Wandern und Schauen: Vom „Monte Müll“ zum Blumenberg

Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea)

Magerrasenflächen mit seltenem Färberginster (Genista tinctoria), Sommerwurz (Orobanche sp.) und Orchideen findet man auf dem „Monte Müll“ bei Füssen.

Färber-Ginster (Genista tinctoria)
Sommerwurz (Orobanche sp.)

Die 1986 aufgelassene und renaturierte Mülldeponie hat sich zu einem Biotop mit erstaunlicher Artenvielfalt in Flora und Fauna entwickelt. Auf der Exkursion mit dem Arbeitskreis Heimische Orchideen, Regionalgruppe Allgäu fanden wir Anfang des Monats die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea), auch in einem weißen Exemplar und in einem Randbereich die Sumpf-Ständelwurz (Epipactis palustris).

Mücken-Händelwurz weiß
Sumpf-Ständelwurz (Epipactis palustris)

Aufgrund der Hitzeperiode im Juni war vieles schon verblüht, aber echtes Labkraut (Galium verum), bunte Kronwicke (Securigera varia) und Wald-Platterbse (Lathyrus sylvatica) zauberten bunte Punkte in den Hang.

Echtes Labkraut (Galium verum)
Bunte Kronwicke (Securigera varia)
Wald-Platterbse (Lathyrus sylvestris)

Die weißen Doldenblütler wie die wilde Möhre (Daucus carota) sind immer ein beliebter Landeplatz für Insekten. In den nahen Streuwiesen freuten wir uns über letzte Sumpf-Gladiolen (Gladiolus palustris). 24. 07.2025

Sumpf-Gladiole (Gladiolus palustris)

Garten am Alpenrand: Weitere fliegende Gäste

Einen besonders hübschen Gast entdeckten wir heute im Garten: einen je nach Sonneneinstrahlung metallisch grün oder braun schimmernden Bockkäfer, wohl ein Moschusbock (Aromia moschata), der zum Glück darauf verzichtet hat, sein stark riechendes Sekret auf dem menschlichen Arm zu verteilen.

Seine Larven leben in Weiden, die ich wegen der Kätzchen im Frühjahr im „wilden“ Gartenteil stehen lasse.

Vor ein paar Tagen hatte sich ein anderer Bockkäfer eingefunden, wohl ein Einfarbiger Langhornbock oder Schusterbock (Monochamus sutor), der allerdings nicht einfarbig war, den Fühlern nach ein Weibchen. Der Käfer entwickelt sich in Fichten, davon gibt es einige am Gartenzaun. 17. 07. 2025

Wandern und Schauen: Wiesen, die fliegen

Brauner Waldvogel (Aphantopus hyperantus) auf Wiesen-Flockenblume

Zu „Wiesen, die fliegen“ hatte der Landschaftspflegeverband Oberallgäu eingeladen. Und das war nicht übertrieben. Über den Streuwiesen herrschte reger Flugverkehr. Allerdings erwiesen sich die Schmetterlinge als ausgesprochen flatterhaft, offenbar wollten sich nur wenige ablichten lassen. Augenfällig war aber, dass die Renaturierungs- und Pflegemassnahmen von Landschaftspflegeverband und Landwirten erfolgreich sind.

Schachbrettfalter (Melanargia galathea)

Zur Förderung der Artenvielfalt müssen die Futterpflanzen erhalten bleiben, denn zahlreiche Schmetterlinge der Streuwiesen sind zur Eiablage und Raupenentwicklung auf ganz bestimmte Pflanzen angewiesen: der Baldrian-Scheckenfalter braucht den Baldrian, der seltene Hochmoor-Gelbling die Rauschbeere und der Schwalbenwurz-Enzian-Ameisenbläuling den Schwalbenwurz-Enzian und Ameisen, die die Raupe den Winter über im Ameisenbau füttern. Zu den typischen Pflanzen der feuchten Streuwiesen gehören altbekannte Heilpflanzen wie Mädesüß (Filipendula ulmaria) und Engelwurz (Angelica sylvestris), deren breite Doldenblüte gerade aus der Umhüllung bricht.

Mädesüss (Filipendula ulmaria)
Engelwurz (Angelica sylvestris)

Das helle Grün des Zottigen Klappertopfs (Rhinanthus alectorolophus) weist darauf hin, dass es sich um einen Halbschmarotzer handelt.

Zottiger Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus)

Staunen konnten wir über üppige Bestände der Pracht-Nelke (Dianthus superbus) oder eine prächtige Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea).

Pracht-Nelke (Dianthus superbus)
Ptacht-Nelke (Dianthus superbus)
Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea)

Eine merkwürdige Spinne gab uns Rätsel auf. Die Lösung: die Eichenblatt-Radspinne (Aculepeira ceropegia) zeigte ihre Unterseite mit dem Spinnapparat. 30. 06. 2025

Eichenblatt-Radspinne (Aculepeira ceropegia), Unterseite

Wandern und Schauen: Orchideen gehen gerne „fremd“

Orchideen auf Schritt und Tritt: der Ausflug mit dem Arbeitskreis Heimische Orchideen, Regionalgruppe Allgäu, hat sich mal wieder gelohnt. Auf gut 1500 Meter Höhe blüht jetzt alles auf einmal: das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), das Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii), die Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chloranta),

Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)
Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) und Wollgras (Eriophorum vaginatum)
Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chloranta)

die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea), die Höswurz (auch Weißzüngel genannt, Pseudorchis albida). Und dazwischen jede Menge Exemplare, die in Farbe und Form abweichen:

Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea)
Höswurz oder Weißzüngel (Pseudorchis albida)
Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) Albino

Unsere heimischen Orchideen sind im Erscheinungsbild sehr variabel und sie gehen gerne fremd: sie halten sich nicht an Artgrenzen, sondern bilden oft Hybride. So haben wir zahlreiche Pflanzen gesehen, die dem Breitblättrigen Knabenkraut ähnlich waren, aber mit kleinerem, lockeren Blütenstand und leicht einseitswendig. Da war offenbar das Lappländische Knabenkraut beteiligt.

Breitblättriges Knabenkraut x Lappländisches Knabenkraut ((Dactylorhiza majalis x Dactylorhiza lapponica)
Kälteliebendes Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii ssp. psychrophila)

Eine kleine und besonders zarte Form des Fuchs-Knabenkrauts ist das Kälteliebende Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii, ssp. psychrophila), das in höheren Lagen vorkommt. Den viel fotografierten Höhepunkt bildete eine sehr seltene Hybride zwischen einem Albino-Fuchs-Knabenkraut und der Höswurz. Auch beide Elternteile waren in der Nähe zu finden.

Fuchs-Knabenkraut x Höswurz (Dactylorhiza fuchsii, Albino x Pseudorchis albida)

Hund Airy erwies sich mal wieder als echter Orchideenhund: er setzte sich zwischen die Orchideen und nicht darauf.

Auch wir Zweibeiner mussten sorgfältig darauf achten, die Bergschuhe nicht auf die kleinen Kostbarkeiten zu setzen und auch die übrige Bergflora nicht zu stören: das Schmalblättrige und das Scheidige Wollgras (Eriophorum angustifolia und E. vaginatum), den punktierten Enzian (Gentiana punctata) oder die Katzenpfötchen (Antennaria dioica). Bitte vormerken: die nächste AHO-Exkursion im Allgäu findet am 05. Juli statt. 23. 06. 2025

Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium)
Punktierter Enzian (Gentiana punctata)
Katzenpfötchen (Antennaria dioica)

Wandern und Schauen: Botanische Wanderung 21. 06. 25 am Riedbergpass im Allgäu

Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii)

Das Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) und die Händelwurz (Gymnadenia conopsea) beginnen gerade zu blühen und auch das Weißzüngel oder Höswurz (Pseudorchis albida) ist vielleicht schon zu finden.

Weißzüngel/Höswurz (Pseudorchis albida)

Es handelt sich bei diesen Kostbarkeiten um Orchideen, die nicht im exotischen Urwald sondern auf unseren Wiesen wachsen. Wer sie kennenlernen will, ist auf den Exkursionen mit dem Arbeitskreis Heimische Orchideen, Regionalgruppe Allgäu willkommen. Am Samstag, 21. Juni 2025 geht es ins Grasgehrengebiet am Riedbergpass auf rund 1400 m Höhe. Die leichte bis mittelschwere Bergwanderung weist nur geringe Steigungen auf und endet nach zwei bis drei Stunden mit einer Einkehr. Die botanische Führung ist kostenfrei, Teilnahme auf eigene Gefahr. Treffpunkt ist um 10 Uhr auf dem Parkplatz Riedbergpass, Berghütte Grasgehren. 18. 06. 2025

Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea)

Wandern und Schauen: Moor and more

Sumpfblutauge (Comarum palustris)

Das Sumpfblutauge (Comarum palustre, früher Potentilla palustris) ist Blume des Jahres 2025. Gesehen haben wir die Blüte auf einer Exkursion mit dem Landschaftspflegeverband Oberallgäu in einem Moor – im Allgäu sagt man „Moos“ – im Bergstättgebiet bei Immenstadt.

Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos cuculi)
Bach-Nelkenwurz (Geum rivale)

Im renaturierten Moos und den begleitenden Streuwiesen erwartet uns jetzt eine Blütenfülle mit Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi), Bachnelkenwurz (Geum rivale), Bach-Kratzdistel (Cirsium rivulare) und Schmalblättrigem Wollgras (Eriophorum angustifolium).

Bach-Kratzdistel (Cirsium rivulare)
Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustofolium)

In kräftigem Purpur leuchten Orchideen wie das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), dazwischen auch kleinere Pflanzen mit weniger Blüten im oft einseitswendigen Blütenstand, wohl das Lappländische Knabenkraut (Dactylorhiza lapponica) oder eine Hybride.

Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)
wohl Lappländisches Knabenkraut (Dactylorhiza lapponica)

Durch die Entbuschung und Wiedervernässung werden zahlreiche Arten und die darauf angewiesenen Insekten gefördert. So brauchen die Raupen des Randring-Perlmuttfalters den Schlangenknöterich (Bistorta officinalis, auch Polygonum bistorta) und die Raupen des Baldrian-Scheckenfalters lieben den Sumpf-Baldrian (Valeriana dioica).

Schlangenknöterich (Bistorta officinalis)
Sumpf-Baldrian (Valeriana dioica)

In den Hochmoor-Bereichen finden sich Bulte mit Seggen (Carex sp.), Moosbeere (Vaccinium oxycoccos) und Torfmoosen (Sphagnum sp.), die enorme Mengen an Wasser speichern können.

Deshalb sind intakte Moore so wichtig als Wasser- und CO2-Speicher und die Arbeit des Landschaftspflegeverbands und der beteiligten Landwirte zur Renaturierung der wenigen noch erhaltenen Moore ist nicht hoch genug einzuschätzen. 02. 06. 2025

Kugelige Teufelskralle (Phyteuma orbiculare)

Wandern und Schauen: Jeder Tag bringt Neues

Schuppenwurz (Lathraea squamaria)

Der Frühling ist eine spannende Jahreszeit. Jeden Tag gibt es Neues zu entdecken: gestern war es die Schuppenwurz (Lathraea squamaria), die sich aus dem alten Laub schiebt (Handyfoto, man siehts an der Qualität).

An Südhängen fangen Löwenzahn (Taraxacum officinale – ich ignoriere mal die Vielzahl der Unterteilungen, die inzwischen gemacht werden) und Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) zu blühen an, an kühlen Wegrändern leuchtet noch der Huflattich (Tussilago farfara).

An Sonnentagen öffnet sich der Krokus (Crocus vernus/albiflorus) und besondere Freude bereiten mir die Veilchen:

Rauhaariges Veilchen (Viola hirta)
Duftendes Veilchen (Viola odorata)

Die frühesten waren rauhaariges (Viola hirta) und duftendes Veilchen (Viola odorata), jetzt kommen das Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana) und das Hain-Veilchen (Viola riviana) dazu.

Waldveilchen (Viola reichenbachiana)
Hain-Veilchen (Viola riviana)

Die letzten beiden wachsen am lichten Waldweg gegenüber, die Unterschiede bei Blütenfarbe und Sporn sind mir erst auf den Fotos aufgefallen. Auch Buschwindröschen (Anemone nemorosa) und Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) stehen in voller Blüte, ebenso wie der Gundermann (Glechoma hederacea).

Zu jeder Jahreszeit prachtvoll: die alte Eiche. 11. 04. 2025

Garten am Alpenrand: Naturgarten mit Bergmolch

Die Bergmolche sind wieder da! Heute Morgen habe ich sie im Gartenteich entdeckt. Ich freue mich jedes Frühjahr über die munteren Gesellen. Wir haben den fast zugewachsenen Teich zur Hälfte wieder frei geräumt und die Molche scheinen sich zwischen den Wurzelresten wohl zu fühlen. Wer findet die beiden Männchen mit dem gelb gepunkteten Kamm auf den Fotos?

Ein Weibchen ist auch da, wollte sich aber nicht fotografieren lassen.

Mein Garten ist jetzt als Naturgarten zertifiziert. Der Anstoß kam vom Gartenbauverein, der zeigen will, dass jeder Garten zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen kann. Da mir Wildpflanzen genauso lieb sind wie gezüchtete Kulturpflanzen, war mein Motto seit jeher: Bei mir darf (fast) alles wachsen, nur nicht überall.

Jetzt im Vorfrühling blühen Krokus und Lenzrose (Helleborus orientalis) neben Himmelschlüssel (Primula eliator) und bald auch Scharbockskraut (Ranunculus ficaria).

Die Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) haben den letzten Schneefall gut überstanden und sind inzwischen am Verblühen. Auch erste Bienen, Hummeln und Zitronenfalter haben wir schon beobachtet.

Die wichtigsten Kriterien für den Naturgarten sind der Verzicht auf „chemische“ Pflanzenschutz- und Düngemittel sowie auf torfhaltige Erde. Und natürlich die Förderung der Artenvielfalt in der Pflanzen- und Tierwelt. Also Marienkäfer und Ohrwurm statt Gift gegen Blattlaus und Co. und Hornspäne und Kompost statt „Kunst“-Dünger. Da ich Moorlandschaften mit ihrer besonderen Pflanzenwelt liebe und Moore wichtige Wasser- und CO2-Speicher sind, ist die Verwendung von torffreier Erde für mich selbstverständlich – die Qualität der angebotenen Erden ist allerdings sehr unterschiedlich, da muss man ausprobieren, was passt.

Arten- und Sortenvielfalt gibt es nicht nur im weitgehend insektenfreundlichen Blumenbeet sondern auch im Obst- Gemüse- und Kräutergarten. So ein Naturgarten sieht freilich nicht so ordentlich aus wie ein „aufgeräumter“ Steine- und Rasengarten.

So durften z.B. Stauden und Stängel im Winter stehen bleiben als Nahrungsquelle und Rückzugsort für Insekten und Vögel. Und was jetzt abgeschnitten wird, landet nicht gleich im Schredder sondern erst mal auf einem Haufen. Auch „wilde“ Ecken, Holzstapel, Mauern und eine Wasserfläche bieten spezielle Lebensräume im Naturgarten. – 22. 03. 2025

Wandern und Schauen: Wunderbarer Winterspaziergang – wunderbare Momente 2025

Ich wünsche Euch allen 2025 möglichst viele wunderbare Momente und so viel Spaß, wie Hund Airy im Schnee hat!

Garten am Alpenrand: Mehr Schnee

Über Nacht sind etwa 30 Zentimeter Schnee gefallen. Wunderschön zum Anschauen, aber in der Masse anstrengend. Heute Morgen war erst einmal Schneeräumen angesagt: Hauseingang und Auto, und im Garten ein Gang für den Hund.

Dabei lohnt die Arbeit kaum, denn am Sonntag sind schon wieder mehr als zehn Grad angesagt, da wird vom Schnee nicht viel übrigbleiben. 22. 11. 2024