Wandern und Schauen: Ausflug in den Winter

Hund Airy liebt den Schnee und konnte sich endlich wieder ausgiebig wälzen: wir haben einen Ausflug in den Winter gemacht, mit der Bergbahn auf 2000 m Höhe. Das hat ihn dafür entschädigt, dass er in der Gondel einen Maulkorb tragen musste, was er gar nicht mag.

Es war ein Traumtag, ebenso wie einige Tage zuvor, als es im Tal grau und trist war, oben auf den Bergen aber „obheiter“, wie man in Oberstdorf sagt.

Also Sonne über dem Nebelmeer, aus dem nur die hohen Gipfel ragen. Kürzlich auf dem Nebelhorn war nur der Gipfel frei. Im Herbst freue ich mich über jedes letzte Blümchen, das sich noch blicken lässt.

Und gelegentlich sind Besonderheiten zu entdecken wie die verwachsenen Blüten der Silberdistel (Carlina acaulis) und die weiße bärtige Glockenblume (Campanula barbata).

Auch Enzianarten blühen bis spät in den Herbst: im September finden wir den Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea), im Oktober noch den Fransen-Enzian (Gentianopsis ciliata, früher Gentiana c.) und den Rätischen Kranzenzian (Gentianella rhaetica) mit fünfteiliger Krone.

Letzterer wurde früher als Unterart des Deutschen Enzians (Gentiana germanica) angesehen, gilt aber inzwischen als eigene Art und als vorherrschend in den Alpen. Genetische Erkenntnisse haben in der Botanik zahlreiche Verwandschafts-Verhältnisse und damit auch die Namen verändert. Man lernt halt nie aus. 04. 11. 2025

Wandern und Schauen: „Männliches Knabenkraut“ – ein merkwürdiger Name

Männliches Knabenkraut (Orchis mascula)

„Männliches Knabenkraut“ – wie kommt diese zarte und anmutige Pflanze zu diesem merkwürdigen doppelt männlichen Namen? Auch die botanische Bezeichnung „Orchis mascula“ weist diese Doppelung auf, wobei Orchis aus dem Griechischen kommt und auf die hodenähnlichen Wurzelknollen der Knabenkräuter verweist. „Mascula“ -in Latein „masculus“ (mit männlicher Endung) nannten frühe Botaniker die größere von zwei ähnlichen Arten.

Schlüsselblume (Primula eliator)

Im Allgäuer Bergland auf etwa 1300 m blühen noch üppig die Schlüsselblumen (Primula eliator) und weiter oben im Steilhang ist ein Prachtexemplar der Aurikel (Primula auricula) zu entdecken.

Aurikel (Primula auricula)
Berg-Hahnenfuß (Ranunculus montanus)

Auch Berg-Hahnenfuß (Ranunculus montanus) und Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris) gehören zu den gelben Frühjahrsboten.

Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris)
Heidelbeere (Vaccinium myrtillis)

Die rosa blühenden Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus) versprechen eine reiche Beerenernte.

Noch eng eingerollt erscheinen die ersten Farnblätter, während die Pestwurz (Petasites albus) bereits zur Mehrfach-Pusteblume wird. Ein dunkler Fleck am hellen Felsen entpuppt sich als Trauermantel (Nymphalis antiopa), ein prächtiger Schmetterling, den ich hier nur selten sehe. 16. 05. 2025

Weiße Pestwurz (Petasites albus)
Trauermantel (Nymphalis antiopa)

Wandern und Schauen: Nach dem Unwetter

Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell ein sonst harmlos erscheinender Bergbach die Landschaft verändern kann. An einer kleinen Brücke am Wanderweg stutze ich: vor wenigen Tagen war der Bach hier noch metertief eingegraben, jetzt ist er bis an den Weg aufgeschottert. Und offenbar hat ein Bagger bereits den Weg frei geräumt und auch im Bachbett wieder eine schmale Rinne geschaffen, um das Wasser in sein altes Bett zurück zu leiten: Schotter auf den angrenzenden Weideflächen zeigt, wie stark der Bach ausgeufert war.

Jetzt ist er wieder ein kleines Rinnsal, aus dem der Hund ungefährdet saufen kann.

Aber auch weiter oben zeigt sich, welche gewaltigen Schuttmengen, vermischt mit Wurzeln und Baumstämmen das Wasser transportiert hat: es muss ein ordentliches Getöse gewesen sein.

Offenbar war es eines der letzten heftigen Gewitter, das den Bach derart anschwellen ließ – hier in den Bergen nicht ungewöhnlich, aber es scheint, dass solche Starkregen-Ereignisse zunehmen. Die Natur – und auch wir Menschen – müssen damit zurechtkommen.

Auch die Bäume sind am Steilhang Überlebenskünstler: was direkt auf dem Fels wachsen will, muss seine Wurzeln tief hinunter strecken und gut verankern. 04. 08. 2024

Wandern und Schauen: Ein Orchideen-Highlight und mehr

Honigorchis (Herminium monorchis)

Das Herminium, auch Honigorchis (Herminium monorchis) zu finden hat mich besonders gefreut, dank des Tipps eines anderen Orchideen-Freundes. Die kleine Orchidee fällt durch ihre Farbe in der Wiese auf.

Ein weiteres Highlight der letzten Tage war die Alpen-Haarbinse (Trichophorum alpinum).

Alpen-Haarbinse (Trichophorum alpinum)

Auch weitere Orchideen stehen gerade in voller Blüte, das Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii), die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und die Sumpf-Ständelwurz (Epipactis palustris).

Fuchs-Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii)
Bergwiese mit Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und Sumpf-Ständelwurz (Epipactis palustris)

Nicht selten, aber immer wieder hübsch ist die Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi).

Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi)

Der Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata) will auch bald blühen und an einer Steinmauer huscht eine Berg- oder Moor-Eidechse (Lacerta vivipara) vorbei. Der lateinische Name deutet darauf hin, dass sie lebende Junge zur Welt bringt.

Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata)
Berg- oder Moor-Eidechse (Lacerta vivipara)

Kein Blattgrün braucht die Zierliche Sommerwurz (Orobanche gracilis), sie ist ein Wurzelparasit auf Kleearten.

Zierliche Sommerwurz (Orobanche gracilis)

Eindrucksvoll schiebt sich Jahr für Jahr der Japanische Staudenknöterich (Reynoutria japonica) in die Höhe. Ein alter Allgäuer hat mir erzählt, dass man ihn früher rund um Freibäder gepflanzt hat, um die badenden Damen vor neugierigen Blicken zu schützen. Heute ist die Ausbreitungstendenz des ehemaligen Sittenwächters eher unerwünscht.

Japanischer Staudenknöterich (Reynoutria japonica)

Übrigens: die Allgäuer Älpler gehen mit der Zeit: der Weidezaun wird mit Solar-Energie betrieben. 06. 07. 2024

Wandern und Schauen: Orchideen-Highlights – Unterwegs mit dem AHO

Manns-Knabenkraut (Orchis mascula)

Vom Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) bis zur Hohlzunge (Coeloglossum viride) – es gab viel zu sehen bei der Exkursion mit dem Arbeitskreis Heimische Orchideen, Regionalgruppe Allgäu.

Hohlzunge (Coeloglossum viride)
Weißzüngel (Pseudorchis albida)

Highlights waren die winzige Fliegen-Ragwurz (Ophris insectifera), die gerade erst zu blühen beginnt und das Kohlröschen (Nigritella rhellicani), das nach Schokolade duftet.

Fliegen-Ragwurz (Ophris insectifera)
Schwarzes Kohlröschen (Nigritella rhellicani)

Manns-Knabenkraut (Orchis mascula)

Auf rund 1700 m Höhe blühen nicht nur die Orchideen: wer genau hinschaut, kann auf den Allgäuer Bergen auch die winzige Mondraute (Botrychia lunaria), die rosa Katzenpfötchen (Antennaria dioica) oder den Milchweißen Mannsschild (Androsace lactea) entdecken. 24. 06. 2024

Mondraute (Botrychium lunaria)
Katzenpfötchen (Antennaria dioica)
Milchweißer Mannsschild (Androsace lactea)

Wandern und Schauen: Kostbarkeiten auf Nagelfluh

Stein-Nelke (Dianthus sylvestris)

Eine im bayerischen Alpenraum seltene Schönheit blüht gerade: die Stein-Nelke (Dianthus sylvestris). Ebenfalls selten, aber weniger auffällig und von den meisten Wanderern übersehen, ist das Hahnenfußblättrige Hasenohr (Bupleurum ranunculoides).

Hahnenfußblättriges Hasenohr (Bupleurum ranunculoides)
Zwergmispel (Cotoneaster integerrimus)

Unauffällig und auch nicht häufig wächst die Zwergmispel (Cotoneaster integerrimus) gern auf Felsgraten. Bei einer Exkursion mit dem Arbeitskreis Heimische Orchideen, Regionalgruppe Allgäu, ging es nicht nur um Orchideen. Die Nagelfluhkette im gleichnamigen Naturpark ist bekannt für ihren Artenreichtum.

Allermannsharnisch (Allium victorialis)
Türkenbundlilie (Lilium martagon)

Prächtig stehen da Allermannsharnisch (Allium victorialis) und Türkenbundlilie (Lilium martagon). Und immer wieder hübsch die blauen und weißen Farbtupfer von Kleiner Glockenblume (Campanula cochleariifolia) und Kriechendem Gipskraut (Gypsophila repens). 17. 07. 2023

Kleine Glockenblume (Campanula cochleariifolia), Kriechendes Gipskraut (Gypsophila repens)

Wandern und Schauen: Frühlings-Krokus und Alpenrose

Soldanelle (Soldanella alpina)

Kaum schmilzt der Schnee, drängen Frühlingskrokus (Gentiana verna) und Soldanellen ans Licht.

Frühlings-Krokus (Crocus vernus = albiflorus)

Und wenige Meter weiter blüht die erste Alpenrose (Rhododendron ferrugineum). Das Spannende an der alpinen Flora ist, dass wir mit wenigen Schritten vom Vorfrühling in Richtung Sommer wandern können, je nach Höhenlage und Sonnen-Exposition, Geländeform und Untergrund.

Rostrote Alpenrose (Rhododendron ferrugineum)

Im Allgäu bewegen wir uns vorwiegend im Kalkgebiet, aber Flyschberge wie das Fellhorn zeigen uns kalkmeidende Pflanzen wie die Rostrote Alpenrose (Rhododendron ferrugineum) mit ihren rostfarbenen Blattunterseiten oder den Stängellosen Enzian (Gentiana acaulis = kochiana), der sich durch die olivgrünen Flecken im Kelch vom kalkliebenden Clusius-Enzian unterscheidet.

Stengelloser Enzian (Gentiana acaulis = kochiana)

Ein paar Eindrücke in der Bildergalerie. Auch Hund Airy hat den Ausflug genossen: er liebt die letzten Schneefelder. 25. 06. 2023

Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)
Berg-Nelkenwurz (Geum montanum)
Alpenhelm (Bartsia alpina)
Heidelbeere, Blüten (Vaccinium myrtillus)
Katzenpfötchen (Antennaria dioica)
Alpen-Wegerich (Plantago alpina) und Frühlings-Enzian (Gentiana verna)

Wandern und Schauen: Schnee-Farben

Berge in Blau und Rosa – bei solchen Sonnenuntergängen kommen mir die Bilder von Ernst Ludwig Kirchner in den Sinn. Die Natur zeigt uns fantastische Farben und Formen und große Künstler intensivieren sie und holen die Quintessenz heraus. Ich finde es immer faszinierend, wie Natur und Kunst ineinandergreifen und unser Sehen bereichern. Und der Schnee lässt uns die Winter-Farben noch intensiver wahrnehmen.

– Der Winter zeigt sich allerdings heuer launisch wie der April: kaum ist die Landschaft weiß, kommt wieder ein Wärme-Einbruch und die ganze Pracht schmilzt dahin. Weiter unten im Tal sind die Wiesen schon wieder grün.

Deshalb habe ich kürzlich den Neuschnee gleich noch frisch in der Nacht aufgenommen. 10. 02. 2023

Wandern und Schauen: Endlich richtig Winter!

Ein erster Skifahrer war schon unterwegs. Und wir stapfen den Weg weiter aus. So macht Winter Spaß: Man sieht es Airy an, wie gern er im Schnee wühlt und sich in der weißen Pracht wälzt!

Auch die Landschaft hat sich verwandelt: weiche Konturen, harte Kontraste. Und wenn dann trotz tiefhängender Wolken noch ein Sonnenstrahl durchkommt – Was will Winterwanderer mehr!

Nur für Airy folgt ein dickes Ende: die Dusche zuhause, um die Schneebollen schnell wieder los zu werden. Zum Glück ist es nur bei Neuschnee so schlimm. Dann müssen wir umkehren, bevor das Fell durchnässt ist. Wenn der Schnee erst einmal durchgefroren ist, klebt er nicht mehr so im Fell fest und wir können wieder länger laufen. 22.01.2023

Wandern und Schauen: Ein Hauch von Winter

In Talnähe ist nur ein Hauch von Winter angekommen. Wohl nur vorübergehend, denn für die nächsten Tage ist Regen angekündigt.

Zumindest die Berge leuchten in frischem Weiß, wenn sie sich mal zeigen zwischen den tiefhängenden Wolken. Trotzdem ist es ideales Wanderwetter, denn die Wege sind zumindest in tieferen Lagen nicht vereist und gut zu begehen.

Und die kleinen Schneehauben auf Moos und Nagelfluh-Gestein schaffen Kontraste.

Der Borkenkäfer hat ein Relief in ein Stück Rinde gezeichnet: Kunst in der Natur, schön und zerstörerisch, denn der betroffene Baum ist dem Käfer zum Opfer gefallen.

Zerstörerisch und bewundernswert zugleich ist auch den Biber am Werk, selbst am kleinsten Wiesenbach, der im Sommer kaum Wasser führt. Wo der Schnee fehlt, leuchtet das Weiß der Birkenstämme. 10. 01. 2023