Garten am Alpenrand: Fliederduft in der Luft

 

Der ganze Garten duftet nach Flieder. So oft ich an den violetten Blütendolden vorbei komme, nehme ich eine Nase voll. Gegen Abend ist das Aroma besonders intensiv. Auch die Spiere blüht heuer besonders üppig. Und die Quitte hat sich – wie schon zuvor die Apfelbäume – überreich mit Blüten geschmückt, als wollten die Bäume uns für den frostbedingten Ausfall im vergangenen Jahr entschädigen. Die Apfelbäume haben bereits zahlreiche Äpfelchen angesetzt. Ein Stockwerk tiefer tanzt die Akelei im Wind. Sie verträgt sich farblich wunderbar mit dem tränenden Herz. Ein Stockwerk tiefer stehen die blauen Kerzen des Günsels (Ajuga reptans). Auch die Bergflockenblume hat ihre filigranen blauen Blüten geöffnet und erinnert an die zur Kinderzeit noch häufige Kornblume.

 

Hellblaue Seen im Garten bildet der Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), der vielen als Unkraut gilt, weil er unkontrolliert überall wuchert. Ich dämme ihn nur etwas ein, lasse ihn aber wie den Günsel als Bodendecker gewähren. Zum Ausrotten ist er viel zu hübsch. Auch vom kriechenden Hahnenfuß (Ranunculus repens) lasse ich einige Pflanzen stehen und freue mich über das kräftige Gelb der Blüten. Daneben wetteifern weiße Bärlauch-Blüten mit den ersten blühenden Erdbeeren. Der Garten – eine Farbsinfonie in Blau, Rosé und Weiß. 15. 5. 2018

 

10 Jahre Garten am Alpenrand: Alter Adel bei den Äpfeln

Es summt im Apfelbaum

Am Morgen bleibe ich unter dem Apfelbaum stehen: von oben ein Konzert aus Summ-, Brumm- und Schwirr-Tönen. Vor allem Bienen fliegen eifrig von Blüte zu Blüte. Das verspricht eine gute Ernte im Gegensatz zum Vorjahr, als der Frost die Blüten erfrieren und die Bienen im Bienenhaus bleiben ließ. Aber erst mal die Eisheiligen abwarten. Die Obstbäume stehen jetzt in voller Blüte. Den Anfang machten die Birnen, dicht gefolgt von den Kirschen. Bei Zwetschgen und Mirabelle fallen die Blüten zwischen den zarten Blättern nicht so auf, aber die Apfelbäume sind eine Pracht. – Vor zehn Jahren standen im ziemlich kahlen Garten eine Zwetschge und zwei kleine Apfelbäume, Sorte unbekannt. Zum Glück feierte ein Gartenbauverein am Bodensee im Herbst sein Jubiläum mit einer Apfelschau und der Möglichkeit, unbekannte Äpfel von Pomologen bestimmen zu lassen. Meine Äpfel stellten die kundigen alten Herren vor ein Rätsel, das sich erst löste, als ich erwähnte, dass die Bäume auf 850 Meter Höhe stehen. Die Äpfel waren deshalb kleiner und später gereift als im Obstbauklima am Bodensee. Jetzt erfuhr ich verblüfft, dass ich alten Adel im Garten habe: „Prinz Albrecht von Preußen“ und „Geheimrat von Oldenburg“ fühlen sich am bayerischen Alpenrand wohl. Der „Geheimrat“ ist allerdings mit dem Blühen und Fruchten immer etwas später dran, auch heuer lässt er sich noch Zeit. Immerhin hat es bisher mit der gegenseitigen Befruchtung geklappt. – Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich von alten Obstsorten wenig Ahnung. Ich staunte über die Apfelschau mit einer Fülle von Sorten, deren Namen ich noch nie gehört hatte und die nie in einem Supermarkt zu sehen sind. Aber meine Neugier war geweckt und ich nutzte die Gelegenheit zu fragen, welche weitere Sorte zu meinen „Nordlichtern“ passen würde. Ein „Doppelprinz“ wurde mir empfohlen und dazu eine Obstbaumschule in der Nähe, in der alte Obstsorten im passenden Klima aufwachsen dürfen. Ein „Doppelprinz“ war gerade nicht vorrätig, aber ein „Schöner von Wiltshire“ würde auch passen und sei mit seinem weinwürzigen Aroma ein ganz besonderer Apfel, meinte der Besitzer. Er hatte recht, auch wenn ich mehrere Jahre auf den Genuss warten musste. Der Garten bot noch ausreichend Platz für einen Halbstamm, der gerade so ins Auto passte. Der nächste Apfelbaum bezauberte mich mit seinem Namen und der weinroten Farbe der Früchte, der „Berner Rosenapfel“. Aus praktischen Gründen folgte ein „Roter Boskop“: ich brauchte einen lagerfähigen Apfel für Kuchen und Apfelstrudel. Dafür eignet sich auch der „Prinz Albrecht“, aber ab Januar verliert er an Geschmack. Jetzt fehlte mir noch eine frühe Sorte, um das Apfeljahr abzurunden. Den „Klarapfel“ kenne ich aus der Kinderzeit, aber die Sorte ist in einem Feuerbrand-gefährdeten Gebiet nicht zu empfehlen. So kam vor zwei oder drei Jahren der im bayerischen Alpenraum altbewährte „Jakob Fischer“ in meinen Garten, der heuer zu meiner Freude zum ersten Mal kräftig blüht. Ich bin schon sooo neugierig auf den Geschmack der Äpfel. 29. 4. 2018

Garten am Alpenrand: Überall Frühling

Frühlingsblütenpracht

Jeden Tag sind neue Wunder zu entdecken: die fast schon sommerlich warmen Apriltage lockten die Frühlingsblüher nahezu gleichzeitig ans Licht. Der zarten Hundszahnlilie folgten die Tulpen, die robusten Darwin-Hybriden, die zuverlässig jedes Jahr wiederkommen, dann die zarten lilienblütigen Tulpen, dazwischen die leuchtenden Traubenhyazinthen und das tränende Herz. Unter den Obstbäumen ein Meer von hellgelben Schlüsselblumen (Primula eliator), die das Licht nutzen, bevor Apfelblüten und Blätter Schatten werfen. Und ein paar Tage später gesellt sich die goldgelbe Frühlings-Schlüsselblume (Primula veris) dazu. Besonders apart sind die rotblühenden Exemplare, die vereinzelt natürlich vorkommen. Es gibt aber auch eine sehr ähnliche Garten-Züchtung „Sunset Shade“, und ich weiß nicht, welche sich in meinen Garten verirrt hat. Egal, sie ist wunderschön.

Hund und Katze: Welpen-Tagebuch 22

Fortschritte

Hurra! Airy hat es kapiert: Seit zwei Tagen bringt er einen geworfenen Ring zurück, damit Frauchen ihn gleich wieder werfen kann. Er hat begriffen, dass das Spiel nur weiter geht, wenn er mit dem Ring zurückkommt und nicht an Frauchen vorbei rast oder den Ring irgendwo im Gelände liegen lässt. Und er unterscheidet offenbar genau zwischen dem Spiel mit Frauchen und dem Spiel mit dem aus dem Wäschekorb geklauten Geschirrtuch, das er auf keinen Fall zurückbringen will. Da kann Frauchen locken, soviel sie will. Und jetzt sitzt Airy vor mir und schaut mich erwartungsvoll an. Wirft Frauchen den Ring oder den Ball? Nein, Frauchen klinkt die kurze Leine ans Halsband. Das bedeutet, dass Airy brav neben Frauchen gehen soll. Das Bei-Fuß-Gehen ist für den quirligen Welpen eine schwierige Übung. Er drängt nach vorne, bis Frauchen die Schulter weh tut. Nach zwei bis drei Tagen konsequentem Üben wird es besser. Aber bis das Bei-Fuß-Gehen ganz ohne Ziehen klappt, ist es noch ein weiter Weg. Und noch gehen Nase und Augen in alle Richtungen anstatt wie gewünscht zu Frauchen. Dagegen klappt das „Sitz“ mit Handzeichen oder gesprochenem Wort schon ausgesprochen gut. Airy bleibt sogar sitzen, wenn ich mich ein paar Schritte entferne und er wartet brav, bis ich wieder neben ihm stehe. Sogar, wenn Kätzchen Maja gerade vorbei stolziert! Eine Super-Leistung. Welpen-Tagebuch 22, 13. 4. 2018DSC00425_1[4536]

Garten am Alpenrand: Es sprießt allerorten

April – diesmal nicht launisch

Es sprießt und grünt und blüht allerorten. Die Hopfensprossen, Pfingstrosen- und Liebstöckel-Triebe scheinen zu tanzen, das tränende Herz will auch dabei sein und Seidelbast, Lungenkraut, Primeln und Narzissen sorgen für eine Symphonie der Farben. Die warmen Apriltage lassen auch die Knospen am Birnbaum anschwellen: sie wollen bald aufbrechen. 11. 4. 2018

Wandern und Schauen am sonnigen Südhang

Buschwindröschen und Veilchen

Kürzlich am Nordhang des Grünten waren wir noch mitten im Winter, dagegen lässt sich am sonnigen Südhang des Rottachbergs der Frühling nicht mehr aufhalten. Am Waldrand wetteifern die Buschwindröschen mit den Veilchen. Früher nannten wir alle nicht duftenden Veilchen „Hunds-Veilchen“. Inzwischen weiß ich, dass es noch eine Reihe weiterer Veilchen gibt, aber hier dürften es wirklich Hunds-Veilchen (Viola canina) sein. Ob der Name abwertend gemeint ist, weil sie nicht den verschwenderischen Veilchenduft verströmen? Im feuchten Graben neben dem Weg schieben sich die pfeilförmigen Blätter des Aronstabs heraus. Am trockenen, warmen Hang blühen schon die Erdbeeren und ich entdecke den allerersten Löwenzahn.

Dazwischen überall die unverwüstlichen Gänseblümchen. Um die zarten Blüten-Ähren der Frühlings-Segge (Carex caryophyllea) zu entdecken, muss man genau hinschauen. Der Landwirt war auch schon fleißig und hat einige Pfosten im Weidezaun erneuert. Am Waldrand darf ein alter Baumstamm vermodern und allem, was da „kreucht und fleucht“ Nahrung und Wohnung bieten. 8. 4. 2018

Lieblingsrezepte: Der Bärlauch kann geerntet werden

Mein Bärlauch-Kräuter-Frühstücksbrot

In den letzten zwei Tagen ist der Bärlauch in die Höhe geschossen. Die ersten frühen Blättchen hatten noch Frost abbekommen, aber jetzt kann geerntet werden. Der erste Gang noch vor dem Frühstück führt in den Garten: der Hund muss auch raus und ich hole mein Frühstück: ein paar Bärlauch-Blätter und was der Garten sonst noch an Kräutern hergibt. Es ist noch nicht viel, aber genug für mein Frühstücksbrot. Heute Morgen habe ich ein paar noch niedrige Schnittlauchröhrchen gefunden, dazu Winterheckenzwiebel und Luftzwiebel, Löwenzahn, Scharbockskraut (vor der Blüte ernten) und Pimpinelle. Die Pimpinellen-Blättchen werden vom harten Stängel abgestreift, die anderen Kräuter gehackt und mit einem halben Becher Joghurt vermischt (für eine große Brotscheibe). Statt Joghurt kann es auch Quark, Hüttenkäse oder besonders fein Ziegenfrischkäse sein. Dazu ein gutes Roggenbrot mit Butter. Fertig. Für mich gibt es kein besseres Frühlings-Frühstück!

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Garten am Alpenrand: Am Anfang war viel Platz

 

Zehn Jahre Garten: erstes Kennenlernen

Ein Haus in Hanglage, „außen wie eine Berghütte, innen wie ein Palast“ (Kindermund) und ein verwilderter Garten, so habe ich das Grundstück vor genau zehn Jahren vorgefunden und mich verliebt. Von Anfang an war vieles da, was mir gefiel: zur Straße hin Forsythien-Büsche mit gelben Blütenansätzen und ein Blumenbeet mit ein paar Krokussen und Schneeglöckchen, gefolgt von einem kleinen Teich mit Mäuerchen, dann eine Stufe tiefer ein Bauerngarten, in dem freilich nur noch Giersch wucherte und einige zu groß gewachsene Buchsbüsche. Es folgten ein paar Obstbäume, einige Beerensträucher und zum benachbarten Brachland und Gewerbebetrieb höhere Fichten und Laubbäume, die den Garten abschirmen. Alles ziemlich verwildert, die einstigen Gartenliebhaber lebten nicht mehr, die Enkel hatten keine Zeit. Ich sah sofort, dass hier Platz war für alle oder jedenfalls fast alle meine Lieblingspflanzen. Ich musste nicht viel umgestalten und neu anlegen, weil mir die Einteilung logisch erschien: ein Schauteil zur Straße und hinter dem Haus ein abgeschirmter Nutz- und Privatgarten mit „wilden“ Ecken. Und es kam noch besser: es war Ende März, Anfang April, als ich den Garten in Besitz nahm, der Beginn der Bärlauch- und Frühlingskräuterzeit. Bärlauch im Garten wäre praktisch, dachte ich, und zwei Tage später entdeckte ich die ersten grünen Spitzen. Ich träumte von Fliederduft im Garten, möglichst von dunkel-violetten, vielleicht auch weißen Blüten. Und da war er: ein kräftiger alter Busch in dunkel-violett und in der anderen Gartenecke ein kleinerer in Weiß – dass es die Wunschfarben waren, entdeckte ich erst einige Wochen später. Begeistert war ich auch von der alten Weide mit den silbrig glänzenden Kätzchen und von ersten Schlüsselblümchen unter den Büschen. Wenig später regten sich im Blumenbeet Massen blauer Traubenhyazinthen, gefolgt von prächtigen orangeroten Tulpen. Später habe ich gelernt, dass es Darwin-Hybriden sind, die robust und ausdauernd über Jahre hinweg blühen, während sich leider viele andere Tulpensorten nach ein bis zwei Blühperioden verabschieden. Ich musste überhaupt noch vieles lernen, denn bis dahin gab es nur Balkongärten, in denen freilich neben Blumen auch schon Kräuter, Beerensträucher und Salat wuchsen. Ein Garten war all die Jahre immer der Wunschtraum, wichtiger als das dazugehörige Haus. Tief eingeprägt hatte sich eine Erinnerung an die Kinderzeit. In einer damals fortschrittlichen Arbeitersiedlung gehörte zu jeder Wohnung ein Gartenbeet. Eine Mohrrübe aus der Erde ziehen, am Brunnen Wasser pumpen, um sie abzuwaschen und dann hineinbeißen in die knackige, süß-erdige Wurzel war ein Hochgenuss, den kein gekauftes Gemüse bieten konnte. Auch die Zuckererbsen schienen mir damals viel süßer als alle Sorten, die ich inzwischen ausprobiert habe. Und die Monatserdbeeren schmeckten fast so gut wie die köstlichen Walderdbeeren. Das war der Beginn meines Garten-Traums. Blumen waren damals noch unwichtig – nein, nicht ganz: ich liebte Veilchenduft und kannte die Spazierwege, wo sie zu finden waren. Entsprechend groß war meine Freude, als ich im eigenen Garten die ersten Veilchen fand. So hielt der Garten in den ersten Wochen und Monaten jede Menge Überraschungen bereit – nicht nur positive. Aber davon später.

Lieblings-Rezepte: Omas Osterbrot

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Omas Osterbrot

Omas Osterbrot war größer als die heuer gebackenen auf dem Foto, aber die Form war die gleiche: ein einfacher, runder Laib, im Gegensatz zum Weihnachtsstriezel, einem kunstvoll geflochtenen Zopf. Der Teig ist ein Hefeteig nach Grundrezept, aber angereichert mit reichlich gehackten Mandeln und Rosinen nach Geschmack. Ich verwende Dinkel-Spätzlemehl, eventuell mit einem kleinen Anteil Vollkornmehl – nicht auffällig viel, weil einige Männer im Familien- und Freundeskreis sonst streiken. Oma nahm griffiges Weizenmehl. Mandeln und Rosinen werden erst nach dem Aufgehen eingearbeitet. Dann wird der runde Laib geformt, der auf dem Blech noch einmal rasten und aufgehen darf. Bevor das Osterbrot ins Rohr kommt, wird es mit einem scharfen Messer kreuzförmig eingeschnitten. Meine Großmutter erkannte am Ton, ob der Hefelaib gut durchgebacken war: er muss charakteristisch hohl und dumpf klingen, wenn man auf die Unterseite klopft. Und natürlich segnete Oma den Laib vor dem Anschneiden, indem sie mit dem Daumen ein doppeltes Kreuz auf die Unterseite zeichnete. In anderen Familien wurde das Osterbrot zur Speisenweihe in die Kirche gebracht, aber meine Großmutter war keine eifrige Kirchgängerin. Nur das kleine Ritual des Kreuzzeichens, auch beim Anschneiden jedes anderen Brotes, bezeugte Dankbarkeit und Wertschätzung für ein Grundnahrungsmittel. Die kargen Kriegs- und Nachkriegsjahre waren noch nicht vergessen und es wäre uns Kindern nie eingefallen, ein Stück Brot wegzuwerfen. Hart gewordene Reste wurden zu Brotsuppe oder Brotbröseln verarbeitet. Das Osterbrot hatte und hat keine Chance, alt und hart zu werden. Es wird vorher aufgegessen. Schließlich schmeckt ein selbst gebackener Hefekuchen unvergleichlich besser als die meist viel zu weichen, schwammigen Zöpfe aus der Supermarkt-Bäckerei.