Garten am Alpenrand: Es sprießt allerorten

April – diesmal nicht launisch

Es sprießt und grünt und blüht allerorten. Die Hopfensprossen, Pfingstrosen- und Liebstöckel-Triebe scheinen zu tanzen, das tränende Herz will auch dabei sein und Seidelbast, Lungenkraut, Primeln und Narzissen sorgen für eine Symphonie der Farben. Die warmen Apriltage lassen auch die Knospen am Birnbaum anschwellen: sie wollen bald aufbrechen. 11. 4. 2018

Garten am Alpenrand: Am Anfang war viel Platz

 

Zehn Jahre Garten: erstes Kennenlernen

Ein Haus in Hanglage, „außen wie eine Berghütte, innen wie ein Palast“ (Kindermund) und ein verwilderter Garten, so habe ich das Grundstück vor genau zehn Jahren vorgefunden und mich verliebt. Von Anfang an war vieles da, was mir gefiel: zur Straße hin Forsythien-Büsche mit gelben Blütenansätzen und ein Blumenbeet mit ein paar Krokussen und Schneeglöckchen, gefolgt von einem kleinen Teich mit Mäuerchen, dann eine Stufe tiefer ein Bauerngarten, in dem freilich nur noch Giersch wucherte und einige zu groß gewachsene Buchsbüsche. Es folgten ein paar Obstbäume, einige Beerensträucher und zum benachbarten Brachland und Gewerbebetrieb höhere Fichten und Laubbäume, die den Garten abschirmen. Alles ziemlich verwildert, die einstigen Gartenliebhaber lebten nicht mehr, die Enkel hatten keine Zeit. Ich sah sofort, dass hier Platz war für alle oder jedenfalls fast alle meine Lieblingspflanzen. Ich musste nicht viel umgestalten und neu anlegen, weil mir die Einteilung logisch erschien: ein Schauteil zur Straße und hinter dem Haus ein abgeschirmter Nutz- und Privatgarten mit „wilden“ Ecken. Und es kam noch besser: es war Ende März, Anfang April, als ich den Garten in Besitz nahm, der Beginn der Bärlauch- und Frühlingskräuterzeit. Bärlauch im Garten wäre praktisch, dachte ich, und zwei Tage später entdeckte ich die ersten grünen Spitzen. Ich träumte von Fliederduft im Garten, möglichst von dunkel-violetten, vielleicht auch weißen Blüten. Und da war er: ein kräftiger alter Busch in dunkel-violett und in der anderen Gartenecke ein kleinerer in Weiß – dass es die Wunschfarben waren, entdeckte ich erst einige Wochen später. Begeistert war ich auch von der alten Weide mit den silbrig glänzenden Kätzchen und von ersten Schlüsselblümchen unter den Büschen. Wenig später regten sich im Blumenbeet Massen blauer Traubenhyazinthen, gefolgt von prächtigen orangeroten Tulpen. Später habe ich gelernt, dass es Darwin-Hybriden sind, die robust und ausdauernd über Jahre hinweg blühen, während sich leider viele andere Tulpensorten nach ein bis zwei Blühperioden verabschieden. Ich musste überhaupt noch vieles lernen, denn bis dahin gab es nur Balkongärten, in denen freilich neben Blumen auch schon Kräuter, Beerensträucher und Salat wuchsen. Ein Garten war all die Jahre immer der Wunschtraum, wichtiger als das dazugehörige Haus. Tief eingeprägt hatte sich eine Erinnerung an die Kinderzeit. In einer damals fortschrittlichen Arbeitersiedlung gehörte zu jeder Wohnung ein Gartenbeet. Eine Mohrrübe aus der Erde ziehen, am Brunnen Wasser pumpen, um sie abzuwaschen und dann hineinbeißen in die knackige, süß-erdige Wurzel war ein Hochgenuss, den kein gekauftes Gemüse bieten konnte. Auch die Zuckererbsen schienen mir damals viel süßer als alle Sorten, die ich inzwischen ausprobiert habe. Und die Monatserdbeeren schmeckten fast so gut wie die köstlichen Walderdbeeren. Das war der Beginn meines Garten-Traums. Blumen waren damals noch unwichtig – nein, nicht ganz: ich liebte Veilchenduft und kannte die Spazierwege, wo sie zu finden waren. Entsprechend groß war meine Freude, als ich im eigenen Garten die ersten Veilchen fand. So hielt der Garten in den ersten Wochen und Monaten jede Menge Überraschungen bereit – nicht nur positive. Aber davon später.

Garten am Alpenrand: Zwischen Winter und Frühling

Ende März: Sieben Tage zwischen Winter und Frühling

  1. Tag: Neuschnee, 2. Tag: Boden teilweise aper, aber gefroren, kein Wunder bei minus sieben Grad Nachttemperatur. 3. Tag: Sonne und Frühlingswunder, die Krokusse blühen prächtig, die Lenzrose hebt wieder das Köpfchen und unter den Obstbäumen blühen die ersten, noch winzigen Schlüsselblumen. Ein paar Aufräumarbeiten sind möglich, die Maulwurf-Vergrämungsaktion mithilfe von Knoblauch startet, aber die Erde ist noch sehr nass und die Schuhe bald ein Kilo schwerer. 4. Tag wieder kühl. 5. bis 7. Tag: Regen, einmal auch Schnee. Der Boden ist stark aufgeweicht, Gartenarbeit muss warten. Karfreitag ein sonniger Frühlingstag, aber die nächsten beiden Tage sollen wieder kalt und ungemütlich werden. Ob es weiße Ostern gibt, wie so oft in den letzten Jahren?

Garten am Alpenrand: wieder Winter

Wieder alles weiß

Und wieder ist der Garten weiß. Und das ist gut so. Die Schneedecke schützt das frische Grün vor den Frostnächten: minus acht Grad sind angesagt. Und da das Thermometer tagsüber unter Null anzeigt, werden die Nächte eisig. Ich hatte mich schon auf die ersten Frühlingskräuter gefreut, aber Bärlauch und Co. müssen noch warten. Stattdessen gibt es pünktlich zum Frühlingsanfang noch mehr Schnee. Für den Garten ist das besser als die nahezu sommerlichen Temperaturen im letzten Jahr, die Apfelbäume, Birnen und alle weiteren Obstbäume verfrüht blühen ließen. Dann kam der Frost nach Ostern – minus zehn Grad – und hatte zur Folge, dass die gesamte Obsternte ausgefallen ist. Im letzten Herbst gab es weder Apfel, noch Birne oder Quitte, ganz zu schweigen von Kirschen und Zwetschgen. Auch die wunderschöne Sternmagnolie ist dem heftigen Spätfrost zum Opfer gefallen. Ob ich heuer eine neue pflanze?

Garten am Alpenrand: der Untermieter will mitgestalten

Maulwurf mit Frühlingsgefühlen

Hat der Maulwurf Frühlingsgefühle? Jedenfalls wirft er extra hohe Hügel auf. Bisher habe ich den unterirdischen Gesellen im Garten geduldet, er frisst ja keine Wurzeln. Aber inzwischen hat er den Rasen in eine Berg- und Tal-Landschaft verwandelt und obwohl ich einen extra geländegängigen Rasenmäher habe, könnte es schwierig werden. Und auf der frisch aufgeworfenen Erde siedelt sich als Pionier auch gleich der kriechende Hahnenfuß an (Ranunculus repens), der seine Ausläufer schneller weiterschiebt als man vermutet. Ich mag ja beide, den Hahnenfuß und den Maulwurf, aber eigentlich will ich den Garten selbst gestalten. Ich schreibe Knoblauchknollen auf den Einkaufszettel, angeblich soll Knoblauch den Maulwurf vertreiben. Ich werde es versuchen. Im Randbereich unter den Büschen und im wilden Gelände hinter dem Zaun kann er dann graben, so viel er mag.

Garten am Alpenrand: Märzsonne lockt

Mitte März: die Lenzrose blüht

Die Lenzrose hat es geschafft und eine wunderschöne dunkelrosa Blüte geöffnet. Ich freue mich, denn ich habe sie im letzten Jahr als mickrige, übriggebliebene Pflanze zum Sonderpreis erstanden. Auch im Gemüsebeet leuchtet es rot: der Rhabarber schiebt glänzende Knospen-Kugeln aus der Erde. Und gleich daneben stehen die ersten grünen Spitzen des Bärlauchs. Noch ein paar Tage und das Kräuterjahr kann beginnen. Die milde Märzsonne hat mich verlockt, den Winterschutz der Rosen abzuräumen, damit Schneeglöckchen und Krokus besser zur Geltung kommen. Die angehäufelte Erde bleibt noch, denn zum Wochenende sind wieder Schneeschauer angesagt und die Nächte bringen weiterhin Minusgrade. Trotzdem können jetzt die Aufräum-Arbeiten beginnen: Himbeeren und Stauden schneiden und altes Laub beseitigen. Ich schneide die Stauden erst im Frühjahr, so können sich Vögeln und Insekten an den Samenständen bedienen. Beim Aufräumen hat Welpe Airy begeistert „geholfen“.

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Garten am Alpenrand: Vorfrühlings-Explosion

Vorfrühlings-Explosion

Was für eine Entwicklung in den letzten Tagen: Anfang März steckten die Schneeglöckchen vorsichtig die Blütenköpfe aus dem Schnee, zwei Tage später zeigte sich ein erster botanischer Krokus und nochmal zwei Tage später scheint die Blütenpracht zu explodieren. Zu Schneeglöckchen und Krokus gesellen sich erste Schlüsselblumen (Primula eliator, Wildform) und Gartenprimeln und auch die Lenzrose hebt wieder das Köpfchen. Alle haben mehrfach Neuschnee und mehrere Nächte zwischen minus 16 und minus 20 Grad überstanden und freuen sich über den Temperatursprung auf plus 10 Grad. Ich staune immer wieder, welche Kraft und welcher Überlebenswille in den zarten Frühlingsblühern steckt. Auch die ersten Unkräuter regen sich schon – Verzeihung, ich meine natürlich „Wildkräuter“ oder „Beikräuter“, denn an der richtigen Stelle hat alles seine Berechtigung. Aber wir Gärtner haben unterschiedliche Vorstellungen darüber, was wo wachsen darf. Die frischen Graspolster stören im Erdbeerbeet und die wilde Nelkenwurz (Geum urbanum) mag ich nicht im Blumenbeet. Sie darf im hinteren halb wilden Gartenbereich wachsen, zeigt aber einen Ausbreitungsdrang, dem ich Grenzen setzen muss. Da juckt es in den Fingern, mit dem Jäten anzufangen. Aber ich merke schnell, dass es noch zu früh ist: der Boden ist weitgehend gefroren. Die Nächte sind immer noch eisig und der Schnee hält sich in schattigen Bereichen. Aber der beißend kalte Wind hat sich gelegt und Licht und Wärme geben nicht nur der Natur, sondern auch uns Menschen Auftrieb. Es gibt allerdings auch eine Schattenseite: wenn der Schnee schmilzt und die Erde nass und schwer ist, kommt der Hund nach jeder Gartenrunde wie ein Dreckspatz zurück! 6. 3. 2018P1070834_1[4302]