine im bayerischen Alpenraum seltene Schönheit blüht gerade: die Stein-Nelke (Dianthus sylvestris). Ebenfalls selten, aber weniger auffällig und von den meisten Wanderern übersehen, ist das Hahnenfußblättrige Hasenohr (Bupleurum ranunculoides).
Unauffällig und auch nicht häufig wächst die Zwergmispel (Cotoneaster integerrimus) gern auf Felsgraten. Bei einer Exkursion mit dem Arbeitskreis Heimische Orchideen, Regionalgruppe Allgäu, ging es nicht nur um Orchideen. Die Nagelfluhkette im gleichnamigen Naturpark ist bekannt für ihren Artenreichtum.
Prächtig stehen da Allermannsharnisch (Allium victorialis) und Türkenbundlilie (Lilium martagon). Und immer wieder hübsch die blauen und weißen Farbtupfer von Kleiner Glockenblume (Campanula cochleariifolia) und Kriechendem Gipskraut (Gypsophila repens). 17. 07. 2023
Kleine Glockenblume (Campanula cochleariifolia), Kriechendes Gipskraut (Gypsophila repens)
Und eine Kugelorchis (Traunsteinera globosa) neben der anderen! Wir befinden uns im Tannheimer Tal in Tirol auf etwa 1700 m Höhe auf einem vielbegangenen Wanderweg, aber obwohl sogar Schilder auf die artenreiche Flora hinweisen, schaut kaum jemand hin. Die sonstige „Möblierung“ des Weges mit Herz und Kleeblatt ist viel interessanter.
Dabei gibt es neben den Bergorchideen noch jede Menge spannender Pflanzen zu entdecken, das Zottige Habichtskraut (Hieracium villosum), die Perücken-Flockenblume (Centaurea pseudophrygia) oder das kopfige Läusekraut (Pedicularis rostratocapitata).
Eine Sommerwurz gibt mir Rätsel auf: sie sieht aus wie die Zierliche Sommerwurz (Orobanche gracilis), die hier verbreitet auf Klee wächst, steht aber auf Labkraut. Eine Labkraut-Sommerwurz sieht aber anders aus. Offenbar versteckt sich hier die echte Wirtspflanze unter dem Labkraut.
Auch ein Weidenröschen fällt mir auf: Das Quirlblättrige Weidenröschen (Epilobium alpestre) ist ein echter Bergbewohner. Auch Hund Airy ist natürlich dabei und sehr brav und geduldig, wenn Frauchen fotografiert. 11. 07. 2023
Die auffällige Raupe mit den großen Augenflecken haben wir schon öfter im Garten gefunden, den Falter bisher noch nie. Kein Wunder, der Mittlere Weinschwärmer (Deilephila elpenor) ist dämmerungs- und nachtaktiv. Jetzt hat er sich erstaunlicherweise schon am hellen Nachmittag blicken lassen und ich habe mich über den wunderschönen, weinrot gefärbten Schwärmer gefreut. Die bevorzugten Futterpflanzen der Raupe sind Weidenröschen und davon gibt es einige in meinem Garten. 03. 07. 2023
Berg-Baldrian (Valeriana montana) mit Kleinem Fuchs
Der Bergbaldrian (Valeriana montana) ist offenbar beim Kleinen Fuchs ganz besonders beliebt. Auch den Schwalbenschwanz haben wir bei einem Ausflug ins Tannheimer Tal (Tirol) gesehen, aber er war zu schnell für die Kamera.
Strahlensame (Silene pusilla)
Direkt aus dem Felsspalt streckt der Strahlensame (Silene pusilla) seine zarten Blüten, und der Alpen-Hahnenfuß (Ranunculus alpestris) hängt kopfüber aus der Wand.
Kaum schmilzt der Schnee, drängen Frühlingskrokus (Gentiana verna) und Soldanellen ans Licht.
Frühlings-Krokus (Crocus vernus = albiflorus)
Und wenige Meter weiter blüht die erste Alpenrose (Rhododendron ferrugineum). Das Spannende an der alpinen Flora ist, dass wir mit wenigen Schritten vom Vorfrühling in Richtung Sommer wandern können, je nach Höhenlage und Sonnen-Exposition, Geländeform und Untergrund.
Rostrote Alpenrose (Rhododendron ferrugineum)
Im Allgäu bewegen wir uns vorwiegend im Kalkgebiet, aber Flyschberge wie das Fellhorn zeigen uns kalkmeidende Pflanzen wie die Rostrote Alpenrose (Rhododendron ferrugineum) mit ihren rostfarbenen Blattunterseiten oder den Stängellosen Enzian (Gentiana acaulis = kochiana), der sich durch die olivgrünen Flecken im Kelch vom kalkliebenden Clusius-Enzian unterscheidet.
Stengelloser Enzian (Gentiana acaulis = kochiana)
Ein paar Eindrücke in der Bildergalerie. Auch Hund Airy hat den Ausflug genossen: er liebt die letzten Schneefelder. 25. 06. 2023
Botanische AHO-Wanderung 15. 07. 2023 am Hochgrat, Nagelfluhkette:
Die Vielfalt des Nagelfluh-Gesteins, das zu verschiedenartigen Böden verwittert, führt zu einem besonderen Artenreichtum in der Flora. Blumenreiche Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen oder Schneetälchen und Felsspalten bieten ökologische Nischen für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten wie den Apollofalter oder das Kohlröschen (Nigritella rhellicani). Die botanische Exkursion mit dem Arbeitskreis Heimische Orchideen, Regionalgruppe Allgäu führt auf den Hochgrat mitten im deutsch-österreichischen Naturpark Nagelfluhkette in einen botanischen Garten erster Güte. Neben Bergorchideen wie Kugelorchis (Traunsteinera globosa) und Weißzüngel (Pseudorchis albida) finden sich auch das seltene Hahnenfuß-Hasenohr (Bupleurum ranunculoides) und der Österreichische Rippensame (Pleurospermum austriacum). Die grandiose Fernsicht reicht vom Schweizer Säntis weit über die Vorarlberger und Allgäuer Berge. Die Exkursion ist kostenfrei, Bergbahnkosten (Berg- und Talfahrt) sind selbst zu tragen. Bergwanderung mit entsprechender Ausrüstung, Trittsicherheit erforderlich. Nichtmitglieder sind stets willkommen. Bitte anmelden, damit wir Euch über evtl. Änderungen informieren können. Gemeinsame Einkehr zum Abschluss. Bei schlechter Witterung entfällt die Exkursion ersatzlos. Treffpunkt 10 Uhr Parkplatz Hochgratbahn bei Oberstaufen.
Es blüht gerade ganz wunderbar: Das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) war ein Ziel der letzten Exkursion mit dem Arbeitskreis Heimische Orchideen, Regionalgruppe Allgäu.
Und es gab noch viel mehr zu sehen: Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), Fliegenragwurz (Ophris insectifera) – eine erstaunliche Pflanze, die sogar den Sexualduft des Bestäuber-Insekts nachahmt -, Großes Zweiblatt (Neottia = Listera ovata), Schwertblättriges Waldvögelein (Cephalanthera longifolia) und Nestwurz (Neottia nidus-avis), eine Waldorchidee ohne Blattgrün, die sich mithilfe von Pilzen von Baumwurzeln ernährt.
Ohne Blattgrün kommt auch die Sommerwurz (Orobanche sp.) aus, die allerdings keine Orchidee ist und je nach Art auf verschiedenen Pflanzen schmarotzt. Die Sommerwurz hat noch nicht geblüht, stand aber jeweils bei Klee-Arten, deshalb vermute ich die Zierliche S. (O. gracilis). Mehr „Nicht-Orchideen“ auf den Fotos. 29. 05, 2023
In höheren Lagen des Allgäus blüht noch der Löwenzahn, oft aber schon ziemlich zerrupft (Taraxacum sp., laut Flora Germanica gibt es so viele Sectionen, Arten und Kleinarten, dass ich keine genaue Bestimmung mehr wage). Der ständige Regen mit nur wenigen Sonnenstunden hat auch den Pusteblumen zugesetzt, nur gelegentlich stehen noch Prachtexemplare.
Üppige Löwenzahnwiesen sind zwar ein Zeichen für intensive Bewirtschaftung, aber schön sind sie doch. Und die Landwirte brauchen das Viehfutter und wir freuen uns über den würzigen Löwenzahn-Honig.
Heuer ist es allerdings oft schwierig zu mähen, weil nach dem ständigen Regen die Wiesen zu nass zum Befahren und zum Teil auch niedergeschlagen sind.
Überschwemmte Wiese mit Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis)Vom Regen niedergedrückte Wiese
Zum Glück gibt es hier am Alpenrand auch zahlreiche extensiv genutzte Wiesen, Weiden und Streuwiesen mit großer Artenvielfalt wie den rosaroten Tupfen der Roten Lichtnelke (Silene dioica) und der Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi) -mehr im nächsten Beitrag.
Löwenzahn (Taraxacum sp.) und Rote Lichtnelke (Silene dioica)Hahnenfuß-Wiese
Inzwischen wird das Gelb des Löwenzahns vom Gelb der Hahnenfuß-Wiesen abgelöst. An feuchten Stellen findet sich auch ein weißer Hahnenfuß, hier der Eisenhutblättrige H. (Ranunculus aconitifolius).
Vorherrschend ist der Scharfe Hahnenfuß (Ranunculus acris), aber in einer Wiese sind mir intensiv leuchtende Flecken mit einem nur halb so hohen Hahnenfuß aufgefallen. Alle Merkmale wie gefurchter Stängel, grundständige Blätter mit gestielten Abschnitten weisen auf den Kriechenden Hahnenfuß (Ranunculus repens), den ich sonst allerdings größer und kräftiger kenne.
Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens)
Offenbar bedingt der eher magere, feuchte Untergrund den kleinen Wuchs. Stattlich ist dagegen der Wollige Hahnenfuß am Waldrand – ohne Foto, es regnete mal wieder. 24. 05. 2023